Anbau für Ganztagesbetreuung: Zu große Lösung für Viehhausener Schule?

Von Benedikt Baumgartner · 29. Juli 2025 um 05:00

Ideen gab es einige, wie Viehhausener (Ortsteil von Sinzing im Landkreis Regensburg) Kinder im Rahmen der Offenen Ganztagsschule (OGTS) betreut werden können. Durchgesetzt hat sich eine Lösung, die als teuerste gilt: ein zweigeschossiger Anbau mit Ausgabeküche und Essenplätzen. Der muss wohl noch größer – und teurer – ausfallen, als bisher gedacht.

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Sinzing leistet sich die Investition in den Schulstandort trotz extrem klammer Kasse. Kein Ganztagsangebot in Viehhausen könnte laut Bürgermeister Martin Brix (CSU) den langsamen Tod der Zweigschule bedeuten. Und da ist nicht nur Brix „gänzlich dagegen“.

Rechtsanspruch wird durch Schule in Sinzing gedeckt

Das anstehende Schuljahr ist das letzte ohne Vorgaben in Sachen Ganztagsbetreuung. Ab August 2026 besteht Rechtsanspruch darauf. Dieser ist durch die großzügigen Mittagsraum-Kapazitäten an der Sinzinger Grundschule für die komplette Gemeinde gedeckt, bestätigt Brix. Heißt: In Viehhausen muss man kein Mittagsangebot schaffen – will man aber. „Es wird Geld ausgegeben, das nicht notwendig ist“, kritisiert SPD-Gemeinderat Klaus Nebl das Anbau-Vorhaben. „Somit ist es eine freiwillige Leistung. Und laut Landratsamt haben wir freiwillige Leistungen zurückzufahren.“

Rettet der Anbau die Viehausener Schule?

Sinzing ist stark verschuldet. In diesem Jahr werden wohl weitere Kredite in Höhe von fünf Millionen Euro aufgenommen. Der Schuldenstand würde damit über 13 Millionen Euro erreichen. Dass die Pro-Kopf-Verschuldung den Landesdurchschnitt erheblich übersteigt, rechnete das Landratsamt in ihrer Genehmigung des Sinzinger Haushalts vor: 229 Prozent liegt die Schuldenlast über der von vergleichbaren bayerischen Gemeinden.

Nebl schüttelt den Kopf über das nächste verabschiedete Millionen-Projekt. „Man schafft es nicht, ein bisschen Finanzsensibilität in diesen Gemeinderat hineinzubekommen.“ Er plädierte stets für einen Bustransfer der – voraussichtlich wenigen – Viehhausener Schüler, die Ganztagsbetreuung in Anspruch nehmen wollen.

Angst vor sinkender Klassenstärke

Die müssten dann auch in Sinzing beschult werden, sagt Brix, ein Transfer nur für Mittagessen und Nachmittagsbetreuung rentiere sich nicht. Würden Schüler von der vier Klassen umfassenden Viehhausener Schule abwandern, könnten die Klassenstärken aber so weit sinken, dass keine Lehrer mehr für die Schule abgestellt werden – das Todesurteil für die Zweigschule.

Seit der Eingemeindung Viehhausens nach Sinzing habe stets der politische Wille bestanden, die eigene Schule zu erhalten, sagt Thomas Schwindl, 3. Bürgermeister (FW) und Einwohner Viehhausens. Im Gegensatz zu anderen Gemeindeteilen gebe es dort eben ein Bestandsgebäude, das gut in Schuss sei, sagt Brix. „Die Schule muss erhalten bleiben, das ist meine persönliche Meinung“, sagt Brix. Die teilt Schwindl: „Geld ist das eine. Das Wohl der Familien steht aber im Vordergrund.“

Wenn es sich wirtschaftlich und demografisch rechnet, sollte man die Grundschule Viehhausen erhalten. Wenn nicht, muss man alle Sentimentalitäten beiseite nehmen.

Klaus Nebl, Sinzinger Gemeinderat (SPD)

Für Nebl ist das kein Argument. „Wenn es sich wirtschaftlich und demografisch rechnet, sollte man die Grundschule Viehhausen erhalten“, sagt er. „Wenn nicht, muss man alle Sentimentalitäten beiseite nehmen.“

Brix hält dagegen, dass auch der Bustransfer nach Sinzing „horrende Kosten“ verursachen würde. Andere Optionen zur Mittagsverpflegung seien geprüft worden – ohne eine echte Alternative zu finden. Im benachbarten Wirtshaus habe man bei der Idee, Schüler zu verpflegen, abgewunken. Das Kloster sei zu weit entfernt. Beim neuen Kinderhaus sei keine Verpflegung von Schulkindern eingeplant, es fehlen zum Beispiel dem Alter entsprechende Toiletten.

Ich habe es mir selber nicht vorstellen können, dass ein Anbau die wirtschaftlichste Lösung ist.

Thomas Schwindl, Sinzings 3. Bürgermeister (FW)

Die Sanierung des ehemaligen Kindergarten-Gebäudes sei schlichtweg zu teuer. Etwa eine halbe Million Euro veranschlagt Brix für die Sanierung, hinzu kommt der Mietzins. „Ich habe es mir selber nicht vorstellen können, dass ein Anbau die wirtschaftlichste Lösung ist“, wundert sich Schwindl.

Doch auch der Anbau wird trotz Förderung teuer. Pauschal wird eine OGTS-Auslastung von 80 Prozent der Schülerzahl veranschlagt, für die entsprechend Platz bereitgestellt werden muss – auch wenn Brix eine solche Quote im ländlich geprägten Viehhausen für deutlich übertrieben hält. Erst einmal die Kapazitäten an der Sinzinger Schule nutzen und die Auslastung auswerten, will Brix aber nicht: „Wir schieben das nicht auf die lange Bank“, jetzt gebe es noch zusätzliche Fördermittel.

Regierung fordert mehr Platz für Schüler

Die Verwaltung hatte zwei Varianten erarbeitet, einen ein- und einen zweigeschossigen Anbau. Doch selbst die größere Variante – zwei Stockwerke mit je 50 Quadratmetern Grundfläche – ist der Regierung zu klein. Es werde eher eine Größenordnung von 65 Quadratmetern pro Etage, kündigt Brix an.

Die Kostenschätzung von 600.000 Euro plus Planungskosten ist damit passé. Eine Berechnung für die benötigte Größe besteht laut Brix noch nicht, „aber das wird sich auf die Million zubewegen“. Nebl prognostiziert, dass das nicht reichen wird.