Vierwöchige Zwangspause im OP-Saal hat dem Kelheimer Krankenhaus eine tiefe Finanzwunde zugefügt

Die Ära „Oberender AG“ am Krankenhaus in Kelheim hat offenbar ein gewaltiges finanzielles Nachbeben. Das Betriebsdefizit im ersten Halbjahr fällt um gut zweieinhalb Millionen Euro höher aus als geplant, informierte die neue Geschäftsführerin Claudia Eder den Kreistag.
Wie berichtet, ist im April unvermittelt die Geschäftsführerin des Kelheimer Caritas-Krankenhauses St. Lukas (CSL), Sabine Hehn, entlassen worden. Sie war von der Oberender AG nach Kelheim entsandt; die AG wiederum von der Caritas mit der Geschäftsführung der Klinik beauftragt. Unmittelbar nach dem Ausscheiden Hehns gab die externe PR-Agentur namens der Klinik bekannt, dass wegen „dringender Umbauarbeiten im OP und im Bereich der Sterilgutversorgung“ für rund vier Wochen keine Operationen mehr möglich seien.
Mit einem Kraftakt von Klinikpersonal und Firmen gelang es in der Zwangspause, den OP-Bereich wieder voll funktionsfähig zu bekommen, so dass seither wieder operiert werden kann und der OP-Trakt bis zur bereits beschlossenen Generalsanierung einsatzfähig bleibt. Aber die Zwangspause hinterließ eine ordentliche Delle bei den Fallzahlen und entsprechend den Erlösen. Das schilderte die neue Geschäftsführerin Claudia Eder jüngst im Kreistag.
Krankenhaus Kelheim: Weniger Geburten im ersten Halbjahr 2025
Demnach behandelte das CSL während der Schließzeit (10. April bis 9. Mai) 420 Patienten weniger als geplant; auch die – vergütungs-relevante – „Fallschwere“, der CaseMix, war in der Zeit niedriger. Unter anderem in der Geburten-Statistik hinterließ die Pause Spuren: Heuer kamen im ersten Halbjahr 219 Babys am CSL zur Welt; 2024 im selben Zeitraum 271 (2023 waren es sogar 291).
Die ungeplante OP-Schließung scheint indes nicht die einzige Fehlentwicklung gewesen zu sein, die von der Ära Oberender geblieben sind. Die jetzige – klinik-eigene – Geschäftsführerin Eder schreibt im Halbjahresbericht auch: „Hohe Aufwendungen für Arbeitnehmer-Überlassungen belasten zusätzlich das Ergebnis“; die „Auslagerungen aus dem Personalbereich nach extern führen zu enormen Kostensteigerungen“. Dem versuche man zwar schon gegenzusteuern: mit dem Wiedergewinnen von hauseigenem Personal und dem Kündigen der Überlassungsverträge. Letztere hätten aber „lange Kündigungsfristen“.
All dies dürfte erheblichen Anteil daran haben, dass das Defizit des Kelheimer Krankenhauses aus dem ersten Halbjahr deutlich über Plan liegt: Der Wirtschaftsplan sah knapp 3,99 Mio. Euro Minus vor; tatsächlich liegt es bei 6,58 Mio., gab Eder bekannt. Bitter für den Landkreis Kelheim; er trägt laut Gesellschaftervertrag das Defizit alleine.
Patienten in andere Krankenhäuser verlegt
Erfreulich sei immerhin, so die Geschäftsführerin weiter, dass das CSL voraussichtlich im Oktober wieder eine „Stroke-Unit“ (für die Behandlung von Schlaganfall-Patienten) beantragen könne. Die dafür vorgeschriebene Stelle sei mittlerweile wieder besetzt.
In der kurzen Debatte kritisierte Kreisrätin Annette Setzensack, dass während der OP-Schließung nicht mehr Patienten ans Mainburger Krankenhaus „umgelotst“ worden seien, stattdessen viele ans Regensburger Caritas-Krankenhaus St. Josef.
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Geschäftsführerin Eder sagte, Patienten mit unaufschiebbare Operationen seien nach St. Josef, Mainburg und auch in weiter entfernte Häuser verlegt worden, teils sogar per Hubschrauber. Dies zeige im Übrigen auch, „dass es umliegende Kliniken gar nicht so einfach auffangen können, wenn das Kelheimer Krankenhaus für OPs wegfällt“.