Streifen Jagdwilderer durch den Landkreis Schwandorf? Vorfall bei Teunz alarmiert Jäger

Von Martin Kellermeier · 5. August 2025 um 20:00

Das Foto, das Erich Meindl mit seinem Handy aufgenommen hat, ist keine leichte Kost. Zwei abgetrennte Rehschädel mit geöffneten Augen sind zu sehen, daneben liegen sieben Läufe. Der erfahrene Jäger hat die Tierkadaver am Fuße des Schlossbergs bei Teunz im Landkreis Schwandorf aufgesammelt. Schnell stand für den 74-Jährigen fest: „Das war Jagdwilderei!“ Nun schrillen bei der Jägerschaft im Landkreis Schwandorf die Alarmglocken.

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Es ist ein beschaulicher Fleck im nördlichen Landkreis, an dem Meindl am vergangenen Freitag die grausige Entdeckung gemacht hat. Dort in seinem Revier Wildstein-Nord, gleich neben einer Scheune, wo Spaziergänger und Wanderer gewöhnlich die Ruhe und die Natur genießen, lagen die abgetrennten Rehköpfe.

Zwei Frauen mit ihren Hunden hatten die Häupter gefunden und Jagdpächter Bernhard Neumann verständigt. Der schickte seinen Jäger Meindl. Bereits kurze Zeit später stand für die beiden Waidmänner fest: In unserem Revier stimmt etwas nicht.

Foto auf der Wildkamera und verdächtige Fahrzeuge aus dem Ausland

Für Erich Meindl ist es ausgeschlossen, dass die Tierkadaver von einem Wildunfall stammen. Schnell legte er sich fest, dass es sich hier eigentlich nur um Jagdwilderei handeln kann. Mehrere Indizien nähren seinen Verdacht, sagt er. Eine Wildkamera, die etwas entfernt vom Fundort hängt, konnte spätabends am 26. Juli eine Aufnahme machen, die einen Mann mit vollgepacktem Rucksack und Stirnlampe zeigt. Die Person, die einen olivfarbenen Overall trägt, kommt Meindl irgendwie verdächtig vor.

Und dann ist da ja noch eine Beobachtung eines Jungjägers, der am vergangenen Samstag frühmorgens im Revier Wildstein-Nord ebenfalls eine fragwürdige Entdeckung gemacht haben will. Als er auf dem Weg zum Hochsitz war, fielen ihm zwei Autos mit niederländischem Kennzeichen auf. In den Fahrzeugen sollen auch Jagdutensilien gelegen haben, berichtet Meindl.

Der erfahrene Waidmann und sein Jagdpächter haben inzwischen den Fall an die Polizeiinspektion Oberviechtach gemeldet. Die Ermittler berichteten sodann am vergangenen Montag in ihrem Pressebericht über die abgetrennten Rehschädel. „Dem äußeren Anschein nach konnte ausgeschlossen werden, dass ein anderes Tier die Rehe gerissen hatte“, teilte Polizeioberkommissarin Carmen Schwabe mit. Wer verdächtige Beobachtungen gemacht hat, solle sich unter Telefon (0 96 71) 9 20 10 bei der Polizei melden.

Bezirksvorsitzender des Jagdverbands: Jagdwilderei ist „niemals harmlos“

Auch Alexander Flierl, der Bezirksvorsitzende des Bayerischen Jagdverbands (BJV), hat Kenntnis von dem Vorfall bei Teunz. Er betont ausdrücklich, dass er sich nicht an Spekulationen beteiligen wolle und ganz auf die Ermittlungen der Polizei vertraue. Er sagt aber auch: „Allgemein gilt: Wenn abgetrennte Rehköpfe und Tierknochen aufgefunden werden, kann das ein Hinweis auf Wilderei sein – muss es aber nicht zwingend. Solche Funde sind in jedem Fall ernst zu nehmen.“

Jagdwilderei sei zwar selten, aber niemals harmlos, so Flierl. „Sie ist frevelhaft, widerwärtig – und sie verstößt gegen geltendes Recht wie gegen jedes ethische Verständnis im Umgang mit der Schöpfung.“

Manche Wilderer wollen einfach Tiere verletzen oder töten. Sie nutzen oft technische Mittel, Fallen oder Gifte – das macht sie potenziell gefährlich.

Alexander Flierl, Bezirksvorsitzender des Bayerischen Jagdverbands

Und mit den Tätern sei nicht zu spaßen. „Wer wildert, begeht in der Regel nicht nur einen Rechtsbruch, sondern geht oft skrupellos und rücksichtslos mit nicht unerheblicher krimineller Energie vor. Das macht solche Täter potenziell gefährlich – für Wildtiere, aber auch für Menschen, insbesondere für Kontrollorgane wie Polizei und Jägerschaft oder gar Passanten“, stellt der BJV-Bezirksvorsitzende fest.

Die Motive der Täter sind vielfältig, weiß Flierl. Sie würden von Trophäenjagd über Fleischbeschaffung bis hin zu reiner Zerstörungswut reichen. „Manche Wilderer wollen einfach Tiere verletzen oder töten. Sie nutzen oft technische Mittel, Fallen oder Gifte – das macht sie potenziell gefährlich“, erklärt der Fachmann.

Wer einen möglichen Wilderer auf frischer Tat beobachtet, sollte auf keinen Fall selbst eingreifen, rät Flierl. „Weder Jäger noch Passanten sind dazu da, sich mit mutmaßlichen Wilderern direkt auseinanderzusetzen“, konstatiert der Waidmann. Vielmehr sollten beispielsweise Kennzeichen notiert und sämtliche Auffälligkeiten dokumentiert werden. Diese Informationen sollten dann an die Polizei übergeben werden.

Blick in die Polizeistatistik: Bislang nur vereinzelt Fälle von Wilderei im Landkreis

Im Landkreis Schwandorf sind die Ermittler bislang eher selten mit Fällen von Wilderei konfrontiert. Die angezeigten Fälle im laufenden Jahr würden sind im niedrigen einstelligen Bereich bewegen, informiert Polizeisprecher Jonas Krauß auf MZ-Anfrage. Die Zahlen seien jedoch leicht erhöht im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Der Inhalt der Anzeigen würde sich stark unterscheiden. „In den meisten Fällen geht es um das Aufstellen von verbotenen Fallen oder das Aufstellen von Fallen ohne Genehmigung und innerhalb der Schonzeit“, bilanziert der Polizeihauptmeister.

BJV-Bezirkschef Flierl hat sich derweil die Zahlen für Bayern angeschaut. Demnach gab es laut der polizeilichen Kriminalstatistik im vergangenen Jahr im Freistaat 229 Fälle von Jagdwilderei. Die Aufklärungsquote lag bei 33,6 Prozent, so seine Recherche. Man müsse beim Blick auf die Zahlen generell von einer hohen Dunkelziffer ausgehen, bilanziert Flierl. Und die gebe es bestimmt auch vor Ort.