24 Windräder, Millionen für Naturschutz: Mega-Windpark in Hemau nimmt Form an

Es sind ambitionierte Pläne: Mit 24 Windrädern in den Wäldern zwischen Hemau und Riedenburg soll der Tangrintel zu einem Vorreiter grüner Energie werden. Am Mittwoch informierten die Projektentwickler und stellten trotz einiger Skepsis eine „positive Stimmung“ unter Bürgern fest. Schon 2026 könnte es losgehen.
Jeder Fleck und jede Nebenstraße rund um den Landgasthof Ferstl-Bruckmeier in Hemau war am Mittwoch vollgeparkt mit Autos. Dutzende Bürger aus der Region kamen, um sich die konkreten Pläne des Windparks anzusehen. Viele brachten Skepsis mit, viele Interesse. „Wir waren zufrieden mit dem Verlauf des Abends. Die Stimmung war grundsätzlich positiv mit kritischen Nachfragen, die wir uns auch erhofft haben“, sagt Projektentwickler Vitus Hinterseher. „Man merkt, dass die Stimmung eine völlig andere ist als noch vor zehn Jahren. Das Thema ist längst in der Gesellschaft verankert“, fährt er fort.
Erst Scheitern, nun Erfolg mit Windkraft?
Hinterseher kennt die Region. Schon vor über zehn Jahren sollte hier ein Windpark entstehen. Damals waren die Bürger wenig begeistert und nach zäher Planung verpasste Bayerns Regierung dem Projekt mit der 10H-Regel den Todesstoß. Diese besagte, dass die nächste Wohnbebauung das zehnfache der Anlagenhöhe entfernt sein muss. Bei den heute geplanten Windrädern in Hemau wären das zweieinhalb Kilometer – unmöglich.
Seitdem die Abstandsregel 2022 gelockert wurde, können nun auch Windräder am Tangrintel entstehen. Unter den Besuchern der Infoveranstaltung war auch eine Frau aus Haid. Der 15-Einwohner-Ort hätte mit 730 Metern den geringsten Abstand zu einem Windrad. „Das ist sinnvoll, gar keine Frage“, sagt sie zu dem Projekt. Trotzdem habe sie noch Vorbehalte. „Wir haben schon den Lärm vom Kieswerk, dann kam der Funkmast, jetzt die Windräder“, zählt sie auf.
Millionen für den Naturschutz
Ein paar Meter weiter unterhielt sich eine Aichkirchner Bürgerin mit Primus-Vertreterin Maresa Barthelmess. Auch die Bürgerin sei Windkraft-Freundin, sorgt sich aber dann doch, dass Aichach „bald eingekesselt“ sei. Ein erstes Windrad wurde bereits vor Jahren gebaut. Dessen Schattenwurf merke die Bürgerin im Frühjahr durchaus, sagt sie. Sie war nicht die einzige, die sich fragte, ob es denn wirklich so viele Windräder braucht.
Vitus Hinterseher versteht die Sorge. „Es wirkt erst mal gewaltig“, sagt er. „Aber wenn man sieht, was in Bayern sonst noch für Windparks geplant sind, ist das hier in Hemau am Ende gar nicht mehr so spektakulär.“ Auch die Auswirkungen auf die Natur seien geringer, als viele meinen würden. Die Projektfirmen hätten bereits einen Millionen-Betrag in Vogelflug-Beobachtungen, Wald-Kartierungen und andere Untersuchungen gesteckt, weitere Millionen würden als Ausgleichszahlungen und für Ersatz-Biotope ausgegeben.
„Am Ende ist es eine Riesenchance“, sagt Hemaus Bürgermeister Herbert Tischhöfer, der als Gast bei der Infoveranstaltung vor Ort war. Er selbst hat keine direkte Steuerungsmöglichkeit, denn die Waldgebiete sind privilegierte Flächen. Umso wichtiger sei, dass Bürger von Anfang an so gut wie möglich informiert seien. Auch er zog ein positives Fazit.
Es wird sich nun zeigen, ob auch die zweite größere Windkraft-Planung am Tangrintel, im Wald nördlich von Thonlohe, so gut vorankommen wird. Am Mittwoch waren auch Grundbesitzer des dortigen Waldstücks beim Infoabend. Dort steht der Wind gut: Die Mehrheit der 50 Waldbesitzer würde wohl einer Flächenverpachtung zustimmen, sagen zwei Thonloher Grundbesitzer. Es bleibt abzuwarten, wie schnell solche Pläne Realität werden. Für das Projekt Hemau-Riedenburg sei man aber guter Dinge, sagt Maresa Barthelmess: „Der Zeitplan bis 2026 ist optimistisch, aber nicht unrealistisch. Ich glaube, es sind gute Zeiten für Windkraft.“
Daten und Fakten über das Projekt:
Zeitplan: Wenn alles glattläuft, soll 2024 die Genehmigungsphase abgeschlossen sein, 2025 die Bürgerbeteiligung und Bauvorbereitung anstehen und 2026 schließlich die Anlagen errichtet werden.
Windräder: Geplant sind 24 Anlagen mit einer Höhe (Boden bis Rotorspitze) von 245 bis 260 Metern. Die Leistung pro Windrad liegt im Schnitt über 7Megawatt. Der Flächenverbrauch für das Projekt liegt bei weniger als einem halben Hektar, ein Großteil davon entfällt auf Wege.
Leistung: Die Stromerzeugung läge bei 336 Millionen Kilowattstunden pro Jahr. Damit könnte man grob hochgerechnet eine Viertelmillion Menschen versorgen, also 15 Mal so viele, wie in den Gemeinden Hemau und Riedenburg zusammen leben.
Entwickler: Hinter dem Projekt stehen die Regensburger Firma Primus Energie, die Landshuter Firma neovis Energie sowie Entwickler Vitus Hinterseher. Vor allem Primus ist in der Region bekannt – die Firma baute unter anderem die gewaltigen Solarparks in Riedenburg und Pentling sowie die Windräder in Otterzhofen nördlich von Riedenburg. Große Windparks betreibt Primus rund um Hof in Oberfranken.
