Nach drei Drogentoten in Cham: Kripo verhaftet verdächtigen Dealer und durchsucht vier Objekte

Von Johannes Schiedermeier · 31. Juli 2025 um 16:21

Drei Drogentote innerhalb von 36 Stunden. Das hatte es in Cham noch nie gegeben. Seit diesem Schock am 22. April hat die Kripo Regensburg dringend die Szene in Cham vor dem Konsum von Drogen gewarnt. Erste Erkenntnisse hatten auf einen tödlichen Cocktail hingedeutet, der in Umlauf gebracht worden war. Nun haben Spezialkräfte einen 42-jährigen Chamer festgenommen.

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Wie Polizeisprecher Jonas Krauß mitteilt, steht der Mann im Verdacht, hochpotentes Heroin verkauft zu haben – mit tödlichen Folgen. Ein Gutachten bestätigt laut Krauß inzwischen eine lebensgefährliche Wirkstoffkombination.

Vier Objekte durchsucht

Die Kriminalpolizeiinspektion Regensburg, so der Sprecher, hat mit der Festnahme einen entscheidenden Fortschritt erzielt. Der mutmaßliche Dealer ist im Rahmen einer groß angelegten Durchsuchungsaktion durch Spezialkräfte festgenommen. Gegen ihn besteht der dringende Tatverdacht, durch die Abgabe von Heroin leichtfertig den Tod von drei Menschen verursacht zu haben. Zudem wird ihm unerlaubter Handel mit Betäubungsmitteln vorgeworfen. Darüber hinaus werden ihm weitere Verstöße gegen das Betäubungsmittelgesetz zur Last gelegt. Vier Objekte wurden im Zuge der Maßnahmen durchsucht – die Auswertung dauert an.

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Das chemisch-toxikologische Gutachten zum Tod des 33-jährigen Mannes, der am 22. April auf dem Gelände einer Tankstelle tot aufgefunden wurde, liegt mittlerweile vor. Demnach dürfte eine hochdosierte Heroinzubereitung ursächlich für den Tod gewesen sein. Weitere im Blut nachgewiesene Wirkstoffe wirkten vermutlich zusätzlich verstärkend und begünstigten das tödliche Zusammenspiel.

Richter ordnet U-Haft an

Die toxikologischen Untersuchungen der beiden weiteren Verstorbenen – einer 20-jährigen Frau und eines 24-jährigen Mannes – sind noch nicht abgeschlossen. Aufgrund der bisherigen Erkenntnisse ist jedoch von einem vergleichbaren toxischen Wirkprofil auszugehen.

Kriminalbeamte des Fachkommissariats für Rauschgiftkriminalität in Regensburg kamen durch Auswertung technischer Geräte, Umfeldermittlungen und zahlreiche Vernehmungen auf die Spur des 42-jährigen Tatverdächtigen, so Krauß.

Die Staatsanwaltschaft Regensburg hat die Sachleitung und Haftantrag gestellt. Der Mann wurde noch am Tag seiner Festnahme dem Ermittlungsrichter am Amtsgericht Regensburg vorgeführt. Dieses erließ Haftbefehl – der Chamer sitzt nun in Untersuchungshaft.

Polizei warnt vor hochpotentem Heroin

Die Polizei warnt vor diesem aktuellen Hintergrund erneut eindringlich vor dem Konsum illegaler Betäubungsmittel. Insbesondere in diesem Fall deutet vieles auf die Zirkulation einer hochpotenten Heroinzubereitung hin, deren Wirkung unberechenbar und potenziell tödlich ist – insbesondere in Kombination mit anderen Substanzen. Der Konsum solcher Mischintoxikationen stellt eine akute Lebensgefahr dar. Neben der strafrechtlichen Relevanz wird auch wegen der potenziell tödlichen Folgen dringend vom Konsum illegaler Drogen abgeraten.

Zunächst war in Cham der 33-Jährige tot hinter einer Tankstelle in der Further Straße gefunden worden. Tags darauf starb in einer Wohnung in der Schulstraße ein Pärchen. Die Polizei hatte bereits nach ersten Ermittlungen den Verdacht, dass der Tod der drei Drogenkonsumenten im Zusammenhang steht.

