MS Rossini lichtet die Anker: So fällt Bilanz zum Flüchtlingsschiff im Landkreis Regensburg aus

Von Benedikt Baumgartner · 29. Juli 2025 um 19:00

Reichlich Aufregung für die Anwohner, zeitweise mehr Handlungsspielraum für das Landratsamt, einige Talk-Show-Auftritte für die Landrätin und natürlich ein Dach über dem Kopf für bis zu 200 Geflüchtete – das alles brachte die MS Rossini, als sie Anfang 2023 vom Landkreis als Notunterkunft angemietet wurde. Mittlerweile hat sich die Lage in Sachen Asyl-Unterbringung im Landkreis Regensburg entspannt. Die MS Rossini wird nicht mehr benötigt und lichtet die Anker.

Zum einen kommen aktuell weniger Geflüchtete an als noch vergangenes Jahr, zum anderen hat der Landkreis weitere dezentrale Wohnungen anmieten können. Daher wird nach den Notunterkünften in Obertraubling und Bernhardswald nun auch die Anmietung der MS Rossini beendet.

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„Es ist an der Zeit, Bilanz zu ziehen“, sagte Landrätin Tanja Schweiger gestern bei der Abschiedspressekonferenz, „aber auch, Vergelt’s Gott zu sagen“ – nämlich an die Bürger, Verwaltungen und Bürgermeister in Bach und Donaustauf, wo das Schiff die vergangenen zweieinhalb Jahre ankerte.

Eine rundum positive Bilanz zum Ende der Nutzung des Schiffs zogen Vertreter vom Landratsamt, der Gemeinde Bach und der Wörther Polizei. - Foto: Benedikt Baumgartner

Am 2. Februar 2023 waren die ersten 32 Menschen auf das Schiff gezogen. Ihnen sollten insgesamt 600 weitere folgen. Die Höchstbelegung betrug 190 Personen, Stand gestern bewohnten noch 52 Geflüchtete das Schiff. Ein Bewohner, der mittlerweile als Flüchtling anerkannt und ein sogenannter Fehlbeleger ist, lebte fast die ganzen zweieinhalb Jahre über auf der MS Rossini, er war am 8. Februar 2023 eingezogen. Die gewöhnliche Verweildauer habe drei bis sechs Monate betragen, sagte Schweiger. Unter den insgesamt 632 Bewohnern waren rund 110 Frauen.

Hin und Her zwischen Bach und Donaustauf

• Ankunft: Nachdem das Landratsamt die MS Rossini zur Geflüchtetenunterbringung gechartert hatte, legte das Schiff Ende Januar 2023 vor Bach an. Die ersten Geflüchteten bezogen ihre Kajüten dann Anfang Februar.

• Umzug: Nach einem halben Jahr in Bach – länger werde die MS Rossini dort nicht ankern, hatte Landrätin Schweiger versprochen – schipperte das Schiff im August weiter flussaufwärts nach Donaustauf.

• Rückkehr: Im Februar 2024 kehrte die MS Rossini zurück nach Bach. Lange war unklar, wie lange sie dort bleiben würde. Nun hat sich die Asyl-Lage so weit entspannt, dass das Schiff als Unterkunft überflüssig wurde.

Zusammenleben verlief friedlich

Die MS Rossini habe sich in der Zeit der Nutzung als Notunterkunft bewährt, lautete die einhellige Meinung aus dem Landratsamt, von Bürgermeistern und Polizeivertretern. Das Zusammenleben verschiedener Nationalitäten – Menschen aus Syrien, dem Iran, Äthiopien, der Ukraine und der Türkei – sei friedlich abgelaufen. „Ich kann sagen, dass die MS Rossini eine sehr unauffällige Unterkunft war“, bekräftigte Thomas Wagner, 1. Polizeihauptkommissar der Inspektion Wörth. Es seien keinerlei nennenswerte Vorkommnisse zu berichten, lediglich kleinere Streitigkeiten auf dem Schiff. Die recht hohe Privatsphäre dieser Notunterkunft habe ihren Teil dazu beigetragen, erklärte Wagner. Und: „Ich kann die Bewohner nur loben.“

Die Horrorszenarien, die manche Bürger im Vorfeld ausmalten, traten in keiner Weise ein, sagte auch Bachs Bürgermeister Thomas Schmalzl. Letztlich habe die Anwohner vor allem das dauerhafte Brummen der Dieselaggregate gestört. Als „rundum gute Lösung“ lobte Donaustaufs Bürgermeister Jürgen Sommer das Schiff. Ein halbes Jahr hatte es vor seiner Gemeinde geankert.

Bewohner waren zufrieden mit dem Schiff

Ausgewählte ehemalige Bewohner, die mittlerweile Ausbildungen und ein duales Studium aufgenommen haben, erzählten, sich auf der MS Rossini wohlgefühlt zu haben: „Das Essen war gut, alles war sauber, alles gut organisiert“, sagte Pouya Dashtinejad, der eine Ausbildung in der IT-Branche aufgenommen hat. Einziges Manko sei die Distanz nach Regensburg gewesen. Die Ziele der gut integrierten Flüchtlinge gleichen sich: die Ausbildung beenden, ein selbstständiges Leben führen. „Am meisten freue ich mich, wenn ich Sie in drei oder fünf Jahren einbürgern kann“, sagte Alexander Damm, Sachgebietsleiter Sicherheitsrecht im Landkreis.

Auf diesen Ausblick von der MS Rossini auf Illkofen werden bald auch die letzten 52 der insgesamt 632 zeitweisen Bewohner verzichten müssen. Die Nutzung als Notunterkunft für Geflüchtete läuft zum 1. August aus. - Foto: Benedikt Baumgartner

Kosten bewegen sich im Rahmen

Zu den Kosten der Rossini-Anmietung nannte er keine genauen Zahlen. Der Höchstsatz im Landratsamt betrage 25 Euro pro Übernachtung ohne Verpflegung. „Seit wir wieder in Bach liegen mit dem Schiff, war es beim Übernachtungsanteil weniger“, sagte Damm. Die Verpflegungskosten seien so hoch wie bei der Unterbringung in einer Pension. Der Lebensmittelverbrauch summierte sich in den zweieinhalb Jahren auf beeindruckende Mengen: Acht Tonnen Kartoffeln und 5,6 Tonnen Pommes, zweieinhalb Tonnen Reis, fünfeinhalb Tonnen Hähnchen, fast drei Tonnen Rindergulasch, 118 000 Eier und 1,7 Tonnen Fisch wurden unter anderem verkocht.

Schiff steht wohl zum Verkauf

Am Freitag werden die letzten Bewohner ausziehen. Die Fremdbeleger kommen in andere Notunterkünfte, die auf Anerkennung wartenden Asylbewerber in dezentrale Wohnungen. Ob das Schiff dann gleich die Anker lichten kann, bleibt abzuwarten. Aktuell ist der Donaupegel zu hoch, die MS Rossini würde nicht unter der Brücke hindurchpassen.

Wie es dann mit dem Schiff weitergeht? „Es fährt zurück nach Linz, dort wird zumindest der Unterboden renoviert, weil es so lange an Ort und Stelle lag“, informierte Damm. „Bevor es der Landkreis angemietet hat, stand es zum Verkauf. Ich gehe davon aus, dass es wieder angeboten wird.“ Zum Abschied sagte Schweiger: „Dann geht hier eine kleine Ära zu Ende.“ Sie klang fast etwas wehmütig.