Schickt die CSU erstmals eine Kandidatin in die Wahl des Neumarkter Landrats?

2026 wählen die Menschen im Landkreis Neumarkt einen Nachfolger für Willibald Gailler (CSU). Drei Namen mit recht unterschiedlichen Lebensläufen kristallisieren sich bei der CSU im Landkreis Neumarkt als potenzielle Kandidaten heraus. Das sagen die Frau und die zwei Männer zu den Gerüchten. Wann entscheidet die Partei, wer es wird?
Von der Nachkriegszeit bis heute ist das Amt des Landrats fest mit der CSU verbunden. Die Wähler haben bislang immer einen Mann aus den Reihen der Christsozialen zum Chef des Landratsamts gewählt. 2026 könnte sich das ändern. Entweder, weil ein Kandidat einer anderen Partei die meisten Stimmen holt, oder, weil die CSU erstmals eine Frau als Kandidatin ins Rennen schickt. Seit einiger Zeit hält sich hartnäckig der Name von Katharina Ziegler, wenn bei der CSU potenzielle Kandidaten diskutiert werden.
„Da ist was dran“, bestätigt Ziegler, was die Anzeichen der vergangenen Wochen und Monate nahe legten. Nach der Bundestagswahl, bei der die Neumarkterin als Listenkandidatin sich einer breiteren Öffentlichkeit bekannt machen wollte, war sie weiterhin in den sozialen Medien und bei Terminen sichtbar. „Ich versuche, draußen präsent zu sein“, sagt die promovierte Verwaltungsjuristin. Sie weiß, dass sie an ihrer Bekanntheit arbeiten muss – für die CSU-interne Wahl und für eine mögliche Kandidatur bei der Landratswahl. Vor der Bundestagswahl war Ziegler politisch nicht groß in Erscheinung getreten.
Dorr will vom Freystädter Rathaus ins Neumarkter Landratsamt wechseln
„Die Landratswahl ist sehr stark eine Persönlichkeitswahl“, sagt Alexander Dorr, der sich mit derartigen Wahlen auskennt. Dorr ist seit 2014 Bürgermeister von Freystadt. Was er nach wie vor gerne sei, aber er bestätigt dennoch: „Ja, es stimmt. Ich würde gerne als Landratskandidat antreten.“ Seine kommunalpolitische Erfahrung ist bei der parteiinternen Kandidatenkür ein Pfund, mit dem sich wuchern lässt. Seine persönliche Bekanntheit – insbesondere bei den Wählern im Landkreis – will Dorr hingegen nicht überbewerten: „Man überschätzt leicht seine Bekanntheit.“
• Die Landräte des Landkreises Neumarkt nach dem Zweiten Weltkrieg
• Wilhelm Stegerwald (CSU, 1946-1948)
• Otto Schedl (CSU, 1948-1957)
• Josef Werner Bauer (CSU, 1958-1996)
• Albert Löhner (CSU, 1996-2014)
• Willibald Gailler (CSU, seit 2014)
Zumindest in der Neumarkter Kommunalpolitik ist Marco Gmelch ein bekannter Name. Der Stellvertreter des Oberbürgermeisters bestätigt, dass auch er sich um die Kandidatur bewerben möchte. Ob in der Jungen Union, im Stadtrat, im Kreistag oder im CSU-Stadtverband, dessen Vorsitzender er seit Jahren ist: Gmelch hat mit 37 Jahren schon eine umfangreiche politische Vita, der aber bislang ein Amt fehlt, das ihn einer größeren Öffentlichkeit jenseits von Neumarkt bekannt gemacht hätte.
Die Kandidatenkür bei der CSU ist demnach eine Konstellation dreier Menschen, mit recht unterschiedlichen beruflichen, politischen und persönlichen Lebensläufen. „Es ist ein offenes Rennen“, ist Katharina Ziegler überzeugt, obwohl sie erst vor kurzem auf die politische Bühne getreten ist. Politische Erfahrung sei wichtig, erklärt die frühere Richterin, die danach am Landratsamt und nun als Abteilungsleiterin bei der Regierung der Oberpfalz arbeitet. Durch ihren Beruf sei sie jeden Tag mit politischen Entscheidungen, deren unterschiedlichen Aspekten und der politischen Kommunikation in Kontakt, wirbt Ziegler für sich. Dass sie eine Frau ist, macht sie in der von Männern dominierten Kommunalpolitik im Landkreis besonders. Einen Vorteil will sie daraus aber nicht ziehen. „Es sollte aber auch kein Nachteil sein“, sagt Ziegler. Sie wolle wegen ihrer Qualifikation gewählt werden, nicht weil der Ruf nach mehr Frauen in der Politik lauter werden.
Marco Gmelch arbeitet sich seit 20 Jahren in der CSU nach oben
Alexander Dorr kann ebenfalls auf seine Verwaltungsexpertise verweisen. Er war Kämmerer im Freystädter Rathaus, bevor ihn die Wähler 2014 zum Nachfolger von Willibald Gailler als Bürgermeister wählten. Jetzt will er in anderer Position wieder auf Gailler nachfolgen. Warum? Das fragen sich manche. „Das schwelt schon länger in mir“, sagt Dorr und weiter: Das Landratsamt müsse in der Hand der CSU bleiben. Er habe sich angesehen, wer als aussichtsreicher Kandidat der CSU in Frage komme. Traditionell speist sich das vor allem aus der Riege der Bürgermeister. Diese besteht seit den Kommunalwahlen 2020 aus eher jungen und eher älteren Rathauschefs. Er sei mit 52 Jahren in der Mitte – mit mehrjähriger Erfahrung, aber noch etlichen Berufsjahren vor sich, sagt Dorr.
Marco Gmelch ist 15 Jahre jünger als Dorr. Aber auch er verweist auf seine Erfahrung, die bei ihm stärker als bei Dorr und noch wesentlich stärker als bei Ziegler auf der Partei fußt. Seit jungen Jahren hat sich Gmelch in der CSU über diverse Posten bis zum Stadtverbandsvorsitzenden und in kommunalpolitische Ämter hochgearbeitet. Beides in Kombination mit seiner beruflichen Erfahrung gebe ihm den richtigen Mix für das Amt des Landrats, ist Gmelch überzeugt, der bei einer Bank gelernt hat und heute im Personalmanagement des Klinikums arbeitet. Verwaltungsfachleute gebe es im Landratsamt bereits sehr gute, argumentiert Gmelch. Der Landrat sollte aus seiner Sicht daher jemand sein, der sich zwar mit Verwaltung auskenne, der aber insbesondere die politische Prozesse zu gestalten verstehe und die Brille der Bürger aufhabe.
Ob es bei Ziegler, Dorr und Gmelch bleibt oder noch weitere Aspiranten sich in den kommenden Wochen offenbaren? Möglich sei das, sagt CSU-Kreisvorsitzende Susanne Hierl. Ob das aber auch realistisch ist, dazu hält sich Hierl zurück. Als Kreischefin organisiert sie die Kandidatenkür entlang der parteiinternen Vorgaben. Aktuell wählen die Ortsverbände ihre Delegierten. Die Kandidaten werden sich diesen vorstellen und Fragen beantworten, erklärt Hierl. Mitte Mai dürfte es dann eine große Versammlung geben, bei der die Delegierten den Kandidaten oder die Kandidatin wählen werden.