Bei Neumarkts „Mister Volksfest“ laufen alle Fäden zusammen

Von Eva Gaupp · 5. August 2025 um 11:00

Rund 280.000 Menschen besuchen jedes Jahr das Neumarkter Jura-Volksfest. Für die Organisation ist der Leiter des Hauptamts mit seinem Team verantwortlich. Wann er Gänsehaut bekommt, wo es knifflig wird und was die Stadt für die Sicherheit der Besucher tut – darüber spricht Thomas Thumann.

Es sind nur noch wenige Tage bis zum Volksfest. Gibt es jetzt überhaupt noch etwas zu tun?

Thomas Thumann: Die Arbeitsintensität kurz vor dem Volksfest steigt von Tag zu Tag. Es sind noch viele Kleinigkeiten zu organisieren. Dazu gehört es, den Festzug aufzustellen. Wir achten darauf, Kinder- und Sportgruppen, historische Gruppen und die Blumenwagen gezielt zu platzieren. Gruppen wie die Neumarkter Schäffler müssen beispielsweise direkt hinter einer Musikgruppe hergehen, damit sie Musik zum Tanzen haben.

Wie viele Gruppen werden dieses Jahr dabei sein?

Thumann: Mit den Blaskapellen dürften es um die 105 Gruppen und 3500 Personen sein.

Entsprechend der Teilnehmerliste sowie ihren Bedürfnissen erhalten die einzelnen Gruppen ihren Platz im Neumarkter Volksfestzug. - Foto: Eva Gaupp

Die Stadt hat das Sicherheitskonzept für große Veranstaltungen ausgebaut. Wie lässt sich das für den Volksfestzug und das Volksfest umsetzen?

Thumann: Ein Sicherheitskonzept hatten wir immer, aber angesichts der Anschläge in Magdeburg und München gibt es einen detaillierten Amokschutz. Das heißt, wir müssen alle Zufahrtswege und Straßen für Fahrzeuge sperren. Das sind etwa 50 Punkte entlang des Festzugs – einschließlich der Aufstellungsfläche –, die durch Fahrzeuge, Betonpoller, Blumentröge oder Betonpoller mit Seilen dazwischen blockiert werden.

Allein sieben Zufahrtsstraßen hat schon die Bahnhofstraße.

Thumann: Das ist richtig, aber sie ist bei Teilnehmern wie Zuschauern sehr beliebt. Unter anderem, weil es dort Schatten gibt. Deshalb haben wir zusätzlich etwa 20 Schirme von der Neumarkter Lammsbräu für die Marktstraße geordert. Drei werden wir auf dem Volksfestplatz aufstellen, wo die Moderation stattfindet.

Trotzdem braucht es Zufahrten für Rettungskräfte.

Thumann: Neben der Heubrücke haben wir zwei Öffnungen in der Rotbuchenstraße und am G6, an denen Mitarbeiter des Sicherheitsdiensts bei Bedarf die Seile aufmachen.

Sie wollen aktuell auf dem Laufenden bleiben, was sich auf dem Neumarkter Jura-Volksfest tut? Dann schauen Sie auf unserer Volksfestseite.

Wenn die Gruppen und Wagen auf dem Neumarkter Volksfestplatz eintreffen, stellt Thomas Thumann sie vor. Sein Platz ist dann direkt neben den Ehrenplätzen. - Foto: Eva Gaupp

Wie viele Volksfest haben Sie schon organisiert?

Thumann: 2000 war das erste, zwei sind ausgefallen, damit ist es heuer das 24..

Was genau sind Ihre Aufgaben als Leiter des Hauptamts beim Volksfest?

Thumann: Die Stadt ist Veranstalter dieses Volksfestes. Das heißt, die Stadt hat die Aufgabe der Gesamtorganisation. Das beginnt bei der Anmietung der Jura-Hallen und des Festplatzes, geht über die Beauftragung der Stadtwerke für die Wasserleitungen, der Hausmeister für die Ausstattung, des Bauhofs für Elektroanschlüsse oder Verkehrsbeschilderung.

Wir bekommen vom Festwert das Musikprogramm und bauen drum herum ein Programm mit Familien- und Seniorennachmittagen, Festzug, Pferdeschau und Sportveranstaltungen und lassen dann Flyer sowie Plakate drucken.

Wer bestimmt, welche Essensstände da sind und welche Fahrgeschäfte kommen?

Thumann: Es gibt jedes Jahr eine Ausschreibung für die Essensgeschäfte. Interessenten müssen sich bis um den 15. Januar des laufenden Festjahres bewerben. Stammbeschicker werden üblicherweise, wenn man mit ihnen zufrieden ist, jährlich wieder zugelassen. Beim Volksfest gibt es außerdem zwei Wechselstände. Da kommt es darauf an, ob die Bewerbung zum bestehenden Angebot passt. Der Festausschuss berät darüber und aufgrund dieser Grundlage entscheiden Oberbürgermeister und die Verwaltung.

Bei den Schaugeschäften sammelt unser Generalunternehmer Hartmann-Wunderle alle Bewerbungen und macht dann einen Vorschlag. Auch das wird im Festausschuss besprochen.

Gibt es eine besonders knifflige Aufgabe bei der Organisation des Jura-Volksfests?

