Schlechtes Zeugnis: So reagieren Eltern am besten auf die Noten ihrer Kinder

Von Annabell Frankenfeld · 28. Juli 2025 um 15:42

Am Donnerstag, den 31. Juli 2025, bekommen die Schülerinnen und Schüler in Bayern ihre Jahreszeugnisse. So manche Kinder und Jugendliche – und ihre Eltern – werden mit den darin vermerkten Noten nicht zufrieden sein. Wie man am besten mit einem schlechten Zeugnis umgeht, erklärt Simone Fleischmann vom Bayerischen Lehrerverband mit fünf Tipps.

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Simone Fleischmann ist Präsidentin des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbands (BLLV). Außerdem ist sie Schulpsychologin und war viele Jahre als Schulleiterin tätig. Im Gespräch mit der Mediengruppe Bayern gibt sie fünf Tipps, wie Eltern und ihre Kinder am besten damit umgehen, wenn die Noten im Schulzeugnis nicht ganz den Erwartungen entsprechen – und wie man etwas Positives daraus ziehen kann.

1. Richtig auf das Zeugnis reagieren

„Bei einer guten Beziehung zwischen Eltern und Kindern und einem angemessenen Austausch mit der Schule und den Lehrkräften sollte es gar nicht erst zu bösen Überraschungen kommen“, betont Simone Fleischmann. Nichtsdestotrotz kann es passieren, dass die Noten auf dem Zeugnis schlechter als erwartet ausfallen. Etwa sei es möglich, dass das Kind vor einer Prüfung aufgeregter war als sonst, wegen einer privaten Situation aufgewühlt war oder sich falsch vorbereitet hat. „Es gibt viele Faktoren, die dazu beitragen können, dass eine Note schlecht ist.“

„Beim Blick aufs Zeugnis müssen sich die Eltern nicht verstellen“, findet die BLLV-Präsidentin. Allerdings sollte man als Mutter oder Vater keinen Druck aufbauen, sondern nach einer konstruktiven Lösung suchen – und das geht nur über einen Dialog. Diesen sollten Eltern in jedem Fall mit ihrem Kind suchen und auf dessen Gedanken und Gefühle eingehen. Wenn es zum Beispiel enttäuscht oder traurig wegen seiner schlechten Noten ist, sollten es die Eltern mit tröstenden Worten aufbauen – und nicht etwa bestrafen.

2. Über Noten und ihre Ursachen sprechen

„Am allerwichtigsten ist es, miteinander zu reden“, sagt die BLLV-Präsidentin. Sie empfiehlt Eltern, mit ihren Kindern über deren Zeugnis und die darin vermerkten Leistungen zu sprechen. Dabei sollte man sowohl Fortschritte und positive Aspekte als auch Probleme und Ursachen für schlechte Noten besprechen. Gerade bei letzterem gelte es zu ergründen, warum eine Note nicht so gut ausgefallen war und welche Probleme es im vergangenen Schuljahr gab.

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Ebenso biete die Zeugnisbemerkung der Lehrkräfte Gesprächsstoff. Hier könne das Kind selbst reflektieren, warum es eine entsprechende individuelle Einschätzung bekommen hat und wie die Lehrkraft zu dieser Bewertung gekommen sein könnte. Ein Gespräch über das Zeugnis biete die Chance auf einen größeren Lerneffekt, so Fleischmann. Dabei sei für Eltern wichtig, das Kind selbst reden zu lassen, ihm zuzuhören und auf seine Gedanken und vor allem Wünsche einzugehen.

3. In den Ferien lernen oder entspannen?

Dass man nach einem schlechten Zeugnis direkt die gesamten sechs Ferienwochen zum Lernen und Nachholen des Schulstoffs nutzt, unterstützt die BLLV-Präsidentin nicht. „Entspannung muss in den Ferien unbedingt sein“, betont sie. Allerdings sollte man nicht die gesamte schulfreie Zeit Lerninhalte meiden. Demnach sollten Eltern von Grundschülerinnen und Grundschülern auch in den Ferien mit ihren Kindern rechnen und lesen üben. Bei Jugendlichen, die bereits zur weiterführenden Schule gehen, solle man auf Eigenverantwortung setzen. Hier müssen Eltern aber auch klarmachen, dass die Kinder die Konsequenzen ihres Handelns zu tragen haben, wenn sie beispielsweise gar nichts für die Schule tun, betont Fleischmann.

Natürlich könne man die Ferien nutzen, um Lerndefizite aufzuholen, etwa mit Nachhilfe oder dem Besuch von Lerncamps. Letztere seien allerdings oft elitär und kostenintensiv, gibt Fleischmann zu bedenken. In jedem Fall sollte man mit dem Kind vorher absprechen, ob es seine Ferien auf diese Art und Weise verbringen möchte, statt über seinen Kopf hinweg zu entscheiden.

4. Rechtzeitig auf das neue Schuljahr vorbereiten

Die letzte der sechs Ferienwochen sollte man dazu nutzen, sich auf das neue Schuljahr vorzubereiten. Dazu zählen mehrere Punkte, mit denen man sich befassen sollte, so die BLLV-Präsidentin. So sollten Kinder ihren Schlafrhythmus rechtzeitig wieder dem der Schulzeit anpassen und früh ins Bett gehen. Auch sei eine Inventur der Schulmaterialien des Kindes empfehlenswert. Dabei sollte man durchgehen, welche Materialien man für die Schule nutzt – seien es Schreibwaren oder auch Grundausstattung wie die Schultasche – und wofür man gegebenenfalls einen Ersatz braucht.

Neben den Schulmaterialien an sich sollten sich Kinder und Jugendliche kurz vor dem Start ins neue Schuljahr auch mit den Unterrichtsinhalten auseinandersetzen. Dazu zählt nicht nur die Wiederholung des im vergangenen Schuljahr Gelernten, sondern auch noch einmal ein Blick auf das letzte Zeugnis. Die Kinder und Jugendlichen sollten sich konstruktiv damit auseinandersetzen und daraus Zielsetzungen für das kommende Schuljahr ableiten.

5. Potenzial zur Verbesserung ausloten

Das Zeugnis kann Anreize für Verbesserungen geben – auch, wenn die eine oder andere Note nicht zufriedenstellend ist. Im Gespräch können Eltern und ihre Kinder ausarbeiten, wo Probleme bestanden haben und anhand dessen überlegen, ob und was man im nächsten Schuljahr verbessern möchte. Neben der Frage: „Was willst du ändern?“, sollte aber auch das Bewusstsein geschaffen werden, dass sich an den Noten und den Leistungen nichts verändern wird, wenn man dasselbe Lernverhalten wie zuvor an den Tag legt. Entsprechend sinnvoll sei es, sich mit seinem Zeugnis konstruktiv auseinanderzusetzen – und auch in schlechten Leistungen die Chance auf einen Lernerfolg zu sehen.

Simone Fleischmann ist Präsidentin des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbands. Außerdem ist sie Schulpsychologin und war viele Jahre als Schulleiterin tätig. - Foto: Sven Hoppe, dpa