Hilfe von den gelben Engeln: Neumarkter Anwalt beleuchtet Pannen bei Versicherungen

Von Mittelbayerische Zeitung · 27. Juli 2025 um 11:00

Gelbe Engel auf Abwegen? Wer sich beim ADAC rundum abgesichert glaubt, könnte überrascht werden, erläutert der Neumarkter Anwalt Geedo Paprotta in seiner neuesten Kolumne. Denn gleich mehrfach mussten Versicherte ihre Rechte einklagen – gegen unklare Beratung, abgelehnte Rechtsschutzanträge und zurückgezogene Zusagen. Paprotta hat einschlägige Urteile unter die Lupe genommen.

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Gerade hatte ich einen Gerichtstermin, bin danach beschwingt in mein Auto gesprungen und jetzt sitze ich hier und warte. Auf wen? Auf die gelben Engel! Die Karre springt nicht mehr an und ich brauche jemanden, der sich mit sowas auskennt.

Technisch meine ich – juristisch hilft hier nicht weiter, auch wenn ich direkt auf dem Gerichtsparkplatz stehe. Naja, was soll’s, da schreibe ich eben die Kolumne im toten Auto. Und worüber machen wir uns heute Gedanken?

Wie wär’s mit dem ADAC! Was Sie vielleicht nicht wussten: Der ADAC ist nicht nur ein Pannendienst, sondern er hat auch einen ganzen Sack von Versicherungen im Kofferraum. Und damit bekommen die gelben Versicherungsengel regelmäßig Ärger vor Gericht.

Versicherung gibt es nicht ohne Beratung

Beispielsweise vor dem Landgericht München I. Da hatten sie ein buntes Reklameschreiben in viele Briefkästen verteilt, in dem sie für eine exklusiv gelbe Unfallversicherung warben. Und weil die Abschlepp-Engel zum Glück wahnsinnig praktisch veranlagt sind, hatten sie das Versicherungsformular für die Kunden auch gleich vollständig ausgefüllt. Man musste nur unterschreiben und es zurückschicken.

Doch die Verbraucherzentrale Baden-Württemberg fand diesen pragmatischen Ansatz anrüchig: Was ist denn mit der Beratung? Der ADAC wies darauf hin, dass im Prospekt ein kleines Kästchen abgedruckt war, in dem darauf hingewiesen wurde, dass der Kunde auf Beratung verzichtet, wenn er das Formular zurückschickt. Das langweilige Zeug versteht ja eh keiner.

Aber hier schüttelten die Richter am Landgericht die Köpfe: Versicherung quasi im Vorbeispazieren, das gibt es nicht! Wenn ein Kunde wirklich auf die Beratung verzichten will, dann muss ihm ein separates Formular ausgehändigt werden, in dem er genau auf die Folgen des Verzichts hingewiesen wird – und das muss er separat unterschreiben.

So steht es schwarz auf weiß und nicht etwa gelb im Gesetz (Az. 3 HK O 9060/24). Vor dem Landgericht Flensburg wiederum trat der ADAC als Rechtsschutzversicherer auf. Allerdings deckte er nicht engelsgleich den Rechtsstreit eines Kunden, vielmehr weigerte er sich!

Deckung für Rechtsstreit abgelehnt

Der Kunde war Mercedes-Fahrer und Opfer des Dieselskandals. Deshalb wollte er klagen und rief seine ADAC-Rechtsschutzversicherung an. Doch die fanden, dass diese Dieselklagen sowieso nichts bringen, und lehnten die Deckung ab. Der Dieselgate Gebranntmarkte ließ durch einen unabhängigen Juristen einen Stichentscheid durchführen – ein Kurzgutachten, das die juristischen Erfolgsaussichten im Streit mit der Rechtschutz prüft.

Doch auch daran sah sich der ADAC-Rechtschutz nicht gebunden, und so musste die Rechtsschutzversicherung tatsächlich auf Erteilung von Rechtsschutz verklagt werden. Das Landgericht Flensburg gab dem Kunden recht – und wie der Dieselskandal am Ende für die Kläger ausging, wissen Sie ja (Az. 4 O 89/23).

Über einen Sieg gegen die ADAC-Auslandskrankenversicherung berichteten 2023 die Kollegen der Rechtsanwaltskanzlei Luber und Pratsch in München. Ein langjähriger ADAC-Kunde musste dringend in Österreich während seiner Reise operiert werden. Zunächst bekam er auch grünes Licht von den Versicherungsmedizinern des ADAC.

Kunde soll Kosten für Operation selbst tragen

Doch als er gerade unterm Messer lag, da zogen die gelben Engel plötzlich ihre Einwilligung doch wieder zurück. Der Kunde sollte die Kosten der Operation selbst tragen. Das Landgericht sah in der Ablehnung aber eine gelbe Teufelei und führte die Engel auf den rechten Pfad zurück: Die Behandlungskosten wurden übernommen (Aktenzeichen unbekannt).

Da drüben kommt gerade ein gelbes Auto angerollt! Ich klappe den Laptop lieber zu. Das hier sollten die besser nicht lesen ...

Geedo Paprotta ist Rechtsanwalt mit einer eigenen Kanzlei in Neumarkt. In seiner wöchtentlichen Kolumne beleuchtet er skurrile Themen aus dem Juristenalltag. - Foto: Paprotta