Neumarkter Jurist Geedo Paprotta: „Ralph Siegel hat sich bei mir beschwert“

Von Bernhard Neumayer · 17. November 2023 um 17:00

Rechtsanwalt Geedo Paprotta hat über 500 Kolumnen für das Neumarkter Tagblatt geschrieben. Anlässlich des zehnjährigen Bestehens von „Paprottas Paragrafen“ blickt der Jurist in unserem Interview zurück. Am Freitag zitiert Paprotta live aus seinen Beiträgen in Berching.

14 Autoren haben am kommenden Freitag in Berching maximal jeweils sieben Minuten Zeit, aus ihren Werken vorzulesen. Unter dem Motto „Ganz neue Seiten – 1000 Wörter in einer Nacht“ findet das Literarische Speed Dating ab 19.30 Uhr in der Kulturhalle statt – mit dabei ist auch Geedo Paprotta, der aus seiner Tagblatt-Kolumne „Paprottas Paragrafen“ zitiert.

Herr Paprotta, haben Sie sich schon entschieden, aus welchen ihrer Kolumnen Sie in Berching vorlesen?

Paprotta: Nein, die Endauswahl werde ich wahrscheinlich sehr kurzfristig treffen. Aktuell habe ich eine nähere Auswahl von 50, 60 Stück.

Die endgültige Auswahl fällt sicher nicht leicht, oder?

Paprotta: Die Entscheidung wird schwierig. Denn es müssten gut über 500 Kolumnen sein, die bisher im Neumarkter Tagblatt erschienen sind.

Im Herbst vor zehn Jahren wurde die erste Kolumne gedruckt.

Paprotta: Ich erinnere mich nur noch vage daran. Denn es gab in diesen zehn Jahren fast keine Woche, in der keine Kolumne erschienen ist. Selbst mit Grippe im Bett habe ich die Kolumne getippt, weil es mir einfach wahnsinnig Spaß macht.

Was begeistert Sie so daran?

Paprotta: Ich schreibe ja auch Romane. Und da ist es natürlich schön zu wissen, dass diese Tausende von Lesern wahrnehmen. Aber als Romanautor bekommt man fast nie Feedback, bei der Kolumne habe ich dagegen das Gefühl, dass ich mit den Lesern direkt kommuniziere.

Melden sich Leser der Kolumne dann bei Ihnen in der Kanzlei?

Paprotta: Ja, das kommt häufiger vor, zum Beispiel, wenn sie etwas richtigstellen wollen. Wenn ich etwa Dialektbegriffe falsch verwendet habe. Dann ruft mich jemand an und sagt, dass man zu einem Begriff bei ihm zuhause aber anders sagt.

Wie reagieren Sie darauf?

Paprotta: Ich finde das super. Wenn Leser bei mir an der Anmeldung der Anwaltskanzlei anrufen, lasse ich die auch immer direkt zu mir durchstellen. Wenn jemand über die Kolumne sprechen will, bin ich immer neugierig.

Einmal hat sich auch ein sehr prominenter Leser gemeldet.

Paprotta: Ja, Ralph Siegel, der Schlager-Gigant. Zuerst dachte ich, er will mich verarschen. Er hat sich bei mir beschwert, weil ich eine Kolumne zum Thema SMS geschrieben habe.

Wie kam es dazu?

Paprotta: Dem Boulevard-Archiv ist zu entnehmen, dass Ralph Siegel von einer ebenfalls sehr prominenten Ex-Partnerin (Anm. d. Red.: Nadja Abd el Farrag, Ex von Dieter Bohlen) per SMS abserviert wurde. Und als ich meine SMS-Kolumne geschrieben habe, war Ralph Siegels Buch im Gespräch. Dann habe ich mich an das Schlussmachen per Kurznachricht erinnert und auch Ralph Siegel erwähnt. Und der muss die Kolumne wohl online über Google gefunden haben.

Und wie hat Ralph Siegel reagiert?

Paprotta: Er hat mir eine Mail geschrieben, dass er diese Person, die ihn damals per SMS abserviert hat, nach wie vor unmöglich finde. Und dass ich mich so über sein Buch äußere, fand er auch nicht gut. Und überhaupt sei das geschmacklos. Ich habe erst gar nicht geglaubt, dass er die Nachricht geschrieben hat.

Was haben Sie ihm geantwortet?

Paprotta: Ich habe ihm geantwortet, dass ich versucht habe, die Grenzen einzuhalten. Und dass eine Person des öffentlichen Lebens natürlich dem ausgesetzt ist, dass über ihn geschrieben wird. Allerdings habe ich ihm sehr vorsichtig geschrieben.

Warum?

Paprotta: Weil ich nach wie vor keinen Beleg habe, dass er es tatsächlich war. Aber eigentlich muss er das gewesen sein. Wer sonst sollte geschrieben haben? Eine Brieffreundschaft ist daraus aber nicht geworden. Nach meiner Antwort habe ich nichts mehr von ihm gehört.

Auch eine andere Kolumne hat Wellen geschlagen.

Paprotta: In einer Kolumne habe ich die rechtliche Situation von Frauenparkplätzen beleuchtet. Und als danach das Thema im Rahmen eines Rechtsstreits aufgekommen ist, hat sich eine Journalistin der Deutschen Presse-Agentur gemeldet und hat mich interviewt. Darauf sind dann viele überregionale Medien aufgesprungen und haben über das Thema berichtet.

Was haben Sie im Interview gesagt?

Paprotta: Dass ich Frauenparkplätze für extrem wichtig halte – vor allem, wenn man etwa nachts am Flughafen oder am Hauptbahnhof ankommt. Da sind Parkplätze, die näher am Eingang, besser beleuchtet und vielleicht auch geschützt sind, für Frauen sehr hilfreich.

Frauenparkplätze, Kurznachrichten und viele weitere Themen: Woher kommen die Ideen für die Kolumnen?

Paprotta: Die allermeisten Themen fallen mir beim Autofahren ein. Ich schreibe über Dinge, die mir im Alltag auffallen. Als ich etwa heute Morgen mit Rückenschmerzen aufgewacht bin, dachte ich mir, dass ich einmal über Yoga schreiben könnte. Wenn ich eine Idee habe, dann recherchiere ich in Urteilsdatenbanken und schreibe die Kolumne.

... die sehr unterhaltend ist ...

Paprotta: Die Kolumne soll heiter, aber nicht lustig sein. Und ich möchte rechtlich informieren und beraten. Denn die Urteile sind natürlich echte Urteile. Das hat alles Hand und Fuß.

Und auch nach zehn Jahren gehen Ihnen die Themen noch nicht aus?

Paprotta: Die Lebenswirklichkeit, aus der ich schöpfe, ist so unfassbar gewaltig, dass mir die Themen unmöglich ausgehen können.

Das ist das Literarisches Speed Dating in Berching:

Idee: Jeder Autor hat maximal sieben Minuten Zeit, dem Publikum sein Buch vorzustellen. Ziel ist, dass die Besucher bei kostenlosem Eintritt eine große Bandbreite an neuen Büchern kennenlernen.

Autoren: 14 Schriftsteller präsentieren Werke: Bruno Busch, Heike Hahn, Florian Schmidt, Nicola Hengst-Gohlke, Robert Wolfgang Segel, Claudia Fischer, Melanie Arzenheimer, Engelbert Huber, Birgit Arnold, Michael Kleinherne, Elisabeth Nesselrode, Mathias Petry, Geedo Paprotta sowie Golly Hertlein. Neben einem Buch wird Hertlein auch mit Musikstücken am Abend unterhalten.