Nur noch eine Kläranlage für ganz Freystadt: Ein Millionenprojekt unter Zeitdruck

Von Heike Regnet · 4. Dezember 2024 um 14:44

Die Abwasserentsorgung in der Großgemeinde Freystadt soll neu strukturiert werden. Am Dienstag wurde im Stadtrat das Konzept einer zentralen Kläranlage vorgestellt. Der komplizierte Umbau dürfte einen zweistelligen Millionenbetrag verschlingen. Das sorgte für Diskussionen.

Aus verschiedenen Varianten, die vor drei Jahren vorgestellt wurden, hatte sich der Ausbau einer zentralen Kläranlage als wirtschaftlichste Lösung herausgestellt.

Aktuell sind in der Großgemeinde vier Kläranlagen in Betrieb, künftig soll nur noch die Kläranlage Freystadt laufen. Die Ingenieure Tom Schendel und Thomas Beck vom Büro Steinbacher-Consult stellten die Entwurfsplanung vor – als „Meilenstein, damit Zuwendungen beantragt werden können.“

Kilometerlange Leitungen

Um die Kläranlagen Möning, Schmellnricht und Forchheim an Freystadt anschließen zu können, müssen demnach viele neue Leitungen verlegt und die Kläranlage Freystadt erweitert werden. Erneuert werden muss das Mischwasserbauwerk Freystadt. Weitere Misch- und Regenwasserbauwerke müssen bei Bedarf saniert, nicht länger benötigte Anlagenteile und Bauwerke in den Ortschaften rückgebaut werden. Notwendig sind Vermessung, Schmutzfrachtberechnung, wasserrechtliche Genehmigung und Baugrunduntersuchungen. Dabei müssen auch Natur-, Landschaft- und Artenschutz im Fokus stehen.

Daten für Freystadt kommen aus einer Langzeitsimulation

Wesentlich sei die Schmutzfrachtberechnung. „Diese wirkt sich auf alles aus, was wir tun“, so Beck. In der Großgemeinde bestehen unterschiedliche Entwässerungsverfahren – Misch- und Trennsysteme. Um die wasserrechtliche Genehmigung zu erhalten, muss vorab berechnet werden, wieviel Schmutzfracht jährlich in ein Gewässer geleitet werden darf. Die Daten werden in einer Langzeitsimulation über 50 Jahre ausgelegt. Daraus ergibt sich laut Beck die nötige Größe einer Anlage.

So muss die Kläranlage Freystadt für 15 000 Einwohner erweitert werden, ein Neubau des Regenüberlaufbeckens erfolgen und die Pumpleistung hierzu erhöht werden. Für Möning ist eine Ertüchtigung der Regenwasserbehandlung nötig. Dies muss noch mit dem Wasserwirtschaftsamt abgestimmt werden.

Neue Leitungen unter der Schwarzach und dem Kanal

Die neue Leitung von Möning nach Rohr (rund 2,8 Kilometer) soll weitestgehend an Nebenstraßen und Wegen erfolgen. Die Leitung von Rohr nach Freystadt (2,4 Kilometer) soll parallel zur bestehenden Druckleitung verlaufen. Das Pumpwerk am Ortsausgang von Rohr wird ertüchtigt.

Weitestgehend auf öffentlichem Grund verläuft die neue Leitung von Schmellnricht nach Forchheim (2,7 Kilometer), die Leitung von Forchheim nach Freystadt misst rund fünf Kilometer. Hier müssen zweimal die Schwarzach und der Main-Donau-Kanal gequert werden. Letzteres ist laut Beck mit größerem Aufwand verbunden.

Hohe Kosten und Zeitdruck

Favorisiert werde dafür eine HDD Spülbohrung. Man sei mit der Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung im Gespräch, um die Genehmigung zu erhalten.

Die Kosten wurden mit rund 8,3 Millionen Euro berechnet. Die Erweiterung der Kläranlage Freystadt, Erneuerung des Mischwasserbauwerks, Sanierung und Rückbau der bestehenden Kläranlagen in den Orten kosten zusätzlich mehrere Millionen Euro. Zuschussanträge müssen laut Beck noch im Dezember gestellt werden.

Groß war der Diskussionsbedarf. Nicole Brock fragte zu den unterschiedlichen Systemen in den Orten nach. An der Ortsentwässerung werde nichts verändert, so Beck.

Probleme bei Starkregen in Rohr

Ortssprecher Jürgen Fiegl verwies auf die bereits großen Probleme in Rohr. Bei Starkregen laufen Keller voll Wasser. Komme jetzt noch Wasser aus Möning hinzu, werde dies zu noch mehr Problemen führen. Dem widersprachen die Planer, da Regenwasser in Möning größtenteils zurückgehalten werde. Dorr versprach, dass es für Rohr eine Berechnung geben werde, um vorhandene Probleme beheben zu können. Fabian Seitz fragte nach dem Zeitplan. Liege der Zuwendungsbescheid vor, müsse die Erweiterung der Kläranlage Freystadt innerhalb von vier Jahren umgesetzt sein, so Beck.

Abrechnung der Beiträge ist noch unklar

Fraglich sei im Moment auch noch, wie künftig die Abrechnung der Beiträge erfolge, so Dorr. Er lese sich gerade in das sehr komplexe Thema ein und werde auch beim Prüfungsverband nachhaken. In der Stadtratssitzung am nächsten Dienstag soll das Projekt beschlossen werden.