Sechs BMW für 725.000 Euro in Kelheim geklaut – Ermittler jagen Bande hinterher

Auf sechs teure BMW im Gesamtwert von 725.000 Euro hatten sie es abgesehen. Mehrere Täter schlugen in der Nacht auf den 5. Januar 2025 am Auto-Terminal von BLG Logistics in Kelheim zu. Die Polizei Kelheim durchkreuzte allerdings ihren Plan, drei Beteiligte aus Polen landeten in Haft. Jetzt steht die Anklage gegen sie. Die Ermittlungen sind aber längst nicht abgeschlossen.
Sechs hochpreisige Pkw (drei X 3, ein X4, ein M4 und ein X5 M 60 i) hatten die Täter im Blick. Ziel ihrer offenkundig gut ausgeklügelten Diebestour war das Gelände der Firma BLG Logistics in Kelheim, auf dem über 33.000 Fahrzeuge untergebracht werden können, im Freien und in Parkregalen. Den Zaun an der Einbruchsstelle „zwickten sie mit einem Bolzenschneider auf“, erklärt Oberstaatsanwalt Thomas Rauscher von der Staatsanwaltschaft Regensburg auf Basis der erhobenen Anklage.
Das Starten der Autos stellte die Täter ebenso wenig vor Probleme. Die Diebe parkten die sechs BMW nahe des Terminals, mutmaßlich um sie nach Polen zu bringen. Dies war schon kurz nach der Tat die Erkenntnis der Ermittler. Zeit- und ortsnah hatten sie zuvor Kennzeichen geklaut. Mit ihnen wurden die gestohlenen Fahrzeuge versehen.
Flucht endet im Graben
Dass der Plan nicht aufging, lag an einer Verkehrskontrolle der Polizei Kelheim. Sie wollte in der Tatnacht auf Sonntag, 5. Januar 2025, kurz nach 3 Uhr einen BMW M4 mit Kelheimer Kennzeichen anhalten. Doch der Fahrer flüchtete. Am Ortsausgang von Saal a. d. Donau Richtung Abensberg kam er von der Fahrbahn ab und rannte zu Fuß weiter. Die Polizeibeamten stellten fest, dass das verwendete Kelheimer Kennzeichen nicht für den BMW M4 ausgegeben war.
Im Zuge der Fahndung nach dem Fahrer stießen die Einsatzkräfte in der Nähe des BLG-Geländes auf vier weitere hochwertige BMW. Ein fünftes Fahrzeug – der X4 – war bereits verschwunden, dem Tatvorhaben folgend wurde er ins Ausland gebracht. „Der BMW X4 wurde zuletzt in Polen geortet, konnte aber nicht aufgefunden werden“, sagt Rauscher.
Der Tatvorwurf lautet auf schweren Bandendiebstahl in Tateinheit mit Sachbeschädigung.
Thomas Rauscher, Oberstaatsanwalt
Für drei Tatverdächtige endete der Raubzug noch am selben Tag in Handschellen. In einer konzertierten Aktion mehrerer Kriminal- und Grenzpolizeidienststellen wurden drei mutmaßlich Beteiligte (40, 44 und 48 Jahre) gegen 11 Uhr festgenommen. „Die drei Angeschuldigten sind jeweils polnische Staatsangehörige und befinden sich seither in Untersuchungshaft“, erklärt der Oberstaatsanwalt auf Anfrage der Mediengruppe Bayern. Untergebracht sind sie in unterschiedlichen Justizvollzugsanstalten in Bayern, um Absprachen zu verhindern.
Nach mehreren Monaten Ermittlungsarbeit wurde Anklage gegen die drei Männer erhoben. „Der Tatvorwurf lautet auf schweren Bandendiebstahl in Tateinheit mit Sachbeschädigung“, so Rauscher. Der Strafrahmen für schweren Bandendiebstahl liegt bei einem bis zehn Jahre Haft.
Anhängig ist das Verfahren am Amtsgericht Regensburg (Schöffengericht), ein Termin zur Hauptverhandlung allerdings noch nicht bekannt. „Wir versuchen in Haftsachen stets die Anklage so zu erheben, dass das Gericht noch vor Ablauf der Sechs-Monats-Frist die Hauptverhandlung eröffnen kann“, ergänzt der Leiter der Anklagebehörde in Regensburg.
Einmalige Diebestour
Ursprünglich hatten Polizei und Kripo den Wert der sechs Autos auf eine halbe Million Euro taxiert. Die Staatsanwaltschaft spricht jetzt von 725.000 Euro – also fast einer Dreiviertel Million. Ähnlich große Diebeszüge sind laut Polizeipräsidium Niederbayern in der Region nicht bekannt.
Der Verdacht auf das Vorgehen einer organisierten Bande liegt nahe. Allein die sechs BMW hätten sechs Fahrer bedurft, um sie nach Polen zu bringen. Rauscher verweist denn auch auf laufende „Ermittlungen zu mehreren weiteren mutmaßlichen Bandenmitgliedern“. Wie die Ermittler auf sie kamen – durch Aussagen der Inhaftierten oder andere Ansätze –, verrät der Oberstaatsanwalt nicht. „Weitere Informationen können aus ermittlungstaktischen Gründen nicht preisgegeben werden.“