Mit ihrer Bonsai-Kunst sind zwei Holzheimer richtig auf Draht

Jochen Kempter und seine Ehefrau Diana aus Holzheim am Forst (Lkr. Regensburg) schaffen Kunstwerke, die begeistern: Aus Hunderten Kupferdrähten basteln sie Bonsai-Bäume, ganze Landschaften und Blumen. Das begeistert auch Kinder.
Mit seinen Händen schafft Jochen Kempter kleine Kunstwerke. Er bastelt Bonsai-Bäume und Landschaften inspiriert von seiner Wahlheimat Holzheim am Forst. Im Gegensatz zu der mehr als 2000 Jahre alten Gartenkunst aus dem fernen Osten muss der 61-Jährige seine Schöpfungen nicht gießen. Denn die sind aus dem Material, dass in China und Japan für der Züchtung der Miniaturpflanzen sehr häufig verwendet wird – Kempter arbeitet mit Draht. „Die Formen wachsen in meinem Kopf“, sagt er. „Mich beruhigt und erdet das.“ Begonnen aber hat alles mit der Suche nach einem passenden Geschenk.
Bonsai-Zucht ist eine eigenen Wissenschaft
Damals stand der 30. Geburtstag von Sohn Matthias an. Und der hat im Ingenieursstudium mit der Bonsai-Züchtung begonnen und widmet seinem Hobby viel Zeit. „So entstand die Idee, ihm einen Bonsai aus Draht zu machen“, erzählt sein Vater. Dann wäre kein exakt temperierter Raum mehr nötig, da man mit bunten Drähten überall arbeiten könne. Aus der Idee des Draht-Bonsai-Baums zum Geburtstag ist am Ende eine beeindruckende Landschaft entstanden: samt Felsen, Wasserfall, Schwänen und verschiedenen Baumarten. „Sein Blick war unbezahlbar, als er das gesehen hat“, erinnert sich Kempters Ehefrau Diana.
So abwegig die Idee mit Draht zunächst klingen mag, so naheliegend ist sie: Bonsai-Züchter verwenden neben versierten Schnitttechniken das Drahtbinden, um die Pflanzen zu formen. „Damit sie am Ende aussehen wie echte Bäume, nur in klein“, erklärt Kempter. Die Züchtung echter Bonsai sei „sehr, sehr sensibel, eine eigene Wissenschaft“. Echte Pflanzen kämen ganz schlecht mit Wetter- oder Standortwechsel zurecht und es dauere bis zu 50 Jahre, bis ein Bonsai fertig sei Auch Sohn Matthias ist nach zehn Jahren also nicht wirklich weit gekommen – hat nun aber einen Bonsai aus Draht.
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Das war Jochen Kempters erstes Werk, das jetzt bei seinem Sohn im Allgäu steht. Anfangs waren es noch kleine Modelle. Der 61-Jährige isolierte selbst Kupferdrähte ab, drehte und formte daraus den Stamm. Mittlerweile sind die Ausgangsstücke gut zwei Meter langer Draht. Beim Untergrund setzt der Hobbykünstler auf Holz oder Stein, um die sich die Wurzeln schlingen. Erst aus den letzten 50 Zentimetern „wachsen“ dann feinste Äste und sogar Blätter. Draht für Draht wickelt der gelernte Elektromeister sie auf verschieden dicke Rundhölzer, zieht die Spiralen teils auseinander und dreht sie wieder ein – Blatt für Blatt. Was nach bis zu acht Wochen Arbeit entsteht, wisse er vorher nie. „Das einzige, was feststeht, sind die Farben“, sagt Kempter.
Wegwerfen musste er noch keines seiner Modelle. „Irgendwas wird immer daraus – so wie in der Natur auch.“ Dort finde er seine Inspiration, sehe einen Baum und baue diesen nach. Gut 50 solcher kleinen Kunstwerke hat Jochen Kempter so geschaffen; von 30 Zentimetern bis zu einem Meter hoch. Die Drähte, die er anfangs selbst abisolierte, kauft er längst auf Rollen und in verschiedensten Farben. „Ich hab vielleicht eine Idee, was ich machen will, aber das Ergebnis steht nie fest“, betont er. Und so wachsen goldene Treppen, die sich um einen lila und gelbgrün-blättrigen Baum ranken, auf dessen Gipfel beispielsweise ein Adlerhorst trohnt.
Seit 2017 lebt der 61-Jährige, der beruflich in ganz Deutschland Solarfelder prüfte, nun in Holzheim am Forst. Einen Bezug zur Region hatte er: „Es ist aber schon Zufall, dass ich jetzt hier gelandet bin, wo meine Mutter herstammt.“ Die lebte einst in Regensburg. Der Liebe wegen verschlug es ihn in den Landkreis – das nicht alltägliche Hobby verbindet. Auch Ehefrau Diana hat ihre kreative Ader entdeckt. Die 47-Jährige widmet sich aber eher floralen Gewächsen. „Was er macht, ist eine Geduldssache – das bin ich nicht“, sagt sie lachend.
So entstehen in der Werkstatt der Kempters, der eigentlich der Wintergarten ihres Elternhauses ist, auch Rosen oder Lilien. Basis seien die Spiraldrähte der Bonsais, woraus Blüten und Blätter geformt und ausgegossen werden. Die Idee kam Diana Kempter bei einer Beerdigung: Statt Blumen am Grab schafft sie so etwas Dauerhaftes und Unvergängliches. Die einzigartigen Kunstwerke des Paars haben längst ein Publikum gefunden. Daher fertigen sie auch auf Anfrage über die eigens dafür erstellte Internetseite (www.bonsai-baum.eu). Trotzdem soll es ein Hobby, „eine Leidenschaft bleiben“, wie sie sagen. „Sonst wären Ruhe finden und Spaß daran haben, ja vorbei.“
Kinder saugen das Wissen von Kempter auf
Die Begeisterung macht längst Schule: Jochen Kempter vermittelt sein Wissen um seine kunstvollen Draht-Bonsais auch an die Kleinen. Und trifft damit wohl einen Nerv: „Die schauen sich das genau an und kriegen eine Handvoll Draht mit“, erzählt seine Ehefrau. „Und dann kommen sie und zeigen, was sie gemacht haben.“ Egal ob Blumen oder Regenwürmer – „Das regt die Phantasie an und macht Spaß.“



