Sechs BMW in Kelheim geklaut: Diebe schlagen nach ausgeklügeltem Tatplan zu

Sie hatten es auf teure Autos abgesehen: Sechs hochwertige BMW im Gesamtwert von einer halben Million Euro stahlen mehrere Täter vom Betriebsgelände eines Pkw-Terminals in Kelheim. Die Ermittlungen offenbaren das ausgeklügelte Vorgehen der Täter.
Ziel der groß angelegten Diebestour, die sich in der Nacht auf Sonntag, 5. Januar 2025, ereignete, war das Auto-Terminal von BLG Logistics in Kelheim. Das bestätigte das Unternehmen auf Anfrage der Mediengruppe Bayern. Auf dem weit verzweigten Gelände können nach Firmenangaben 33.000 Fahrzeuge gelagert werden, im Freien und in Parkregalen. Sie kommen per Schiff, Bahn und Lkw aus süddeutschen Automobilwerken, aus Ungarn, der Slowakei und Tschechien und werden in Kelheim umgeschlagen.
Auf sechs hochpreisige Autos (alle BMW: drei X 3, ein X4, ein M4 und ein X5 M 60 i) waren die Täter aus. Laut Ermittlerkreisen ist davon auszugehen, dass die Diebe das Gelände in den Tagen zuvor ausspioniert hatten. Gewaltsam verschafften sie sich Zutritt zum Areal, das von einem Zaun umgeben ist. Auch das Starten der Autos stellte sie nicht vor Probleme. „Die Täter gehen in der Regel sehr professionell vor“, sagt Pressesprecher Günther Tomaschko vom Polizeipräsidium Niederbayern.
Kripo vermutet: Die Pkw sollten nach Polen
Die Diebe stellten die Autos nahe des Terminals bereit, mutmaßlich um sie nach Polen zu bringen. „Zumindest der Herkunft der festgenommenen Tatverdächtigen nach besteht dieser Verdacht“, so Tomaschko. Wie berichtet wurden drei Männer (40, 43 und 48 Jahre) polnischer Staatsangehörigkeit am Tattag gegen 11 Uhr im Bereich Nabburg verhaftet. Sie sitzen in U-Haft – in verschiedenen bayerischen Justizvollzugsanstalten, um Absprachen zu verhindern.
Zur Tatvorbereitung zählte auch, dass zeit- und ortsnah Kennzeichen geklaut wurden. Mit ihnen wurden die gestohlenen Fahrzeuge versehen. Dass der Plan nicht aufging, lag an einer Verkehrskontrolle der Polizei Kelheim. Sie wollte am Sonntag kurz nach 3 Uhr einen BMW M4 mit Kelheimer Kennzeichen anhalten. Doch der Fahrer flüchtete. Am Ortsausgang von Saal a. d. Donau Richtung Abensberg kam er von der Fahrbahn ab und flüchtete zu Fuß weiter.
Ob er sich unter den verhafteten Tatverdächtigen befindet, wird erst „das Ergebnis der spurentechnischen Untersuchung“ klären, sagt Tomaschko. Jedenfalls stellten die Polizeibeamten fest, dass das verwendete Kennzeichen nicht für den BMW M4 ausgegeben war.
Einer der sechs Oberklassewagen ist weg
Im Zuge der Fahndung nach dem Fahrer stießen die Einsatzkräfte in der Nähe des BLG-Betriebsgeländes in Kelheim, auf dem Neufahrzeuge abgestellt sind, auf vier weitere hochwertige BMW. Ein fünftes Fahrzeug – der X4 – „dürfte sich mittlerweile in Polen befinden“, erklärt der Präsidiumssprecher. Bei diesem Auto im Wert von rund 60.000 Euro ging der Tatplan auf. Insgesamt spricht die Polizei von einem Wert der Pkw von 500.000 Euro.
Wie es zum Zugriff auf die drei Inhaftierten nahe Nabburg kam, will Tomaschko nicht näher ausführen. „Hierzu können wir aus ermittlungstaktischen Gründen keine Aussagen machen. Allerdings kann von einer sehr guten überregionalen Zusammenarbeit verschiedenster Kriminal- und Grenzpolizeidienststellen gesprochen werden.“
BLG Logistics verweist auf „Verschwiegenheitserklärung“
Die Firma BLG Logistics will zu den Diebstählen auf ihrem Gelände und zu Sicherheitsvorkehrungen gegen Einbrüche „auch in Abstimmung mit der Polizei“ nichts sagen. „Außerdem gibt es Verschwiegenheitserklärungen mit den Kunden“, erklärt ein Sprecher.
Beim Kommissariat für Eigentumsdelikte der Kripo Landshut laufen die weiteren Ermittlungen. Nach bisherigen Erkenntnissen „ist von weiteren Mittätern auszugehen“. Allein die Zahl der gestohlenen Fahrzeuge legt das nahe: Sechs Autos benötigen sechs Fahrer, um sie ins Ausland zu schaffen.
Ein ähnlicher Diebstahl von Motorrädern
Eine ähnlich spektakuläre Diebestour fällt Tomaschko nur im Raum Landshut ein. Dort wurden mehrere nagelneue Motorräder konzertiert gestohlen. Die Täter sind bis heute nicht gefasst.
