Wegen Platzmangel in der Altstadt: Regensburg plant eine Kita auf dem Parkhaus

In Nürnberg spielen seit zehn Jahren Kinder auf dem Parkhausdach, „Wolke 10“ heißt das Kinderhaus mit 86 Plätzen in der dicht bebauten Südstadt. Regensburg geht jetzt auch in die Höhe, um Eltern, die im Zentrum wohnen oder arbeiten, mit Kindergartenplätzen zu versorgen:
Das Stadtwerk, das das Parkhaus Dachauplatz betreibt, soll auf dessen Dach im Auftrag der Stadt einen großen Kindergarten planen. Das hat am Donnerstag der Jugendhilfeausschuss des Stadtrats mit großer Mehrheit beschlossen – gegen die Stimme von Sozial-Bürgermeisterin Astrid Freudenstein (CSU).
Die Idee zum Kindergarten auf dem Dach des Parkhauses mit derzeit 700 Stellplätzen auf sechs Ebenen kam aus dem Bildungsreferat. Referentin Sabine Kellner-Mayrhofer erklärte im Ausschuss: „Unser Problem in der Altstadt ist, es ist sehr schwer, Räume für Kindertagesbetreuung zu bekommen, weil vorgeschrieben ist, dass wir pro Kind zehn Quadratmeter Freifläche brauchen.“ Für 100 Kinder, wie sie am Dachauplatz betreut werden sollen, sind also 1000 Quadratmeter Garten nötig.
Absturz- und Ballsicherung für Kita auf dem Parkhausdach
Was auf dem Parkhausdach grundsätzlich möglich ist, ergab eine Machbarkeitsstudie des städtischen Tochterunternehmens. Stadtwerk-Prokurist Lucian Beggel erklärte: „Man könnte auf diesem Dach oben eine Art Tisch aufbauen.“ Dazu müssten kleine Bereiche des obersten Decks abgetragen werden. „Das würde circa 35 bis 40 Stellplätze kosten.“ Von unten wäre eine um 1,40 Meter erhöhte Lochblechfassade sichtbar. „Es ist natürlich eine Absturzsicherung da, sogar eine Ballsicherung, dass die Kinder ganz normal spielen können und nicht bemerken, wo sie sind.“ Als Zugang würde ein erneuertes Treppenhaus mit Aufzug dienen.
CSU-Stadtrat Erich Tahedl kritisierte: „Die ganze Maßnahme ist uns zu teurer.“ Sie widerspreche dem Ziel, günstig zu bauen sowie anderen Beschlüssen des Stadtrats. Die Stadt streiche hier Parkplätze weg, die im Verkehrsberuhigungskonzept „voll mit eingerechnet seien“. Es sei mit knapp 2,5 Millionen Euro nur für die Planung auszugehen. Andernorts scheiterten Erweiterungspläne, „weil zehn Quadratmeter im Garten fehlen. Vielleicht müsste man da auch beweglicher sein.“
Die Mehrheit des Ausschusses – darin vertreten sind neben Stadträten auch eine Reihe von Experten – war aber dafür, das Stadtwerk für maximal 600 000 Euro eine Entwurfsplanung erstellen zu lassen. Brücke-Fraktionschef Joachim Wolbergs nannte das Vorhaben eine „super Idee“: „Wenn wir in dicht bebauten Städten nicht irgendwann anfangen, so unkonventionelle Lösungen zu denken, dann kommen wir in den Wald.“ Die Vorgaben für Kitas kämen vom Freistaat, zudem gelte: „Die, die jetzt dagegen sind, haben vor Kurzem Schulbauten für 100 Millionen Euro durchgewunken.“
SPD-Stadträtin Evelyn Kolbe-Stockert sagte, ihre Fraktion sei „auch ganz begeistert“. Den Bau auch als Betriebs-Kita für Mitarbeiter der Stadt zu nutzen, sei „ein tolles Serviceangebot“. Theresa Eberlein (Grüne) erklärte, sie sei ebenfalls Fan der Idee. Sicher könnten beim Grün keine großen Sprünge gemacht werden, müssten ein, zwei offene Fragen geklärt werden, etwa zum Emissionsschutz. Aber es gelte: „Wir leben in der Stadt, wir haben an der Stelle den Bedarf an Kita-Plätzen und wir brauchen Lösungen.“ Jakob Friedl (Ribisl-Partie) ergänzte, wenn für diesen Standort Lösungen für Schatten und Grün gefunden werden könnten, „finden wir auch Lösungen, wie wir überhaupt damit umgehen können in der Stadt“.
Jobcenter-Chefin: Alle Möglichkeiten ausschöpfen
Die Chefin des Jobcenters, Birgitt Ehrl, plädierte dafür, alle Optionen zur Schaffung von Kita-Plätzen auszuschöpfen – auch diese. „Wir haben sehr viel Potenzial an Arbeitskräften bei Frauen, das wir stärken müssen.“ Silvia Frenzel vom Paritätischen Wohlfahrtsverband hinterfragte angesichts des generellen Geburteneinbruchs den Bedarf. Thomas Zintl, Leiter des Don-Bosco-Heims, regte an, „ein Modellprojekt daraus zu machen, wie sich Planungskosten sparen lassen“.
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Bildungsreferentin Kellner-Mayrhofer erklärte, der Bedarf sei auch da, „weil wir Träger haben, die in die Grätsche gehen“. Die Kirche ziehe sich aus der Sanierungsfinanzierung zurück. Auch städtische Häuser müssten saniert werden. Die Planung der Parkhaus-Kita werde sicher nicht 2,5 Millionen Euro kosten. Auch spare sich die Stadt den Grunderwerb, „fast das teuerste bei einer Kita“. Sozial-Bürgermeisterin Freudenstein dagegen nannte das Vorhaben „grob unwirtschaftlich“ – und stimmte dagegen. Sie sprach von Gesamtkosten von bis zu 25 Millionen Euro, was Wolbergs als „definitiv falsch“ bezeichnete.