Ein Job alleine reicht ihr nicht: Susanne Pemmerl aus Bad Kötzting ist ein Multitalent

Von Sabrina Kauer · 19. Juli 2025 um 17:00

Kein typischer „9 to 5-Job“, kein fester Arbeitsplatz, bei dem sie jeden Tag aufs Neue ein und aus geht. Dafür hier ein Fernseh-Dreh, da ein Stand-up-Comedy-Auftritt, dort eine Vorführung mit ihrer Band. Und ehe sie sich versieht, findet sich Susanne Pemmerl aus Bad Kötzting im Landkreis Cham in der Karibik auf der Bühne eines Kreuzfahrtschiffes wieder.

Das (Arbeits-)Leben von Susanne Pemmerl ist ein „Zusammenschachteln von Jobs“, wie sie selbst sagt. Was klingt wie das Leben eines Stars, ist in Wirklichkeit alles andere als Glamour, stattdessen viel harte Arbeit und „auf die Schnauze fallen“.

Vielseitig begabt

Susanne Pemmerl ist 40 Jahre alt und lebt seit 20 Jahren in München. Vor allem das musikalische Talent sei ihr in die Wiege gelegt worden. Von klein auf sei sie dabeigesessen, wenn ihre Mutter Cello spielte. „Ich habe schon immer wahnsinnig gern getanzt und gesungen“, so Pemmerl, die unter anderem das Musizieren mit Cello, Gitarre und Klavier beherrscht.

In jungen Jahren habe sie ihre erste Theatererfahrung in der Festspielgemeinschaft Bad Kötzting gesammelt. Später mal auf der Bühne stehen – für Pemmerl kein „vielleicht“, sondern ein „unbedingt“.

Es folgten unter anderem eine (Opern-)Gesangs- und Bühnenausbildung sowie privater Schauspielunterricht. Außerdem absolvierte sie den Bachelor in Anglistik.

Es ist einfach meine Leidenschaft. Es können nicht viele Leute sagen, dass sie das machen, was ihnen Spaß macht.

Susanne Pemmerl, Multitalent aus Bad Kötzting

Um einen kleinen Einblick in das Leben des Multitalents aus Bad Kötzting zu geben: Als Frontfrau ist sie heute Teil der französischen Band Prisoner. Zudem singt sie bereits seit 20 Jahren gemeinsam mit Ruth Spitzenberger. Als Schauspielerin in der Fernsehserie „dahoam is dahoam“ habe Brauereiinhaber Hubert „Hubsi“ Kirchleitner sie abblitzen lassen – „was ich bis heut’ nicht versteh“, witzelt Pemmerl. In „Sturm der Liebe“ habe sie „ein paar Mal so Mini-Sprechrollen“ gehabt und in der Krimiserie „K11“ habe sie sich als Mörderin entpuppt.

Susanne Pemmerl ist Frontfrau der französischen Band Prisoner. - Foto: Eddie Prot

Für die Münchner Messe und die U-Bahn spricht sie Durchsagen wie „(...) Lassen Sie Ihre Taschen und Gepäckstücke nicht unbeaufsichtigt“ ein. Zudem ist sie Moderatorin und Synchronsprecherin, Tänzerin und neuerdings auch Stand-up-Comedienne. „Es ist wie so ein Puzzle mit ganz vielen Kleinteilen“, sagt Pemmerl.

Künstler-Dasein: viel Zeit, selbst investiertes Geld, Geduld und manchmal auch ein dickes Fell

Um dieses „Puzzle“ zu vervollständigen, brauchte es jedoch viel Zeit, selbst investiertes Geld, Geduld und manchmal auch ein dickes Fell. „Den Leuten ist nicht bewusst, wie viel Aufwand hinter kreativen Berufen steckt“, sagt Pemmerl. Manchmal habe sie hingegen „zwangsweise Pause“, beispielsweise im Sommer. Deswegen gelte es, sich im Rest des Jahres ranzuhalten, „damit man diese Pause überlebt“, sagt sie. „Es ist meistens zu viel oder zu wenig. Viele sehen halt nur den Glamour, weil man im Fernsehen ist. Aber das heißt gar nichts, nicht, dass man es geschafft hat und nicht, dass man berühmt ist.“

Auch als Künstler gelte es, sich ständig weiterzuentwickeln. Dazu gehören unter anderem Kurse, um Stimm- und Sprechtechniken zu verbessern. Zudem müssen die eigenen Plattformen bestückt und aktualisiert werden – mit neuen, professionellen Fotos versteht sich.

Für ihr Comedy-Dasein besucht Pemmerl Schreibworkshops. An Witzen feile sie teils monatelang. Dann gelte es, diese wieder und wieder auszuprobieren – und dabei „vor Publikum auf die Schnauze zu fallen“, wenn dieses die Gags „einfach nicht fühlt“. „Es ist eine Kunst für sich. Man muss immer wieder auftreten, um Bekanntheit zu erlangen und sich zu verbessern“, so Pemmerl über ihr neues Metier, das sie 2019 in London für sich entdeckt habe.

In ihren Stand-up-Auftritten wie kürzlich auf der Bayern 3 Comedy Stage (zu sehen in der ARD-Mediathek) nimmt Susanne Pemmerl überwiegend ihre Heimat und den Oberpfälzer Dialekt aufs Korn und erzählt dabei von Anmachsprüchen wie „Wos schaustn so zwida?“ oder „Megst ebba schmusn?“.

Zudem geht sie mit viel Humor auf Unterschiede zwischen ihr und ihrem französischen Lebensgefährten ein und macht Witze darüber, „was ich alles so beklopptes schon gemacht habe.“

Rock-Festival auf hoher See

Ständig neue Jobs, ständig neue Orte – sich wo fest niederzulassen mit Haus und Kind sei für Pemmerl derzeit keine Option. „Ich mag es, flexibel zu sein.“ Genau das hat sich im Mai dieses Jahres ausgezahlt. Kurz nach Weihnachten sei sie von der Band The Woggles aus L.A. eingeladen worden, mit ihnen als GoGo-Tänzerin auf der Bühne zu stehen. Auf einem Kreuzfahrtschiff. In der Karibik. Ein Rock-Festival auf hoher See mit bekannten und neuen Bands – da habe sie gar nicht Nein sagen können. „Das kann man dann gut machen, wenn man flexibel ist. Es war ein Riesen-Erlebnis“, schwärmt Pemmerl.

Später mal auf der Bühne stehen – für Pemmerl kein „vielleicht“, sondern ein „unbedingt“. - Foto: Verena Brüderl

Ihre vielen künstlerischen Berufe zwingen die 40-Jährige dazu, ständig unterwegs zu sein und immer wieder Neues zu erleben. Doch Weihnachten und Pfingsten feiere sie stets in ihrer Heimatstadt Bad Kötzting. Nach ihrem Lieblingsplatz gefragt, sagt Susanne Pemmerl: „Bei meiner Mama daheim auf dem Kanapee, am besten mit Strickzeug.“