Wilde Saison in Regensburg zu Ende: Wie geht es mit den Schlossfestspielen weiter?

30.000 Besucher und ein nie da gewesener Eklat: Der Abbau der Regensburger Schlossfestspiele nach zehn turbulenten Tagen läuft auf Hochtouren. So geht es weiter.
Mit einem Überraschungsbesuch von Weltstar Chris de Burgh im Restaurant Valentino in Kumpfmühl, einem Auftritt von Regensburgern wie Gloria von Thurn und Taxis, Peter Kittel sowie Arno Birkenfelder bei der Jedermann-Inszenierung und lautstarken Protesten gegen Putin-Unterstützer vor dem Konzert von Anna Netrebko gingen die Schlossfestspiele an ihren letzten drei Abenden zwar durchaus ereignisreich zu Ende. Im Gedächtnis bleiben dürfte von dieser Saison aber vor allem der Eklat am Anfang der vergangenen Woche.
AfD-Chefin Alice Weidel war auf Einladung von Gloria von Thurn und Taxis ins Schloss gekommen. Dieser Besuch sorgte tagelang bundesweit für Schlagzeilen: Immerhin erklärte die an diesem Abend auftretende Schlagersängerin Vicky Leandros Weidel laut einem Bericht der Bild für nicht willkommen. Stephanie Birnthaler, Chefin im Festspielrestaurant, hat sich geweigert, die Gäste der Hausherrin zu bewirten, solange die AfD-Chefin dazu zählt.
Gleichzeitig hatten sich in der Spitze 900 Menschen auf dem Emmeramsplatz versammelt, um ihrem Ärger über diesen Besuch Luft zu verschaffen. Einige davon schossen über das Ziel hinaus und bespuckten Festspielgäste und bewarfen sie mit brennenden Taschentüchern von einer Brücke aus. In der Folge wurde Weidel zwar nicht bei der Veranstaltung gesehen, allerdings verbreiteten sich Fotos von ihr im Schloss. Wenige Tage später polterte die AfD-Chefin via „X“ gegen Leandros. Von Thurn und Taxis beklagte sich auf dem rechtspopulistischen Onlinemedium Nius darüber, aus dem Festspielrestaurant rausgeschmissen und von dem Gastronomiebetrieb unter Druck gesetzt worden zu sein. Sie bezeichnete diesen Vorgang als Affront.

Diese Ereignisse kosteten an den Schlossfestspielen beteiligte Menschen viele Nerven. Über jedem Abend schwebte dem Vernehmen nach in der Folge die Frage, ob es zu einem weiteren Eklat kommt. Die Rede ist von Nächten voller Sorgen mit wenig Schlaf. Auch viele Tränen seien diesen Schilderungen zufolge geflossen. Ludwig Söll, Prokurist beim Veranstalter Odeon-Concerte, erwähnt das nicht. Er zieht positive Bilanz. Er spricht von 30.000 Besuchern und sogar von einem „Besucherrekord“. Viele Konzerte seien ausverkauft oder lediglich wenige Restkarten dafür verfügbar gewesen.
Der stärkste Abend war für ihn der mit Gianna Nannini. „Bereits im November waren alle Karten vergriffen – mehrere Hundert Interessenten standen anschließend auf der Warteliste“, sagt Söll. Zudem habe es trotz des regenreichen Julis zumindest während der Konzerte keine Schauer gegeben. „Die Stimmung im Schloss war einfach magisch!“, schwärmt er.
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Birnthaler kommentiert die Vorwürfe gegen das Festspielrestaurant durch von Thurn und Taxis nicht. „Wir sind nur der Caterer und haben uns stark positioniert“, sagt sie. Birnthaler habe sich in dieser Saison über viele Gäste und Stammgäste gefreut und auch über die Leistung ihres bis zu 100 Köpfe starken Teams. Diese Mitarbeiter seien es, die zehn Tage lang für Ambiente sorgen. Der stärkste Abend sei der mit Gianna Nannini gewesen.
Zum Finale gab es eine Überaschung für die Familie Birnthaler, die das Festspielrestaurant nun seit 15 Jahren betreibt. Stammgast Rupert Heider, Geschäftsführer im gleichnamigen Energiebetrieb in Wörth an der Donau, überreichte Birnthaler, ihrem Mann Peter sowie ihren Eltern Monika und Herbert Schmalhofer eine Collage mit Erinnerungen aus dieser Zeit.

Während nach außen hin die erfolgreichen Schlossfestspiele gefeiert werden, brodelt es hinter den Kulissen ordentlich. Wie also geht es nun mit dem Konzertreigen weiter? Auf die Frage, ob sie das Festspielrestaurant weiter betreiben werde, antwortet Birnthaler, dass sie sich jetzt nicht mit der Antwort darauf beschäftige. „Jetzt geht es um den Abbau“, erklärt sie. Söll nennt auf jeden Fall einen nächsten Termin: „Die Schlossfestspiele 2026 finden vom 10. bis 19. Juli statt.“
Er spricht von ganz großen Namen, die dann auf der Bühne stehen sollen, verraten dürfe er diese aber noch nicht. Erste Künstlergespräche seien am Laufen. Es gebe aber auch konzeptionelle Überlegungen. Auf die Fragen, ob absehbare Veränderungen bei der Veranstaltung anstehen und – falls ja – wann die Entscheidungen dazu getroffen werden sollen, antwortet Söll nicht. Er werde sich nun mit viel Schlaf oder einem langen Spaziergang ohne Handy erholen. Gloria von Thurn und Taxis selbst bezeichnet die Festspielsaison als „wiedermal wunderschön“, teilte sie am Montag auf Anfrage mit. „Die Shows waren allesamt toll und gut gelungen. Die Ränge waren voll und das Publikum happy!“