Nach Großbrand in Regensburg – Kein Schaden, keine Ermittlungen

Von André Baumgarten · 24. Oktober 2023 um 17:44

Vor drei Jahren brannte es schon einmal bei Grau Recycling – die Erfahrung von damals half den Einsatzkräften nun. Augenzeugen berichten, was sie am Montagabend erlebt haben.

Mit einem Großaufgebot ist die Feuerwehr am Montag beim Brand in einem Recyclingbetrieb im Einsatz gewesen. Nach weniger als 90 Minuten waren die Flammen auf dem Gelände der Firma Grau Recycling unter Kontrolle. Weitere dreieinhalb Stunden dauerten die Nachlöscharbeiten, ehe die 180 Einsatzkräfte abrücken konnten.

Der große Müllberg geriet wohl wegen eines falsch entsorgten Lithium-Ionen-Akkus in Brand – genauso wie im September 2020, als an selber Stelle ebenfalls ein Großbrand ausbrach. Die Brandursache bleibt jedoch eine Vermutung: Ermittelt wird dazu nämlich nicht – auch, weil laut Polizei kein Schaden entstanden ist.

„Zwei, drei Minuten waren es vielleicht, dann hatte sich das Feuer verdreifacht.“ So erlebte Max Brunner die bangen Minuten. Der 54-Jährige war einer der ersten, die auf den Brand aufmerksam wurden. Es sei nur zufällig in der Siemensstraße unterwegs gewesen, als er den dichten schwarzen Rauch bemerkte. Fast 40 Jahre ist Brunner aktiv bei der Feuerwehr und weiß, wie schnell sowas richtig gefährlich werden kann.

Und er dachte sofort an den Großbrand vor drei Jahren, als die Firma seines Freundes schon einmal lichterloh in Flammen stand. Brunner kennt den Inhaber und rief ihn am Montag auf dem Handy an. Andere Augenzeugen hatten bereits vor ihm den Notruf gewählt.

Großalarm für 180 Einsatzkräfte in Regensburg

Die Integrierte Leitstelle löste Großalarm aus. Zwei Löschzüge der Berufsfeuerwehr und aus Schwabelweis rückten an. Wenig später wurde weitere Kräfte und schwerstes Gerät zur Werner-Heisenberg-Straße im Regensburger Osten beordert. Das entschied der Feuerwehr-Einsatzleiter Manfred Kirchberger, der 2020 an gleicher Stelle im Großeinsatz war. „Diese Erfahrung hat uns jetzt geholfen“, sagte er. Genaue Örtlichkeiten, die Wasserversorgung und der Aufwand für eine effektive Brandbekämpfung seien so bekannt gewesen. Vor drei Jahren seien nicht weniger Einsatzkräfte vor Ort gewesen – „aber dieses Mal gleichzeitig und früher“. Das habe das Ganze erleichtert.

So stand früh fest, dass für das Abtragen der knapp 100Tonnen Gewerbemüll Bagger und Radlader nötig wären. Die stellten das THW und sogar die Firma Grau selbst, während die der Feuerwehr aus sieben Rohren, darunter drei Wasserwerfer, zeitgleich gegen die Flammen kämpften. Der Müllberg wurde abgetragen und abgelöscht. Nähern konnten sich die Einsatzkräfte dem Geschehen aber nur mit schwerem Atemschutz. Dennoch hatten sie im Vergleich zu 2020 leichteres Spiel: Das Dach über dem Müll-Sortierplatz, das damals die Löscharbeiten wegen Einsturzgefahr ganz erheblich erschwerte, gab es nicht mehr.

Das bestätigte auch die Firma Grau: Erst kürzlich sei eine Genehmigung erteilt worden, was und wie genau auf dem Gelände unweit der Osttangente neu gebaut werden kann. In Videoaufnahmen sei zu sehen, wie sich der Brand entwickelte: Zunächst entzündete sich offenbar am Rand etwas – der Wind trug die Flammen dann in den geschätzt fünf Meter hohen Müllhaufen. Der betroffene Gewerbemüll bestehe aus Kartonagen, Holz, Metall sowie Folien. „Wir können nicht sagen, was die Ursache war“, erklärte ein Sprecher. Vor drei Jahren sei es ein Akku gewesen, der sich entzündete.

Zwei Warnungen an die Regensburger Bürger

Davon geht auch die Regensburger Polizei aus, wie Kerstin Stolze bestätigte. Verifizieren lasse sich das nicht – zumal es keine Ermittlungen zur Brandursache gebe. Das begründete die Sprecherin der PI-Süd damit, dass am Montag ja kein Schaden entstanden wäre.

Für großen Schrecken sorgte der Brand allemal: Zwei Warnmeldungen vor „extremer Gefahr“ wurden am Abend an die Bürger versandt. Darin hieß es, Fenster und Türen seien geschlossen zu halten und der Bereich sei zu meiden. „Weil zunächst unklar war, was genau brannte“, so Polizeisprecherin Stolze. Nach mehreren Schadstoffmessungen, die laut Feuerwehr keinerlei giftige Substanzen nachwiesen, gab die Feuerwehr gegen 21 Uhr schließlich wieder Entwarnung.

Zwei offizielle Warnmeldungen gingen am Montag an viele Handybesitzer in Regensburg. Foto: Baumgarten
Nur unter schwerem Atemschutz waren die Löscharbeiten möglich. Foto: Baumgarten