Regensburg plant Brücken für Eichhörnchen: Sie sollen die Nager vor dem Tod auf Straßen schützen

Von Heike Haala · 6. Februar 2025 um 15:00

Sallerner Regenbrücke, Westtrasse, Holzgartensteg – Pläne für eine neue Brücke sind in Regensburg schwer umzusetzen oder sogar zum Scheitern verurteilt. Nun steht das Gartenamt offenbar aber kurz davor, gleich zwei davon auf einmal zu errichten.

Diese beiden Brücken sind nicht für Autofahrer, Radler oder Fußgänger gedacht, sondern sollen Baummardern, Haselmäusen oder vor allem Eichhörnchen vorbehalten bleiben. Dabei handelt es sich um Seile, die im Wipfelbereich der Bäume über Straßen gespannt werden, damit die Nager darüber balancieren können und nicht Gefahr laufen, auf der Straße überfahren zu werden.

Die Leichtbauweise dieses Brücken-Projekts führt auch zu zwei bemerkenswerten Eckdaten. Von der ersten öffentlichkeitswirksamen Präsentation der Idee in Form einer Pressemitteilung des Bundes Naturschutz bis zur fortgeschrittenen Überprüfung dieser Pläne vergingen gerade einmal zweieinhalb Wochen. Die Kosten pro Brücke könnten laut Raimund Schoberer, Vorsitzender der Kreisgruppe Regensburg im Bund Naturschutz (BN), zudem bei nicht mehr als wenigen Hundert Euro liegen.

13 tote Tiere gemeldet

Dazu kam es, weil der BN vor kurzem in jener Pressemitteilung über das Bürgerforscher-Projekt „Eichhörnchen in Bayern“ berichtete. Demnach haben Smartphone-Besitzer seit dem Start im Jahr 2020 in Regensburg über 1429 Eichhörnchen in einer App dokumentierten. Um den Schutz der Eichhörnchen weiter zu verbessern, können seit Anfang 2024 auch tote Eichhörnchen über diese App gemeldet werden. In Regensburg seien in dieser Zeit laut Angela Nunn vom BN 13 tote Tiere an 13 verschiedenen Orten im gesamten Stadtgebiet gemeldet worden – allesamt entlang von Straßen. Auch BN-Chef Schoberer sagt, schon beobachtet zu haben, wie ein Eichhörnchen fast vor dem Sitz der Kreisgruppe in der Dr.-Johann-Maier-Straße überfahren wurde.

Das Problem: „Die Straßen zerschneiden – wie auch bei Rehen, Igeln oder Kröten – den Lebensraum der Eichhörnchen.“ Das führe dazu, dass die Nager überfahren werden. Er geht davon aus, dass weit mehr als die 13 gemeldeten Tiere den Tod im Straßenverkehr fanden: „Denn für so eine Meldung in der App, braucht es nicht nur jemanden, der sie installiert hat. Derjenige muss ein totes Tier auch dokumentieren.“ 13 gemeldete Tiere seien da durchaus viel. Die App werde deswegen weiter betrieben. Zudem ist Schoberer davon überzeugt, dass sich weitere verletzte Tiere noch über die Straße schleppten, bevor sie unbemerkt verendeten.

Eine mögliche Lösung sieht er in den geplanten Eichhörnchenbrücken. Auch Nunn sagt: „Dies unterstreicht die Dringlichkeit, Lebensräume zu vernetzen und sichere Wanderkorridore für die Tiere zu schaffen.“ Als Pilot-Projekt hat der BN laut der Pressemitteilung bereits eine solche Seilbrücke in Zirndorf installiert, um die Tiere sicher über die Straße zu lotsen und die Zahl der Unfälle zu reduzieren.

Zwei Stellen im Gespräch

Auch in Regensburg traf der BN-Vorschlag nun auf offene Ohren. „Selbstverständlich unterstützen wir als Gartenamt Projekte dieser Art“, sagt dessen Leiter Michael Daschner. Er bestätigt, dass derzeit in Rück- und Absprache mit dem BN Eichhörnchenbrücken überprüft werden. Zudem sei Daschner bereits mit den Kollegen in Zirndorf im Austausch, um die technische Umsetzung zu klären. Konkret gehe es um zwei Seile. Das eine könnte von der Prebrunnalle über die Dr.-Johann-Maier-Straße in den Stadtpark gespannt werden, das andere von der Fürst-Anselm-Allee über die Kumpfmühler Straße in den gegenüberliegenden Teil des Grüngürtels.

Schoberer ist es wichtig, dass die Brücken günstig sind und an den richtigen Stellen aufgespannt werden. Die Orte, die momentan im Gespräch sind, eignen sich in seinen Augen gut, weil sie die Teile des Grüngürtels für die Eichhörnchen miteinander verbinden.

Und er betont: „Es geht nicht, diese Seile einfach so über dem öffentlichen Raum und über Straßen aufzuspannen.“ Zum Beispiel müsse man sicher sein, dass die Äste, an denen die Seile festgezurrt sind, diese auch tragen und sie sich nicht lösen, wenn der Wind hineinfährt. „Deswegen muss das fachlich begleitet werden“, erklärt der BN-Chef.

Nix für schwache Nerven: So sieht eine Eichhörnchenbrücke von unten aus. Foto: Birgit Reichert/dpa
Raimund Schoberer, Chef beim Bund Naturschutz in Regensburg, steht an einer möglichen Stelle für eine Eichhörnchenbrücke in der Dr.-Johann-Maier-Straße. Foto: Haala