Eine Wiesn im Regensburger Stadtpark? Naturschutz-Chef spricht von „Greenwashing in Reinform“

Von Heike Haala · 15. Juli 2025 um 19:00

Weil Veranstaltungen wie das Kinderbürgerfest oder die Nacht in Blau dem Stadtpark derart zusetzen, dass die Veranstalter die Flächen im Nachgang für bis zu 40.000 Euro reparieren und diese dafür etwa drei Monate für die Bevölkerung gesperrt werden müssen, will die Stadt Regensburg dort nun eine Festwiese errichten. Ob das so kommt, soll der Umweltausschuss am Mittwoch entscheiden.

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Die zentral gelegene Lichtung südwestlich der Ostdeutschen Galerie soll mit artenreichem Schotterrasen und einer Bewässerungsanlage ausgestattet werden, heißt es in der Vorlage. Das mache sie tragfähiger und belastbarer.

Zudem könnten Flächen entstehen, die durch Insektenreichtum als Nahrungsgrundlage für im Stadtpark heimischen Tierarten dienen, so die Hoffnung der Verwaltung. Weitere Vorteile seien kürzere Anfahrtswege für die Veranstaltungslogistik sowie eine Versorgungssäule für Strom und Wasser.

Dieser Trampelpfad soll verstetigt werden. - Foto: Haala

Stadt kalkuliert derzeit mit Kosten von 450.000 Euro

Eine Festwiese mit dem Erscheinungsbild der Theresienwiese in München sei hier aber nicht geplant, beteuert Juliane von Roenne-Styra, Pressesprecherin der Stadt. Vielmehr könnte das Ganze einmal so ähnlich aussehen wie im Bereich des nahe gelegenen Stadtparkbrunnens, ist in dem Papier zu lesen. Der Unterbau werde nicht zu sehen sein, erklärt von Roenne-Styra. Zudem bedeute die Maßnahme keine nennenswerten Änderungen für die Besucher.

Im Zuge der Maßnahme sollen auch zwei Trampelpfade verstetigt sowie der Brunnen H (Hoffnung) von Künstler Pino Poggi saniert werden. Die Stadt kalkuliert derzeit mit Kosten von 450.000 Euro.

Auf die Frage, wann die Baumaßnahme erfolgen soll, antwortet von Roenne-Styra ausweichend: „Die Planungsmittel sind ab 2028 im aktuell gültigen Investitionsplan 2024 bis 2028 hinterlegt.“ In der Vorlage werden diese auf 50.000 Euro beziffert.

Davon abgesehen seien die Sanierung des Parasol-Pavillons, eine Unisex-Toilette bei der geplanten Festwiese und die Umstellung auf insektenfreundliche Beleuchtung geplant.

Dieser Brunnen soll saniert werden. - Foto: Haala

Naturschutz-Chef: „Der Stadtpark ist kein Rummelplatz“

Es sei nicht beabsichtigt, die Anzahl der Veranstaltungen nach der Errichtung der Festwiese zu erhöhen, erklärt die Pressesprecherin weiter. Das aber nimmt ihr Raimund Schoberer, Vorsitzender in der Kreisgruppe des Bundes Naturschutz (BN), dessen Geschäftsstelle in unmittelbarer Nähe liegt, nicht ab.

„Wenn das erst einmal da ist, wird es auch mehr Events auf dieser, ja, Location geben“, wettert er. Die Vorlage bezeichnet er als „Greenwashing in Reinform“, die lediglich in grünem Gewand daherkomme. „Der Stadtpark ist kein Rummelplatz. Damit schlachtet man den Erholungsort“, warnt er.

Müll, Licht, Sanitär, Auf- und Abbauarbeiten auf einer von Biotopen umgebenen Fläche in einem zentralen Erholungsraum für die Menschen in Regensburg – das nennt der BN-Chef ein Armutszeugnis für die Stadt. Der Park sei im Verhältnis zur Größe Regensburgs ohnehin schon zu klein, seine Belastungsgrenze erreicht. „Ihn aber dann noch als Eventplatz zu missbrauchen, das ist unsagbar“, schimpft Schoberer. Man könne doch den Dultplatz für derlei Veranstaltungen aufwerten, schlägt er stattdessen vor.

Das ist von Insektenreichtum die Rede. Ist das ironisch gemeint? Wollen sie diese Tiere dann wegsperren, wenn ein Event ist? Das ist ein Witz!

Raimund Schoberer, Vorsitzender in der Kreisgruppe des Bundes Naturschutz

Besonders ärgert den BN-Chef die Stelle in der Vorlage, an der von Insektenreichtum als Nahrungsgrundlage für die Tiere im Park die Rede ist, der durch die artenreichen Rasenflächen der Festwiese entstehen könnte. „Ist das ironisch gemeint? Wollen sie diese Tiere dann wegsperren, wenn ein Event ist? Das ist ein Witz!", macht Schoberer seinem Ärger Luft.

Zudem frage er sich, warum der Naturschutzbeirat im Vorfeld einer derart wichtigen Entscheidung nicht mit dem Thema befasst worden sei. „Dieses Gremium muss die Stadträte bei ihrer Entscheidung doch beraten“, fordert er.

Nicht alle sehen die Pläne der Stadt so skeptisch

Nicht alle sehen die Pläne der Stadt so skeptisch. Gabriela Kašková, Pressesprecherin am nahe gelegenen Kunstforum Ostdeutsche Galerie (KOG), spricht von einer Aufwertung mit Vorteilen für die Besucher des Hauses. Sie sagt, dass der Stadtpark für das Museum nicht lediglich als unmittelbare attraktive Umgebung wichtig sei, sondern auch als Ort, an dem einige Skulpturen aus der Sammlung zur Begegnung mit Kunst einladen.

„Deshalb begrüßen wir alle Maßnahmen, die zu einer nachhaltigen Nutzung in diesem Sinne und im Einklang mit der Klimafolgenanpassung beitragen“, erklärt sie. Während der Rewag-Nächte im Stadtpark erreiche das KOG zudem Zielgruppen außerhalb des üblichen Spektrums.

Auch könne eine Fläche in der unmittelbaren Umgebung, die nachhaltig gut für Veranstaltungen genutzt werden kann, im Einzelfall durchaus eine gute Option bei Veranstaltungen des KOG sein. Lediglich die Zeiten der Umgestaltung könnten ihrer Einschätzung nach zeitweise Beeinträchtigungen für die Nutzung des Parkes mit sich bringen.