CSU Freystadt nominiert Bürgermeister Dorr nicht als Kandidat: Wie es zur Überraschung kam

Von Wolfgang Endlein · 31. Juli 2025 um 16:37

Der Kandidat der CSU in Freystadt für die Bürgermeisterwahl im kommenden Jahr heißt Tobias Maget. Nicht Alexander Dorr. Der seit 2014 amtierende Rathauschef unterlag dem jungen Stadtrat am Donnerstag in einer Stichwahl. Für Beteiligte und Beobachter war das überraschend und doch zugleich auch nicht. Was sind die Hintergründe des Paukenschlags und was bedeutet dieser für die Wahl?

Es ist das Jahr der Newcomer bei der CSU im Kreis Neumarkt – und zweimal war Alexander Dorr mit beteiligt. Zu seinem Leidwesen. Bei der Wahl des CSU-Landratskandidaten flog er im ersten Wahlgang raus. Am Ende siegte überraschend Katharina Ziegler. Ungewöhnlich verlief auch die Nominierung des CSU-Bürgermeisterkandidaten in Freystadt, zu der die Presse nicht eingeladen wurde.

Dass es für einen amtierenden Bürgermeister parteiinterne Gegenkandidaten gibt, ist schon ungewöhnlich. Dass der jüngste dieser Gegenkandidaten gewinnt umso mehr. Der 24-jährige Tobias Maget setzte sich in der Stichwahl gegen Dorr durch. Im ersten Wahlgang hatte Dominik Lerzer die wenigsten Stimmen erhalten.

Freystadts Bürgermeister Dorr ist enttäuscht

Am Tag danach klingt Alexander Dorr gefasst. „Innerlich zehrt es aber an einem“, sagt der 53-Jährige, der seit 2014 Freystadts Bürgermeister ist. „Enttäuschend“, lautet sein Fazit des Donnerstagabends, dessen Ergebnis Dorr nach eigener Aussage überrascht hat.

Dass es Gegenkandidaten geben würde, das hatte sich in den vergangenen Wochen abgezeichnet, berichten Dorr und andere CSU-Mitglieder. Wie üblich hat es im Vorfeld der offiziellen Nominierung Gespräche gegeben, ob man sich auf einen Kandidaten einigen kann. Am Ende waren es drei.

„Ich habe aufgezeigt, was ich alles in meiner Amtszeit geleistet habe. Nicht alles, was wünschenswert war, war auch umsetzbar“, verteidigt sich Dorr und deutet Gründe an, die zur Niederlage geführt haben.

In Dorrs Amtszeit arbeitet sich Freystadt durch große Projekte. Der fertig gestellte Umbau der Martini-Schule, die laufende Sanierung der Mehrzweckhalle und der Plan einer einzigen, zentralen Kläranlage sind die prägendsten – und teuersten. Die Folge: Freystadts Schulden werden 2025 auf 17,8 Millionen Euro anwachsen.

Dorr wollte Landrat in Neumarkt werden

„Ich habe nicht alles verkehrt gemacht“, sagt Dorr und erhält Beistand vom CSU-Fraktionschef im Stadtrat, René Brandl. Schulen, Kindergärten, Feuerwehren und die genannten Großprojekte: Unter Dorr habe Freystadt mehr vorangebracht, als gewürdigt werde.

Ähnlich sagt es Markus Breindl, CSU-Stadtrat aus Burggriesbach. Aber er nennt auch die Kritikpunkte, die Dorr wahrscheinlich die entscheidenden Stimmen gekostet haben. „Die Landratsgeschichte war sicher ein Faktor“, sagt Breindl. Angesichts von Dorrs Bemühen, sich ins Landratsamt zu verbessern, erschien manchem Freystadt nur die zweite Wahl zu sein.

Wohl entscheidender war aber nach Einschätzung von Breindl und anderer Beteiligter ein weiterer Punkt. Die Kritik an fehlenden neuen Wohnbau- und Gewerbegebieten ist schon länger zu hören. „Das hat in einigen Ortsteilen für Unmut gesorgt“, sagt Breindl.

Ärger wegen keiner neuen Baugebiete und Gewerbegebiete in Freystadt

An diesem Punkt setzte Tobias Maget den Hebel an. Es gelte, die Finanzen der Stadt zu stabilisieren, sagt der 24-Jährige am Tag nach seinem Erfolg. Zum einen mit einem genauen Blick auf die Ausgaben. Zum anderen müsse die Stadt ihre Einnahmen verbessern. Es brauche neue Gewerbegebiete. „Lebensqualität ist, da zu wohnen, wo die Heimat ist“, sagt der Diplom-Finanzwirt im Staatsdienst. Freystadt müsse Baugebiete schaffen.

„Freystadt braucht frische Impulse“, sagt Maget und spielt damit die Karte seines jungen Alters. Er weiß aber auch, dass mancher das angesichts der Herausforderungen in Freystadt kritisch sieht. „Im Alter sehe ich kein Problem“, sagt Maget. Er habe Verwaltungserfahrung, sitze im Stadtrat und habe viele erfahrene Wegbegleiter, deren Rat einzuholen, er sich nicht scheue. „Ich habe alles gegeben für die Kandidatur. Ich brenne für die Gemeinde“, klingt Maget bereit für den Wahlkampf.

In diesem muss die CSU mit dem Signal leben, das die Abwahl des eigenen Rathauschefs an die Wähler sendet. Geschlossenheit sei deswegen jetzt das Gebot der Stunde, heißt es bei vielen aus der CSU.

Ob das gelinge, davon werde viel abhängen, sagt auch der größte Rivale der CSU bei der Wahl, die Freien Wähler in Person ihres Vorsitzenden Matthias Penkala. Jubel angesichts der für ihn überraschenden Entwicklung, kommt bei Penkala aber nicht auf. Es stehe eine Person dahinter, hat er Mitgefühl mit Dorr. Die Aussichten der Freien Wähler hat es aber nicht verschlechtert.

Kandidiert Dorr trotzdem bei der Bürgermeisterwahl in Freystadt?

In einer kurzfristig einberufenen Vorstandssitzung werden sie sich beraten, wie zu reagieren ist. „Aber sicher ist: Wir werden einen fähigen Kandidaten aufstellen“, sagt Penkala. Ob es er selbst ist? „Dazu möchte ich mich nicht äußern.“

Ganz ähnlich klingt es, wenn man Dorr auf Albert Löhner anspricht. Der frühere CSU-Landrat hatte einst die parteiinterne Nominierung verloren, trat aber dennoch bei der Wahl an – und gewann. „Ich werde mich heute in keine Richtung äußern“, sagt Dorr. „Ich muss das jetzt erst alles sacken lassen.“