„Leichte Entspannung“ bei Asyl-Situation im Landkreis Regensburg

Seit genau zwei Jahren dient das Flusskreuzfahrtschiff MS Rossini als Unterkunft für Geflüchtete im Landkreis Regensburg. Ein guter Zeitpunkt für eine Bilanz.
Groß war die Aufregung vor genau zwei Jahren, als die ersten Geflüchteten die vor Bach an der Donau ankernde MS Rossini bezogen. Das Landratsamt hatte das Flusskreuzfahrtschiff angemietet, um sein schier unlösbar gewordenes Unterbringungsproblem zu lösen. 24 Monate später hat sich die Situation so weit beruhigt, um zu einem Pressetermin auf eben jenes Schiff zu laden und den Status quo in Sachen Asyl Anfang 2025 im Landkreis Regensburg zu erläutern.
Landrätin Tanja Schweiger sprach dementsprechend von einer „leichten Entspannung“. Die Zeiten mit täglich drei neuen Zuweisungen – das war Anfang 2024 noch die Regel – seien fürs Erste vorbei.
Die Zahlen sind stabil
Alexander Damm, Leiter des Sachgebiets Sicherheitsrecht am Landratsamt, unterfütterte diese Entwicklung mit Zahlen: „Anfang des Jahres waren es 100 pro Monat, später ist es auf 30 bis 40 zurückgegangen.“ Seit Weihnachten gebe es gar keine Zuweisungen seitens der Regierung der Oberpfalz, doch niemand erwartet, dass dieser Zustand von Dauer sein wird. „Bald wird es wieder losgehen“, glaubt die Landrätin.
Wie die Mechanismen hier aussehen könnten, erläuterte Damm. Seit Jahresbeginn ist die Aufteilung in Bayern so, dass Geflüchtete aus dem Irak und aus Somalia in der Oberpfalz untergebracht werden. „Wenn also das Fluchtgeschehen aus Somalia stark zunimmt, dann wird es in der Oberpfalz wieder mehr.“
Zu den aktuellen Werten: In Summe lebten zum Stichtag 5. Februar 6773 Menschen mit Asylbezug im Landkreis, davon sind 1900 aus der Ukraine und 3360 anerkannt. Die Gesamtzahl sei im Jahresvergleich relativ stabil – „weil wir so viele einbürgern“, erklärte Schweiger. 2024 habe es rund 1000 Einbürgerungen gegeben, 2023 waren es noch halb so viele. Konstant ist wiederum die Zahl, die der Landkreis für Asylbewerberleistungen im Haushalt einplant; dies sind auch 2025 rund zehn Millionen Euro.
Beitrag ausländischer Arbeitnehmer „Wohlstandsfaktor in der Region“
Der größtmögliche Gegenwert ist freilich eine schnellstmögliche Integration. Und diese, daran ließen die Landrätin und die Vertreter der verschiedenen Fachstellen keinen Zweifel, lässt sich durch nichts effektiver erreichen als durch Mitwirkung im Arbeitsleben. Christian Meier, Leiter des Jobcenters Landkreis Regensburg, bezeichnete den Beitrag ausländischer Arbeitnehmer als „Wohlstandsfaktor in der Region“. Demzufolge sei es wichtig, auch Asylbewerbern möglichst schnell Perspektiven auf dem Arbeitsmarkt zu eröffnen.
Die Bemühungen des Landkreises für eine proaktive Integration sind vielfältig und erfolgreich. „Die Unternehmen rufen schon von sich aus bei uns an“, beschrieb beispielsweise Wirtschaftsförderer Roland Weiß das Echo auf das Format „Jobchance – Das Speeddating mit Qualität“, das seit April 2024 viermal veranstaltet wurde. Auch die im November durchgeführte Jobmesse erwies sich als Magnet: Mit 190 Bewerbern hatte man gerechnet, gekommen sind 300. Flankiert werden Aktionen durch die Integrationsangebote der Volkshochschule des Landkreises, dazu gehören Sprachkurse oder auch Einbürgerungstests.
„Wir versuchen, die Asylbewerber direkt anzusprechen. Grundbereitschaft ist da“, fasste Schweiger zusammen. Der Landkreis sei an den Herausforderungen des Asyl-Themas gewachsen. Die einzelnen Fachstellen im Landratsamt arbeiteten Hand ind Hand zusammen, um Hürden bei der Integration abzubauen. Auf den übergeordneten Ebenen vermisst sie diese pragmatische Herangehensweise jedoch.
Zur Passivität gezwungen
In der Realität würden Asylbewerber nämlich in die Passivität gezwungen – zum Beispiel dadurch, dass sie während der Teilnahme an einem Sprachkurs keine Arbeit suchen könnten. „Da muss sich das System öffnen. Ein Arbeitsmigrant muss die Sprache ja auch in seiner Freizeit lernen“, so die Landrätin, die überdies für eine Arbeitserlaubnis für abgelehnte Asylbewerber plädiert. Nur bei Straftätern pocht sie darauf, dass sich diese nicht mehr frei bewegen dürfen.
Dies sind nur einige Punkte aus Schweigers an der täglichen Praxis orientierten Forderungsliste an die Bundesregierung, die lang und dank fast schon regelmäßiger Talkshow-Auftritte mittlerweile auch bundesweit bekannt ist.
Ein Vorbild an Bord
Am Mittwoch auf der MS Rossini sollten aber auch die Perspektiven nicht zu kurz kommen. Diese präsentierten mehrere Bewohner des Schiffes, die aus Syrien, Äthiopien oder auch dem Iran stammen und in sehr passablem Deutsch ihre Zukunftspläne skizzierten. Ob Studium oder Arbeit in Handwerk oder Gastronomie: Alle erzählten von klaren Vorstellungen und Zielen und äußerten sich dankbar für ihre Chancen in der neuen Heimat.
Als Vorbild direkt an Bord dient Mohammad Al Halaki. Er leitet des Sicherheitsdienst auf der MS Rossini und hat mehrere Firmen. Seit 2024 ist er eingebürgert, 2017 war er aus Syrien gekommen und in Nittendorf gelandet. „Es war schon schwierig am Anfang – aber dann muss man Gas geben. Die Bewohner hier sind auf einem guten Weg“, meinte er.