Stadt Regensburg deckt Bedarf bei Kinderbetreuung, ein „Goldschatz“ trägt dazu bei

Die erste Mini-Kita Regensburgs eröffnet an diesem Donnerstag und trägt gleich zu Beginn zu einem großen Erfolg für die Stadt in Sachen Kinderbetreuung bei.
Die neuerbaute „Villa Sternberg“ an der Ecke Hemauer-/Sternbergstraße stellt eine Besonderheit dar. Nicht unbedingt wegen ihrer über einer Million Euro teuren Penthouse-Wohnung, denn so etwas gibt es in Regensburg öfter. Sehr wohl aber wegen einer neuartigen Einrichtung im Erdgeschoss: Hier eröffnet am Donnerstag unter dem Namen „Goldschatz“ die erste Mini-Kita der Stadt.
Diese neue Betreuungsform sieht kleinere Gruppen als in herkömmlichen Kindertagesstätten vor. Im „Goldschatz“ werden es maximal zwölf Kinder im Alter von zehn Monaten bis zu drei Jahren sein, zum Auftakt liegt die Belegung bei acht. Leiterin Ramona Köck und ihr Team (zwei Erzieherinnen, eine Kinderpflegerin) freuen sich auf den Start und sind sich der Tatsache bewusst, dass sie in Regensburg eine Vorreiterrolle einnehmen.
Zwölf Plätze helfen zwölfmal
Köck schwört auf das Konzept einer Mini-Kita, denn die niedrige Anzahl zu betreuender Kinder bringt in ihren Augen nur Vorteile mit sich. So führt sie aus, dass beispielsweise Partizipation, also die bewusste Miteinbeziehung der Kleinen in Entscheidungsprozesse, eine große Rolle im „Goldschatz“ spielen soll – und in überschaubaren Gruppen viel besser umzusetzen sei. „Auch die familiäre Atmosphäre ist uns wichtig. Außerdem gehen wir individuell auf die Bedürfnisse jedes einzelnen Kindes ein und reagieren situationsbedingt“, so die Leiterin.
Die Vorzüge des Neubaus kommen ihr ebenfalls entgegen. Da für eine Mini-Kita Auflagen wie Schallschutz-Decken, kindersichere Steckdosen oder auf Dreikäsehoch-Niveau angebrachte Waschbecken zu erfüllen sind, wäre die nachträgliche Umrüstung eines bestehenden Hauses sehr kostspielig gewesen. So aber konnte alles schon vorab passgerecht eingeplant werden, weshalb Köck zufrieden feststellt: „Unsere Einrichtung ist sehr modern und zeitgemäß.“
Neben dem zentralen Gruppenraum mit 50 Quadratmetern stehen den Kindern ein 125 Quadratmeter großes Außengelände und ein geräumiges Schlafzimmer zum mittäglichen „Snoezelen“, einer besonders entspannenden und zugleich die Sinne anregenden Art des Dösens, zur Verfügung.
„Zwölf Plätze bedeuten für zwölf Familien eine Entlastung“, beschreibt Köck die Rolle vom „Goldschatz“ im städtischen Betreuungsnetz. Und wie der Zufall es will, trägt die Mini-Kita gleich zum Start zu einem großen Erfolg bei: Zum ersten Mal überhaupt kann die Stadt schon zum Beginn eines Schuljahres alle Kinder mit Betreuungsbedarf unterbringen. „Darauf sind wir sehr stolz. Das ist durch die Zusammenarbeit aller Beteiligten gelungen“, lässt dazu Stadt-Sprecherin Juliane von Roenne-Styra wissen.
2100 Kinder sind versorgt
Insgesamt haben rund 2100 Kinder einen Platz bekommen, rund 600 davon sind jünger als drei Jahre, der Rest im Kindergartenalter. Ein kleiner Wermutstropfen dabei: Für 20 Prozent sprang nicht der Wunschplatz heraus. An der Erfüllung des Rechtsanspruchs ändert dies aber nichts – und dies war noch vor wenigen Monaten alles andere als gewiss.
Was das Modell „Mini-Kita“ angeht, wird der „Goldschatz“ wohl kein Unikat bleiben. Im Hinblick auf eine dezentrale Versorgung ist im bayerischen Kindergartengesetz nämlich verankert, dass Kitas in der Nähe der Wohnbezirke errichtet werden und möglichst zu Fuß oder per Fahrrad erreichbar sein sollten.
Im Vorgänger-Bau war ein Asia-Restaurant
Gastronomie: Im Vorgänger-Bau der neuen „Villa Sternberg“ (Foto: Wendl) war über viele Jahre ein Asia-Restaurant beheimatet. Ein Trumpf des Lokals war sein herrlicher Biergarten. Die große Kastanie dort hat den Abriss überlebt, bald spielen unter ihr Kinder.
Interesse: Schon lange vor dem Baubeginn kam im Jahr 2022 die Stadt Regensburg auf den Bauherrn Benedikt Kalin zu. Das Amt für Tagesbetreuung von Kindern meldete Interesse an, als Mieter im Erdgeschoss die erste Mini-Kita Regensburgs zu schaffen.
Zuschlag: „Wir waren sofort angetan, denn das trifft den Puls der Zeit“, kommentierte Kalin damals in der MZ die Initiative der Stadt. Als weiteren Vorteil machte er aus: „Für die Bewohner ist es auch feiner, wenn abends und am Wochenende kein Betrieb herrscht.“
