Ein neues soziales Herz für Hemau: Das wollen Bürger aus dem Bleicher-Anwesen machen

Von Daniel Pfeifer · 31. Juli 2025 um 09:00

Unkraut wächst aus den Lücken im alten Pflaster, der Putz bröckelt, zwei Steinhäufchen schmiegen sich an die leerstehenden Gebäude wie kleine Schutt-Dünen: für das Bleicher-Anwesen mit seinem wilden Naturstreifen sucht Hemau seit vielen Jahren eine Zukunft. Seit Frühjahr sammelt die Bevölkerung (mehr oder weniger realistische) Ideen, mehr als 400 Menschen wurden bei der Bürgerbeteiligung schon aktiv. Nun gibt es erste Skizzen.

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Immer wieder, Jahr um Jahr um Jahr, ist das Bleicher-Anwesen in Hemau Thema bei Bürgerversammlungen, Empfängen oder anderen Veranstaltungen mit der Stadt. 2020 sagte Herbert Tischhöfer in einer virtuellen Versammlung, die Zukunft werde grob in Richtung verdichtete Wohn- und Gewerbebebauung gehen, meist aber ließ er sie sehr offen. Aus Mangel an Entwicklung nutzt die Nachbarschaftshilfe über Jahre hinweg das Anwesen als Lager für Möbel sowie Sach- und Kleiderspenden, die für Bedürftige vorgesehen sind. 2023 startete das Projekt „Sorgende Stadt“, das die Neuorganisation und -gestaltung von Hilfe, Pflege und Unterstützung umreißen soll. Herauskristallisiert hat sich dafür ein Standort: das Bleicher-Anwesen.

Wohnhäuser, ein Tagescafé oder ein Bad?

„Die Beiträge waren sehr vielfältig und qualitativ hochwertig“, sagt Sven Schmuderer, der sich um die Bürgerbeteiligung kümmert. Am Dienstag stellte er in der Sitzung des Stadtrats Hemau die ersten Ergebnisse vor. So war nicht nur ein Spaziergang mit Bürgern vor Ort sehr gut besucht, auch bei Treffen und online haben Bürger bereits 75 umfangreiche Beiträge zu dem Areal eingereicht. 406 Bürger haben sich dafür schon bei dem Projekt registriert, also 4,3 Prozent aller Hemauer. „Das ist ein ganz tolles Zwischenergebnis“, sagt Schmuderer. Andere Kommunen würden bis zum Projektende nicht mal ein Prozent erreichen und hier in Hemau geht es ja noch ein Jahr weiter.

Unter den Vorschlägen für das Areal sind ein Ort für Vereine, eine Fläche für Hundebesitzer, ein Tagescafé oder Wohnhäuser. Manche Ideen wie ein Erlebnisbad sind eher unrealistisch, andere wie Räumlichkeiten für den Familienstützpunkt hingegen gut denkbar, so Schmuderer. Oft genannt war der Wunsch nach einem Ärztehaus. Dahinter steht jedoch ein Fragezeichen, denn in Gesprächen zwischen Projektleitung und Ärzten in der Region habe sich aktuell kein Platzbedarf feststellen lassen.

Auch der Oberpfälzer Architekt Christian Schönberger kam zu Wort und bot zur Inspiration schonmal erste Skizzen, wie so eine Bebauung auf dem Areal denkbar sein könnte. Konkreteres beschloss der Stadtrat aber nicht. Und so läuft das Projekt erstmal weiter, die Bürger werden gebeten, auch in Zukunft so fleißig mitzumachen.

Es geht voran bei den Windanlagen

Das Bleicher-Anwesen war dabei nicht der einzige Tagesordnungspunkt des Stadtrats, der immer und immer wiederkehrt. Wieder einmal wurde Hemau um Stellungnahmen zu einzelnen der geplanten Windräder im Südwesten der Gemeinde gebeten. Vier Anfragen zu den bereits längst bekannten Projekten trudelten dieses Mal ein, so Bürgermeister Tischhöfer. Dabei ging es um die Funktionsfähigkeit von Funkstellen und Radaranlagen – wie so oft Themen, bei der die Stadt wenig beitragen könne und dennoch viel Aufwand in die Beantwortung stecken müsse. Dabei behandle jeder Antrag immer eine andere, scheinbar zufällige Auswahl an Windrädern, die auch noch manchmal den Namen wechseln würden. „Irgendwann wollen's vielleicht, dass keiner mehr durchblickt“, kommentiert er sarkastisch.

Ein Windrad dreht sich nahe Aichkirchen. Apropos: Das BRK verkündete den Namen seines neuen Hemauer Kinderhauses. „Wiesenwind“ heißt es, in Anlehnung an die Wiesen und Felder rund um Hemau und den Wind, der dort stets bläst. - Foto: Daniel Pfeifer

Stadträtin Christine Lammert von den Freien Wählern platzte daraufhin die Hutschnur: „Es ist eine Verschwendung unserer Zeit, dass wir ständig scheibchenweise Stellungnahmen abgeben müssen“, sagte sie. Wenn doch am Ende das einzig relevante für die Bürger sei, dass doch bitte kein Windrad zu nah an Aichkirchen dran stehe. Und nicht mehr. Und so entwarf die Gemeinde, so Tischhöfer, erneut eine Antwort, in der die Bitte auf einen ausreichenden Abstand formuliert wurde. Bei den drei Windanlagen mit dem größten Abstand zu Wohnhäusern geht es dabei voran: Hier gab es die ersten Vorgenehmigungsbescheide, berichtete Tischhöfer.

Weiterer Punkt aus dem Gemeinderat war der Beschluss der Stellplatzsatzung: Für Wohnungen unter 50 Quadratmeter soll ein Stellplatz bereitstehen, über 50 Quadratmeter zwei. Die Ablösesumme wird für drei Jahre auf 7700 Euro pro Stellplatz festgelegt. Einstimmig befürwortete danach der Stadtrat die Förderung für den TV Hemau für die Umgestaltung der Squashcourts und zur Stromversorgung für die Stockschützenanlage. Drei Vertreter des Vereins waren bei der Sitzung vor Ort.