Zum 70. gab es für Neumarkts Landrat hunderte Glückwünsche, eine besondere Torte und so manche Frotzelei

Von Wolfgang Endlein · 11. Juli 2024 um 19:00

Wer bringt einen Minister dazu zu singen? Nein, Albert Füracker ist nicht im Wahlkampf. Aber zum 70. Geburtstag von Landrat Willibald Gailler stimmte Füracker eine von ihm auf den Landkreis Neumarkt umgetextete Version des Lieds „Dem Land Tirol die Treue“ an.

Es war Teil eines launig gehaltenen Nachmittags im Landratsamt, zu dem hunderte Gratulanten kamen. Die Schlange in den großen Saal reichte bis vor dessen Tür. Zahllose Politiker, Vertreter von Kirchen und Vereinen, Mitarbeiter diverser Behörden und nicht zuletzt des Landratsamtes selbst waren gekommen, um Gailler die Hand zu schütteln. Der nahm die Parade der Gratulanten ab – und durfte sich manche Neckerei alter Weggefährten anhören.

„Wir haben gemeinsam schon so manche Großveranstaltung leer gesungen“, witzelte Füracker über gemeinsame Gesangseinlagen mit Gailler auf Festbühnen. Bevorzugt schmettern beide das besagte „Dem Land Tirol die Treue“. Womit auch ein Bogen zur Liebe Gaillers zu Südtirol geschlagen war. „Seine zweite Heimat“, erklärte Füracker, den in der Vergangenheit die nicht ganz ernst gemeinte Sorge umtrieb, ob nicht der Südtiroler Landeshauptmann einst Gailler heißen könnte.

Ein Leben für die Politik im Landkreis Neumarkt

Bekanntlich blieb der Freystädter aber im Landkreis und ist dort seit 40 Jahren als Kreisrat, Bürgermeister und jetzt Landrat politisch aktiv. Zum Wohl für den Landkreis, wie Füracker meinte. „Auf Dich kann man sich verlassen“, fasste er seine Ausführungen über Gailler zusammen. „Danke dafür.“

Gailler selbst reichte den Dank an seine Familie weiter. Ehefrau Stilla war ebenso da wie die Kinder Christian und Stefanie. Die Familie habe ihm den Rückhalt gegeben, den man brauche, wenn man die Politik liebe – von Montag bis Sonntag.

Dem Dank an Gaillers Ehefrau und Kinder schloss sich auch Josef Bauer, stellvertretender Landrat und Bürgermeister Parsbergs, an. „Stilla, ich weiß, er kommt nicht immer pünktlich heim. Manchmal sind auch wir schuld. Aber meist er selbst“, sagte Bauer und erntete einen der vielen Lacher an diesem Nachmittag.

Im ernsteren Ton erklärte Bauer, dass Gailler für den Landkreis viel geleistet habe – fast bis hin zur politischen Selbstaufgabe. Damit spielte Bauer auf die Schließung des Krankenhauses in Parsberg an, die Gailler bei der Wahl etliche Stimmen gekostet hatte. Die Gesundheitslandschaft stehe im Landkreis besser da als in anderen, rechtfertigte Bauer die harten Einschnitte der Vergangenheit.

Willibald Gailler ist ein berüchtigter Schafkopf-Spieler

Einschnitte im eigenen Geldbeutel muss auch so mancher Spielgegner Gaillers hinnehmen, machten mehrere Gratulanten deutlich. „Ich weiß, dass Willi Schafkopf spielen kann. Ich bin eines seiner Opfer“, bekannte Füracker. Der berüchtigte Schafkopf-Spieler selbst kommentierte das schelmisch: „Ich bin dem Finanzminister dankbar, dass es auf Schafkopf-Gewinne keine Steuern gibt“.

Dem Jubilar blieben einige ernsthafte Töne vorbehalten. In seiner Rede dankte Willibald Gailler nicht nur seiner Familie, sondern allen Menschen im Landkreis Neumarkt, die sich für dessen Entwicklung einsetzen. Die gute Lage in der Region sei keine Ein-Mann-Aufgabe, sondern eine, an der viele ihren Anteil hätten, sagte der frisch gewordene 70-Jährige, der an seine Vorgänger im Amt ebenso erinnerte wie an seine in den vergangenen Jahren verstorbenen Stellvertreter Roland Schlusche und Günter Müller.

Zum Stehempfang im Landratsamt Neumarkt waren auch Willibald Gaillers Ehefrau Stilla und die Kinder Christian sowie Stefanie gekommen. Foto: Endlein
Vor dem großen Saal im Landratsamt Neumarkt bildete sich eine lange Schlange an Gratulanten, die Willibald Gailler ihre Glückwünsche überbringen wollten. Foto: Endlein
Neumarkts Landrat Willibald nahm die Glückwünsche der vielen Gratulanten gemeinsam mit Frau Stilla entgegen. Foto: Endlein
Bei den Wahlen 2020 waren sie Kontrahenten zum 70. Geburtstag gratulierte Sebastian Schauer (UPW/FW) Landrat Willibald Gailler (CSU) als Vertreter der Lebenshilfe Neumarkt. Foto: Endlein
Die Große Kreisstadt Neumarkt durfte beim Stehempfang zu Ehren Landrats Willlibald Gailler nicht fehlen. OB Markus Ochsenkühn überbrachte Glückwünsche. Foto: Endlein
Die Neumarkter CSU-Kreisvorsitzende und Bundestagabgeordnete Susanne Hierl gratulierte Willibald Gailler ebenfalls. Foto: Endlein
Wie viele Porzellan-Löwen Neumarkts Landrat Willibald Gailer wohl schon hat?, fragte sich Finanzminister Albert Füracker – und überreichte ihm prompt noch einen als Geschenk der Staatsregierung. Foto: Endlein