Projekt „Sorgende Stadt“ in Hemau soll kein Papier-Tiger werden

David Rester von der LUCE-Stiftung will das Thema Pflege in Hemau ganz neu denken – „weil es schon jetzt nicht mehr funktioniert“. Was hinter dem ehrgeizigen Projekt steht, erklärt der Experte im Gespräch.
Mit dem Projekt „Sorgende Stadt“ will sich Hemau fit machen für die Zukunft. Doch was heißt das eigentlich und warum ist das nötig? Antworten darauf hat David Rester von der Lars und Christian Engel (LUCE) Stiftung: „Was wir heute gewohnt sind an Versorgung in Krankenhäusern, durch Hausärzte und Pflegedienste, verschwindet irgendwann.“ Das gewohnte Gesundheits- und Pflegesystem werde künftig nicht mehr funktionieren – „und tut es teils schon jetzt nicht mehr“. Dafür müssten sich auch ländliche Gemeinden wappnen. Aber nicht mit dem nächsten Konzeptpapier – sondern mit konkreten Lösungen. Das ist laut Rester erklärtes Ziel in Hemau.
Im April hatte der Hemauer Stadtrat beschlossen, den ergebnisoffenen Prozess zu starten, wie der Sozialraum der Stadt und ihrer Ortsteile gestaltet werden soll. Oder klarer formuliert: Wie Unterstützung und Pflege für Senioren den neuen Anforderungen angepasst werden. „Weil Anforderungen an Lebensqualität und Teilhabe im Alter heute und künftig ganz andere sind, als noch vor Jahren“, erklärt Rester. Pflegeheime würden zwar weiter gebraucht, seien aber nicht die Zukunft – „das wollen die Menschen nicht“. Experten seien sich einig, dass sich das System verändern muss, „damit es eine Zukunft hat“.
Ausgewiesener Kenner des Gesundheitssystems
Und David Rester weiß, wovon er spricht. Der 47-Jährige ist gelernter Krankenpfleger, arbeitete zehn Jahre bei der Medbo in Regensburg. Nach dem Pflegemanagement-Studium promovierte er als Gerontologe und Pflegewissenschaftler. Rester war zehn Jahre an Hochschulen, davon sechs als Professor für Management im Gesundheits- und Pflegesystem, ehe er 2018 zur LUCE-Stiftung wechselte. Deren Gründer, Lars und Christian Engel von BHS Corrugated, haben das Ziel, die Oberpfalz zu einer innovativen Bildungs- und Wissenschaftsregion zu entwickeln. „Und sie wollten etwas Modellhaftes für ältere Menschen auf dem Dorf und die alternde Gesellschaft machen“, bringt es Rester auf den Punkt.
Ein Beispiel könnte das sein, was in Weiherhammer, am Standort der LUCE Stiftung entsteht. Dort soll ein generationsfreundliches inklusives Quartier mit Wohn- und Pflegeangeboten erwachsen, wo Altern anders gedacht und eine ganz neue Struktur geschaffen wird – mit einem Mix aus Profis, Angehörigen und zivilgesellschaftlich Engagierten. Einfach eine Blaupause davon solle Hemau aber keinesfalls sein, so Rester. Wie ländliche Gemeinde mit der demografischen Entwicklung umgehen, sei sehr individuell – abhängig von den Menschen und Akteuren der jeweiligen Region.
Deshalb sieht es Rester als Kernaufgabe, in und um Hemau die richtigen Leute zu finden, zu vernetzen und aktiv einzubinden. Das reiche von Vereinen und Verbänden über Dienstleister oder Unternehmen bis hin zu Privatleuten, „einfach alle, die mitmachen wollen“. Wichtig sei aber, Jung und Alt, Profis und Laien gut zu mischen. Wohin das am Ende führe, sei völlig offen. Nur eins steht für den Projektleiter fest: „Es wird kein Powerpoint-Prozess, wo das nächste längst bekannte Konzeptpapier erstellt wird – am Ende steht ein konkreter Plan, was wann wie und wo passieren sollte.“
Noch wichtiger ist Rester: „Nicht wir machen das, weil wir Experten sind, denn das wäre Unsinn.“ Die Stiftung unterstütze lediglich aktiv dabei, den Rahmen für die Umsetzung zu schaffen. Ein Fixpunkt könnte das brachliegende Bleicher-Anwesen sein als eine der größten Entwicklungsflächen im Herzen der Stadt. „Aber auch kein Muss“, wie der Fachmann ganz deutlich sagte. Was am Ende als Lösungsansatz für Hemau stehe, werde sich zeigen. „Denn was dabei raus kommt, entscheiden alle, die mitwirken.“ Also auch denjenigen, die das zukünftig nutzen werden.
Appell des Bürgermeisters: Chance nutzen
Bürgermeister Herbert Tischhöfer sieht im Projekt „eine absolute Gestaltungschance für Hemau“. Er appellierte an alle in Stadt und Ortsteilen, mitzuwirken. Projektleiter David Rester ist äußerst optimistisch, was die Beteiligung angeht. Längst hätten sich bei ihm Menschen gemeldet, die sonst niemand auf dem Schirm gehabt hätte – deren Ideen und Know-how immens wichtig seien. Denn einen Bauplan werde es von ihm oder der Stiftung keinen geben. Deshalb setzt Rester beim ersten großen Auftritt mit dem Projekt „Sorgende Stadt Hemau“ auf das Bürgerforum am 23. November. Ab 18 Uhr wird die Tangrintel-Halle zur Messehalle, wo sich städtische Einrichtungen, Abteilungen wie auch Dienstleister vorstellen. Rester wird da mit einem VR-Spaziergang durch die Zukunft dabei sein.
Der 47-Jährige will gezielt auf Akteure zugehen und plant beispielsweise ein Multiplikatorentreffen im Januar. Fragen beantworte er dazu per E-Mail an drester@luce-stiftung.de.