CSU Neumarkt schickt erstmals eine Frau in die Landratswahl: Wie es zu dem Paukenschlag kam

Die Überraschung ist perfekt: Kein seit Jahren bekanntes Politikergesicht wird den Wählern 2026 von den Plakaten der CSU für die Landratswahl entgegenblicken, sondern eine Newcomerin. Am Samstag haben die Delegierten mit Katharina Ziegler erstmals eine Frau zur Kandidatin gekürt. Einfach verlief die Wahl unter den drei Kandidaten nicht, aber spannend.
Einen klaren Favoriten gab es nicht unter den drei Kandidaten Katharina Ziegler, Marco Gmelch und Alexander Dorr. Entsprechend war die Atmosphäre unter den 180 Delegierten und Beobachtern im Johanneszentrum von Spannung geprägt. Eingangs versuchte die Kreisvorsitzende Susanne Hierl, den Eindruck abzuwehren, dass drei Kandidaten automatisch mit Streit in der Partei einhergehen. „Wir sind uns einig wie nie zuvor“, sagte Hierl. Jeder der drei wäre ein geeigneter Kandidat für die Wahl. Am Ende konnte es aber nur einen bzw. eine geben.
Bevor sich die Delegierten entscheiden mussten, sprachen die drei Kandidaten zu ihnen. Neben grundsätzlichen politischen Aussagen und Zielen für den Landkreis (Wirtschaft stärken, Gesundheitsversorgung sichern, Ehrenamt unterstützen), die keine großen Unterschiede zeigten, versuchten die drei Kandidaten in ihren Reden ihre individuellen Vorzüge herauszuarbeiten.
Ziegler, Gmelch und Dorr liefern Argumente für sich als Landrats-Kandidat
Neben der 37-jährigen kommunalen Erfahrung als Verwaltungsmitarbeiter und Bürgermeister in Freystadt, betonte Dorr zwei gewonnene Wahlkämpfe und die Lebenserfahrung als zweifacher 52-jähriger Familienvater. Für einen erfolgreichen Wahlkampf gehe es auch um die Bekanntheit des Kandidaten, erklärte Dorr. Er sah sich durch sein Amt als Rathauschef und seine Ehrenämter unter anderem als Kreisvorsitzender des Nordbayerischen Musikbundes gut aufgestellt. ?Ziegler griff den vermeintlichen Makel auf, dass sie kaum über Erfahrung in der Partei und politischen Ämtern verfügt. Sie verstehe, dass persönliche Bindungen und langjährige Parteiarbeit bei der Kandidatenkür zählten. „Aber momentan zählt vor allem eines: Wer kann die Menschen gewinnen“, sagte die Listenkandidatin bei der Bundestagswahl und lieferte ein Argument für sich: Die Mehrheit der Wähler im Landkreis seien Frauen. „Vielleicht ist es an der Zeit, dass sich das an der Spitze des Landratsamt widerspiegelt.“
Daneben betonte die Juristin in einer inhaltlich voll gepackten Rede ihre Kompetenzen in Sachen Verwaltungsarbeit, die sie sich als Richterin und Führungskraft im Landratsamt sowie aktuell bei der Regierung der Oberpfalz erworben habe.
Marco Gmelch arbeitete seinen langjährigen Einsatz in Beruf, Partei und Kommunalpolitik heraus, bei dem er sich die nötigen Kenntnisse für das Amt des Landrats erworben habe. Seit zwei Jahrzehnten in der CSU aktiv habe er den zerstrittenen Neumarkter Stadtverband geeint, was sich unter anderem auch im Sieg bei der OB-Wahl niedergeschlagen habe. Als Mitarbeiter bei der Sparkasse und aktuell beim Klinikum habe er Einblick in zwei bedeutende landkreiseigene Einrichtungen gewonnen. Kommunalpolitische Erfahrung sammelt der 37-Jährige seit Jahren im Stadtrat, als Bürgermeister und Kreisrat.
Ziegler setzt sich in einer Stichwahl gegen Gmelch durch
Dann ging es ans Wählen. Meist schweigsam warteten die beieinander sitzenden Kandidaten auf das Ergebnis des ersten Wahlgangs. Der brachte für Dorr eine krachende Niederlage. Unter Raunen der Delegierten im Saal verlas Wahlleiter Elmar Forster das Ergebnis: 16 Stimmen von 180 Delegierten erhielt der Freystädter. Die Mehrheit fiel mit 86 auf Ziegler, 78 stimmten für Gmelch. Es brauchte eine Stichwahl.
Von den dann nur noch 178 anwesenden Delegierten gaben 92 ihre Stimme der 39-jährigen Ziegler. Gmelch erhielt 86.
Letzterer und Dorr versuchten, ihre Niederlagen mit Fassung nehmen. Beide riefen dazu auf, als Partei einig zu sein und Ziegler zu unterstützen. Diese erklärte: „Es war klar, dass alles möglich ist. Ich bin glücklich über das Ergebnis.“ Ihre Erfahrung am Landratsamt dürfte wohl ausschlaggebend für das Votum gewesen sein, sagte die Juristin.
Nun gilt es für sie, auch die Wähler von sich zu überzeugen. Diese Mission beginnt schon am Sonntag mit den ersten Terminen für die neue Kandidatin der CSU.