Sascha Edenhofer ist überzeugt: „Das Theater unserer Zeit braucht Gänsehaut“

Von Verena Brandl · 17. Juli 2025 um 15:00

Seit 2022 ist der Straubinger Sascha Edenhofer künstlerischer Leiter der Festspielgemeinschaft Kötzting (FSG). Nach dem Zaubermärchen „Da Asch’nmo“ wagte er 2024 mit Gerhart Hauptmanns „Die Weber“ den Sprung zum Drama – und landete erneut einen Erfolg. Doch darauf ruht sich Edenhofer nicht aus: Seit Wochen probt er mit dem Kötztinger Ensemble für die zweite und letzte Saison der Weber. Im Interview verrät er, was sich alles ändert, und worauf sich das Publikum freuen darf.

Herr Edenhofer, vergangene Saison durften Sie und Dramaturgin Barbara Schöneberger mit „Die Weber“ Premiere feiern. Womit waren Sie letztes Jahr schon zufrieden?

Sascha Edenhofer: Vor allem ist es uns gelungen, Hauptmanns Sprachrhythmus nicht zu brechen. Trotz der Übersetzung ins Bairische bleibt ein einheitlicher Sprachstil erkennbar. Und auch mit der Rollenbesetzung sind wir vollends zufrieden. Dabei hat uns besonders gefreut, dass wir auch den Vereinsnachwuchs integrieren konnten, obwohl im Werk selbst keine Kinderrollen vorgesehen waren. Und dass unsere Jugend dann auch noch den Jugendpreis des Landkreises geholt hat, hat uns besonders stolz gemacht.

Die Weber proben den Aufstand. - Foto: Simon Tschannerl

Und was haben Sie sich für dieses Jahr vorgenommen?

Edenhofer: Nicht auf dem Erfolg der Vorsaison ausruhen und dranbleiben. Maske, Kostüm, Bühne, Requisite, Licht und Ton werden eins zu eins aus dem Vorjahr übernommen. Dadurch können wir die gesamte Konzentration auf die Weiterentwicklung einzelner Figuren legen. Und wir können Stimmungen festigen und den Spielablauf flüssiger gestalten.

Wie haben Sie sich auf das zweite Jahr „Die Weber“ vorbereitet?

Edenhofer: Nach dem Spiel ist vor dem Spiel. Mit Abstand zu den Aufführungen gab es letztes Jahr noch kleinere Feedbackrunden im engeren Theaterkreis, auch mit langjährigen Kollegen. Mit diesen Vergleichen und Inspirationen habe ich mich anschließend beinahe „neutralisiert“ an die Videoaufnahmen der Vorsaison gesetzt. So wurde mir klar, an welchen Stellen wir arbeiten müssen.

Reich werden nur die Fabrik-Besitzer. - Foto: Simon Tschannerl

Was waren und sind die größten Herausforderungen an der Inszenierung?

Edenhofer: Gefordert hat uns bereits die Übersetzung ins Bairische, da der Originaltext im schlesischen Dialekt verfasst ist. Beinahe alle Sätze mussten wir erst mal recherchieren. Das Stück selbst ist aber auch anspruchsvoll, denn es hat nur fünf Bilder. Es finden also nur wenige Ortswechsel statt und die einzelnen Bilder dauern ziemlich lang. Von den Spielern ist volle Konzentration und Disziplin gefordert, um auch über lange Textpassagen authentisch zu bleiben.

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Und wieso haben Sie und Dramaturgin Barbara Schöneberger sich dann genau dieses Stück ausgesucht?

Edenhofer: Nach sieben Spieljahren mit Sommernachtstraum, Weiberstreik und Asch’nmo war es Zeit, in ein neues Gewand zu schlüpfen. Das war auch der Wunsch der Spieler, die ein klassisches Drama zeigen wollten. Für die Spielsaison 2024/25 haben wir glücklicherweise ein so starkes Ensemble vorgefunden, dass es dem Anspruch der „Weber“ gerecht werden konnte. Diese womöglich einmalige Gelegenheit wollten wir nicht ungenutzt lassen und haben es noch keine Sekunde bereut.

Nach sieben Spieljahren mit dem Sommernachts- traum, dem Weiberstreik und dem Asch’nmo war es Zeit, in ein neues Gewand zu schlüpfen.“

Sascha Edenhofer

In Hauptmanns Sozialdrama geht es um den Aufstand der schlesischen Weber von 1844. Darin werden Themen wie Ausbeutung, Armut, Hunger und Klassenkampf verarbeitet. Welche Argumente haben Sie für all jene, die sagen: „Das ist mir zu schwere Kost, ich möchte lieber leichte Unterhaltung?“

Edenhofer: Das kann ich verstehen, „die Weber“ sind kein leichter Stoff. Doch ab und an tut es gut, innezuhalten und sich berühren zu lassen – selbst, wenn es unbequem ist. Leichte Kost unterhält, schwere bewegt. Und das Theater unserer Zeit braucht wieder mehr Gänsehaut. Dafür ist der Ludwigsberg als einer der romantischsten Spielorte im Landkreis genau richtig: Er spendet ohnehin stets Wärme, auch bei kalten Szenen.

Am Ende ist für die Weber nichts zu gewinnen ... - Foto: Simon Tschannerl

Was passiert bis zur Premiere noch, wie laufen die Proben ab?

Edenhofer: In den letzten Wochen haben wir bei den Spielern Vergessenes wieder vorgeholt. Dabei hilft mir Regieassistentin Tamara Eggersdorfer, die letztes Jahr alles haarklein mitgeschrieben hat. Falsche Routinen und Unsauberkeiten konnten wir so direkt ausbessern. Das ist im szenischen Arbeiten passiert. In den jetzt folgenden Gesamtdurchläufen sollen sich die Spieler vor allem Sicherheit holen, damit sie in gut einer Woche vor Publikum bestehen. Die Probe aufs Exempel wird auch heuer die Hauptprobe II sein, bei der wir wie letztes Jahr Besuch von Schülern aus der Region bekommen. Darauf freuen wir uns schon sehr.

Und was wünschen Sie sich heuer für die Weber und für die FSG?

Edenhofer: Von den Spielern wünsche ich mir die strahlende Spielfreude der Vorsaison gepaart mit der Demut, Werke wie diese an Orten wie dem Ludwigsberg aufführen zu dürfen. Der Festspielgemeinschaft wünsche ich so viele Besucher wie möglich und natürlich eine ordentliche Portion Wetterglück.

Aufführungs-Termine

■ „Die Weber” gibt es dieses Jahr an folgenden Terminen zu sehen: 26. Juli (Premiere), 29. Juli, 1., 2., 5., 8. und 9. August.

■ Tickets unter: www.waldfestspiele.de oder beim Kur- und Gästeservice Bad Kötzting.