Warten auf zwei Gutachten

Der letzte Beweis dafür steht zwar noch aus, weil für das Pärchen – eine 20-jährige Frau und einen 24-jährigen Mann – bis dato die toxikologischen Gutachten noch nicht fertig sind. Allerdings hatte die Kripo bei den beiden noch Drogen sichergestellt. Deren Zusammensetzung legt offensichtlich einen Zusammenhang zwischen den drei Toten nahe, weil die chemisch-toxikologische Untersuchung des Blutes bei dem 33-jährigen Opfer hochpotentes Heroin ergeben hat.

Für uns ist das eine Bombe. Wir beobachten schon lange die verheerenden Wechselwirkungen von hochpotenten Drogen, die mit stark verunreinigten Substanzen gestreckt werden

Marion Santl, Leiterin des Referats Suchthilfe und Sozialpsychiatrie bei der Caritas

Das schnelle Bekanntwerden des dreifachen Drogentodes hatte in Cham zunächst eine positive Folge: Das Sterben hat aufgehört, die Szene war gewarnt. Allerdings rettete die Notaufnahme der Sana Kliniken in den Tagen darauf noch zwei Chamer, die dort mit Vergiftungserscheinungen vom Rettungsdienst eingeliefert wurden. Im Anschluss daran gab es eine breite Diskussion über mögliche Vorbeugung.

Diskussion über Vorbeugung

Hier hat die Leiterin des Referats Suchthilfe und Sozialpsychiatrie bei der Caritas, Marion Santl, eine Kontroverse ausgelöst. „Für uns ist das eine Bombe. Aber wir beobachten das schon lange“, sagt sie. Sie ist auch für den Landkreis Cham zuständig und hat durch enge Zusammenarbeit mit der Caritas vor Ort einen guten Einblick in die Szene. Auch weil viele Drogenkranke sich ihren Stoff aus Regensburg holen und die Bezirkshauptstadt aus unterschiedlichsten Gründen eine Magnetwirkung auf die Szene in Cham hat.

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Insbesondere die Wechselwirkungen verschiedener Drogen und die explosive Wirkung verunreinigter Substanzen, mit denen Drogen gestreckt werden, sieht Santl mit großer Sorge. Sie wirbt für Spritzenautomaten und geschützte Räume, in denen Drogen einem Schnelltest unterzogen werden und Hilfe vor Ort ist, wenn doch jemand zusammenbricht. Geschützte Räume, so Santl, garantieren zumindest dass Menschen nicht auf diese Art wie in Cham hilflos ums Leben kommen müssten.

Der Bezirketagssprecher und Chamer Landrat Franz Löffler hat ihr Recht gegeben. In den bayerischen Bezirken gebe es schon lange eine positive Meinung zu Schutzräumen. Allerdings weiß Löffler auch, dass der bayerische Ministerpräsident Markus Söder und seine Landesregierung dazu eine andere Meinung haben.

Welche Folgen hat der Tod?

Tatsächlich stoßen solche Präventionsideen bei der Staatsregierung auf Zurückhaltung. Der Vorsitzende des Gesundheitsausschusses, Bernhard Seidenath, will auf keinen Fall Zustände, wie er sie selbst in Frankfurt gesehen hat: „Da gehen die Leute praktisch eskortiert von der Polizei rein, spritzen sich das Zeug und verschwinden wieder. Da wird nur verhindert, dass jemand stirbt. Aber die Umstände sind eine Katastrophe“, so das Fazit Seidenaths. Was ihn auch abschreckt: „Der Staat checkt die Droge und stellt dem Dealer einen Persilschein aus.“

Allerdings hat die bayerische Staatsregierung noch ein Ass im Ärmel: das sogenannte Nürnberger Modell. Hier wurde eine halbe Million Euro in Forschung investiert, die am Ende einen Rat an die Politik liefern soll, was der beste Präventionsweg ist, und was wirklich hilft bei der Bekämpfung der Drogensucht. „Das ist ergebnisoffen und wird von den Ärzten dort sehr professionell und vielversprechend durchgeführt“, sagt Seidenath.