Für Neumarkter Rechtsanwalt hat der Gerichtssaal auch etwas von einer Theaterbühne

Von Eva Gaupp · 18. Juli 2025 um 11:00

Er ist Vater von vier Kindern, selbstständiger Rechtsanwalt in Neumarkt und nebenher schreibt er noch Bücher. „300 Urteile über Deutschland“ heißt das neueste Werk von Geedo Paprotta. Es zeigt, wie überraschend humorvoll und poetisch deutsche Richter sein können.

Immer montags spießt der Jurist in seiner Kolumne „Paprottas Paragrafen“ im Neumarkter Tagblatt ein Thema mit kuriosen Urteilen auf. Und das schon seit inzwischen fast elf Jahren. „Zum Zehnjährigen habe ich mir gedacht, daraus müsste man doch ein Best-of herausbringen.“ Für seine Idee fand der 49-Jährige einen Verlag und nun kann man das Taschenbuch quer durch die Republik kaufen.

Juristen sind ein kurioser Menschenschlag.

Geedo Paprotta

„Vom alltäglichen Wahnsinn in deutschen Gerichten“ lautet der Untertitel. Entsprechend schräg lesen sich die Urteile von A wie „Ameisen “ bis Z wie „Zucker“. Da steht beispielsweise ein Wildpinkler vor Gericht, weil er in die Ostsee gepieselt hat. Darf man das? Also, als Zweibeiner? Denn Vierbeinern ist es ja nicht verboten. Ein Richter am Amtsgericht Lübeck entschied sehr poetisch: „Der Mensch hat unter den Weiten des Himmelszeltes nicht mindere Rechte als das Reh im Wald, der Hase auf dem Feld oder die Robbe im Spülsaum der Ostsee.“

Neumarkter Autor: Gerichtssaal ist wie eine Bühne

Er habe sogar schon gereimte Urteile entdeckt und Verhandlungen, die exakt an einem 11.11. um 11.11 Uhr angesetzt worden sind. „Juristen sind ein kurioser Menschenschlag“, sagt Paprotta und nimmt sich da selbst nicht aus. Denn der Neumarkter wollte gerne Schauspieler werden, horchte dann aber auf den weisen Rat seines Herrn Papa. In Laienensembles stand er dennoch schon des Öfteren auf der Bühne und sieht durchaus Parallelen zu einem Gerichtssaal.

„Jeder Fall erzählt eine Geschichte“, beginnt Paprotta augenzwinkernd die Beweisführung und fährt fort: Text spiele auch vor Gericht eine wichtige Rolle in Form von Akten, Protokoll und Urteil. Und wer in der Lage sei, ein gutes Plädoyer zu halten, gewinne die Aufmerksamkeit des Richters.

So mancher Richter habe sich auch schon bei ihm gemeldet, wenn der Kolumnist dessen Urteil aufgegriffen hat. Aber keiner habe sich auf den Schlips getreten gefühlt. „Das ist nicht meine Absicht und schon gar nicht will ich unser Rechtssystem lächerlich machen“, betont der Autor. Denn er sei ein großer Fan des deutschen Rechtssystems. „Die Urteile spiegeln lediglich die Kuriosität des Lebens wieder.“

Deshalb wäre es schade, wenn solche Schätze zwischen Aktendeckeln verstaubten. Dort bzw. aus juristischen Datenbanken holt Paprotta sie Woche für Woche für die Leser des Neumarkter Tagblatts ans Tageslicht. „Am Anfang steht immer ein Thema, das mich im Alltag anspringt“, erklärt der 49-Jährige. Dann recherchiere er, was für Urteile dazu in Deutschland gefällt wurden und strickt aus den skurrilsten seine Kolumne.

Geedo Paprotta plant Autorenlesungen

Bücher zu schreiben, war immer schon sein Traum. „Aber der Schritt, es dann tatsächlich auch zu tun, ist riesig.“ Es brauche eine Menge Disziplin, koste sehr viel Zeit. „Aber es hat etwas Meditatives, wenn man sich erst einmal in einen Flow geschrieben hat, und es holt einen aus dem Alltag.“

Nachdem sein erster Krimi „Jagdtrieb“ um den etwas schrägen Rechtsanwalt Paul Colossa erschienen ist, gab ihm das Rückenwind. „Giftrausch“ erzählt von einem weiteren Fall, den Colossa zu lösen hat. Ein dritter Kriminalroman mit einem Rechtsanwalt in der Midlifekrisis als Protagonist ist derzeit in Arbeit. Genauso wie ein philosophisches Buch über Moral.

Doch der 49-Jährige schreibt nicht nur, er liest auch für sein Leben gerne vor. Deshalb hat er schon diverse Autorenlesungen wahrgenommen – und das plant er auch mit seinem Kolumnen-Werk „300 Urteile über Deutschland“. „Es macht riesen Spaß, den Rezipienten direkt vor sich zu haben, zu sehen, wie das Publikum lacht oder erschrickt. Das ist dann wieder ein bisschen, wie als Schauspieler auf der Bühne zu stehen.“