Thumann: Ich würde sagen das ist der Festzug. Denn es gibt immer Gruppen, die am Schluss laufen. Und irgendeiner ist immer nicht ganz zufrieden mit dem Standort und manche äußern das ziemlich deutlich.

Wann kommt dann das große Durchschnaufen?

Thumann: Bei mir fällt die große Anspannung ab, wenn am ersten Tag der Auszug gelaufen ist, das Standkonzert beendet ist und der Oberbürgermeister das erste Fass angezapft hat.

Die Brücke über den Ring am Volksfestplatz bietet immer einen sehr guten Blick auf den Neumarkter Volksfestzug. - Foto: Eva Gaupp

Gibt es etwas am Neumarkter Volksfest, das Sie ändern möchten?

Thumann: Ich finde die Grundstruktur sehr schön. Sie ist anders als bei den meisten Volksfesten: Wir haben Hallenbetrieb und Biergarten an einem Standort, dann die beiden Essensstraßen sowie eine Fläche für Schaugeschäfte. Das hat Vorteile, aber auch Nachteile. Wenn man bei anderen Volksfesten über den Platz geht, kommt man automatisch an den Essens- und den Schaugeschäften vorbei. Aber unser Festplatz ist nun mal so konzipiert – auch was die Strom- und Wasseranschlüsse angeht.

Was ist für Sie der schönste Volksfest-Moment?

Thumann: Ich bekomme Gänsehaut, wenn bei der Pferde- und Fohlenschau die toll aufgemachten Pferde mit einiger Geschwindigkeit an der Ehrentribüne an uns vorbei donnern und die Erde bebt.

Ist auch schon mal etwas schiefgegangen?

Thumann: Durchaus. Beim Festzug ist einmal ein Pferd gestiegen, hat sich in der Anspannung verfangen und die Deichsel abgetreten. Das ist schon lange her. Wir haben damals festgestellt, dass die Pferde das blaue „P“ vor dem Parkhaus in der Ringstraße für Wasser gehalten haben und deshalb nervös geworden sind. Seitdem decken wir es ab.

Was ich nicht vergessen werde, ist der Unfall einer jungen Frau, die aus dem Kettenkarussell rausgerutscht ist, weil sie sich an einer anderen Kette festgehalten hat. Und im gleichen Jahr hat jemand versucht, sich durch einen Sprung vom Riesenrad das Leben zu nehmen, ist aber auf einen Wohnwagen gefallen und hat sich kaum verletzt.

Das macht sicher auch etwas mit einem, wenn man mit viel Herzblut involviert ist.

Thumann: Das ist schon so. Es gab auch immer wieder Bestrebungen von beteiligten Gruppen oder aus dem Stadtrat heraus, das Volksfest zu verändern, moderner zu machen. Ich verstehe mich als Bewahrer des traditionellen Volksfests, wie man es kennt. Mit Veränderungen sollte man sehr vorsichtig agieren, denn es besteht die Gefahr, dass die Besucher sie nicht annehmen.

Erinnern Sie sich noch an Volksfestbesuche als Kind?

Thumann: Ich kann mich daran erinnern, dass die Große Jura-Halle in den 1980er Jahren voll war, als die Showband German Hoffmann gespielt hat, die viele heute vom Frankenfasching her kennen. Da gab es keinen Platz mehr, alle standen auf den Bänken. Das haben wir leider heute nicht mehr so.

„Klostergold“ hat eine große Fangemeinde in Neumarkt. - Foto: Eva Gaupp

Bei Bands wie Klostergold oder den Gipfelstürmern stehen die Fans aber auch heute noch auf den Bänken.

Thumann: Es ist bewundernswert, wie viele Fans diese Bands haben – aber die Leute auf den äußeren Bänken bleiben trotzdem sitzen.

Was macht ein Hauptamtsleiter sonst das Jahr über?

Thumann: Wir haben im Jahresverlauf eine ganze Reihe von Festen, die mein Team und ich organisieren: Frühlingsfest, Oldtimertreffen, der Neujahrsempfang oder die festliche Stadtratssitzung mit Ehrungen am Jahresende.

Dazu kommen Einweihungen, Spatenstiche. Wir bereiten Besuche von Schulklassen im Rathaus vor oder Empfänge. Weiter sind wir Ansprechpartner für Vereine und das Thema Sport, einschließlich der Verwaltung unserer zehn Sporthallen.

Darüber hinaus ist das Hauptamt für Dienstanweisungen und Dienstvereinbarungen, Urlaubsrecht, Arbeitszeiterfassung oder Reisekosten zuständig, alles, was mit Versicherungen zu tun hat. Und wir beschaffen zum Beispiel einmal im Jahr das Papier für die gesamte Stadtverwaltung, einschließlich Schulen, mit mehreren Millionen Blatt.

Das ist eine große Bandbreite.

Thumann: Richtig. Dafür habe ich aber auch ein sehr gutes Team. Genauso wie die Organisation des ganzen Volksfests eine Teamleistung ist. Da zählt der Bauhof genauso dazu wie die Hausmeister der Jura-Hallen , die Kollegen vom Bauhof und alle, die die Pferdeschau auf die Beine stellen oder im Bereich Festzug mitmachen wie Feuerwehr und THW. Sie tragen gemeinsam dazu bei, dass alles läuft.