Sinkende Geburtenrate schlägt durch: Der Run auf Krippenplätze in Regensburg lässt nach

Lange Jahre war ein rechtzeitig ergatterter Krippenplatz so etwas wie ein Lottogewinn. Das hat sich geändert – die Meinungen zur Situation in Sachen Kinderbetreuung insgesamt aber gehen auseinander.
Der Start in die Sommerferien war für junge Eltern in Regensburg in den vergangenen Jahren oft keineswegs unbeschwert. Denn sie wussten: Der September kommt bestimmt – und mit ihm die Notwendigkeit, sich einen der heiß begehrten Krippenplätze für den Nachwuchs zu sichern. In dieser Nervenschlacht erreichte die Stadt 2024 einen Meilenstein. Zum ersten Mal überhaupt stand zum schon Start in den Herbst für jeden Bewerber ein Platz zur Verfügung. Heuer scheint die Situation erneut eine andere zu sein, der ganz große Druck ist offenbar weg.
„Wir haben zwar keine offiziellen Zahlen, doch nach unserer subjektiven Wahrnehmung ist die Lage etwas entspannter – auch wenn unsere Wartelisten nach wie vor gut bestückt sind“, sagt Michael Straube, Vorstand des Vereins Regensburger Eltern. Diese Einschätzung beruhe auf der aktuellen Nachfrage in den eigenen drei Krabbelstuben, aber auch auf dem Austausch mit anderen Trägern.
Auf einmal gibt es Bewerbungen
Ein weiterer Indikator sei die Verfügbarkeit von Betreuungspersonal. Vor Kurzem noch habe sich die Suche nach Fachkräften schwierig gestaltet, jetzt gebe es eine Auswahl. „Wir haben Bewerbungen, die Situation hat sich gedreht“, so Straube.
Ins Bild passt zudem die Meldung von der bundesweit auf einen Tiefpunkt zusteuernden Geburtenrate. Diese Entwicklung macht auch vor Regensburg nicht Halt und wurde kürzlich im städtischen Jugendhilfeausschuss als Gegenargument für die geplante Errichtung eines Kindergartens auf dem Dach des Dachauplatz-Parkhauses ins Feld geführt. Erste mangels Auslastung geschlossene Krippen in der Region bestärken diese Sichtweise, in Regensburg fallen beispielsweise in der Puricellistraße und in der Donaustaufer Straße welche weg.
„Die Geburtenrate macht sich auf jeden Fall bemerkbar, man bekommt die Tür nicht mehr so eingerannt wie früher“, sagt dazu Ramona Köck, die mit ihrem Mann Dominik Schomecker seit einem Jahr die Kinderkrippe „Goldschatz“ in der Sternbergstraße betreibt. Dennoch expandiert das Paar jetzt. Ab September hat es mit dem „Polarstern“ in der Wöhrdstraße einen zweiten Standort – im Vertrauen auf das eigene Konzept und aus der Überzeugung heraus, dass der Bedarf nach wie vor groß ist.
Aus der Perspektive vieler Eltern gibt es keine Plätze, aber wir sind mit unserem Angebot gar nicht publik.
Dominik Schomecker, Betreiber „Polarstern“
„Da stoßen oft zwei Weltbilder zusammen. Auf der einen Seite ist von einer entspannten Situation die Rede, andererseits haben wir täglich Eltern dasitzen, die verzweifelt einen Platz suchen“, beschreibt Schomecker eine Diskrepanz, auf die er sich „keinen Reim machen kann“. Sogar im eigenen Betrieb stellt sich die Lage widersprüchlich dar: Die zwölf Plätze in der Sternbergstraße seien bis 2027 ausgebucht, zudem gebe es eine Warteliste. Von den 24 Plätzen in der Wöhrdstraße seien aktuell hingegen erst acht vergeben, obwohl sich die Gebühren hier an den Elternbeitragssatz der Stadt Regensburg hielten und somit deutlich unter denen im „Goldschatz“ lägen.
Dabei war die Einrichtung am Unteren Wöhrd noch bis Februar dieses Jahres voll ausgelastet, damals unter dem Namen „Inselzwerge“ und unter Trägerschaft der Johanniter. Dies beweist für Schomecker, dass der Bedarf an diesem Standort da ist. Die augenblickliche Delle erklärt er sich auch durch Schwächen des „Kita-Planers“ auf der städtischen Internet-Seite. Im Meldeportal seien die Zahlen nicht aktuell, in der Übersicht sei der „Polarstern“ noch gar nicht gelistet, die nicht mehr existenten „Inselzwerge“ findet man dagegen nach wie vor. „Aus der Perspektive vieler Eltern gibt es keine Plätze, aber wir sind mit unserem Angebot gar nicht publik“, kritisiert er.
Personal mehr als verdoppelt
Dessen ungeachtet treiben er und Köck umfangreiche Modernisierungsarbeiten in der denkmalgeschützten Immobilie in der Wöhrdstraße voran, auch der Garten wird von Grund auf neu gemacht. Mit dem von drei auf sieben fest angestellte Mitarbeiter angewachsenen Personal fiebert das Paar auf den Start hin und fragt selbstbewusst: „Der ,Goldschatz' funktioniert, warum also sollte der ,Polarstern' nicht funktionieren?“