Martin Meier will Neumarkter Landrat werden: Mit welchen Aussagen wirbt er um Stimmen?

Von Wolfgang Endlein · 11. Juli 2025 um 12:47

„Der Wahlkampf beginnt jetzt“, kündigte Kreisvorsitzender Bernd Mayr am Donnerstag bei der Nominierungsveranstaltung der Freien Wähler für die Neumarkter Landratswahl an. Die UPW/FW hatte einige Mühe in die Veranstaltung gesteckt, deren Choreografie die passenden Bilder für den Start Martin Meiers als Landratskandidat produzieren sollte. Der 46-Jährige lieferte dazu eine Rede, die nicht nur die politischen Themen seines Wahlkampfes ansprach, sondern auch die Emotionen der Zuhörer.

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Die Luft stand im großen Saal des Johanneszentrums in Neumarkt, in den die Freien Wähler für die Nominierungsveranstaltung geladen hatten. Offenbar so nachdrücklich, dass deutlich mehr Menschen kamen als die 33 stimmberechtigten Mitglieder und die Veranstaltung deshalb eine halbe Stunde verzögert begann. Aus Sicht von Mayr unterstrich der Zuspruch die „deutliche Unterstützung“ für Meier im Landkreis.

Geschlossenheit als Schlüssel für eine erfolgreiche Wahl war das Mantra des Abends. Blaue T-Shirts des „Teams Martin Meier“ und eine Miniatur-Lok für den Kandidaten und Lokführer Meier versinnbildlichten das zusätzlich. „Jetzt stellen wir den Zug aufs Gleis und steigen gemeinsam ein in eine gute Zukunft“, sprach der Lokführer zum Ende seiner Rede.

Die Zuhörer im Saal bewerteten diese mit stehenden Ovationen. Noch so ein Bild, das den Machern der Freien Wähler bestens in den Plan für den Wahlkampfstart passte. Meier hatte das Seine dazu getan mit einer schwungvollen Rede, die Inhalte liefern wollte, aber auch ein Gefühl des Aufbruchs.

Landratskandidat: Klinikum Neumarkt muss wieder attraktiver Arbeitgeber werden

„Weniger Probleme sehen, sondern Chancen“, das sei sein Credo, sagte Meier, für den es ein „bisschen mehr“ in vielerlei Hinsicht im Landratsamt geben dürfte. Ein bisschen mehr Mut, Charme, Transparenz und herzliches Miteinander.

Das Herz mit dem Kopf zusammenzubringen, das hat sich Meier beim Klinikum vorgenommen. Es gelte die Balance zwischen Wirtschaftlichkeit und menschlicher Wertschätzung zu finden. Meier spielte damit auf die seit Jahren nicht abreißenden Berichte über eine schlechte Atmosphäre im Landkreis eigenen Krankenhaus an.

Die Situation sei komplex, sagte Meier angesichts der Krankenhausreform und des steigenden Kostendrucks. Viele Entscheidungen in der Vergangenheit seien notwendig und richtig gewesen. Es brauche auch künftig eine Strategie, um die wichtigste Einrichtung des Landkreises zu sichern. Aber man müsse den Mitarbeitern die nötigen Maßnahmen besser erklären. Diese müssten sich wieder mit dem Klinikum identifizieren können und Freude an der Arbeit haben. Denn die Mitarbeiter seien die stärkste Tragkraft.

Welche Parteien stellen einen Kandidaten für die Landratswahl?

• SPD: Die Genossen werden im kommenden Jahr bei der Landratswahl einen Kandidaten stellen. Das bestätigt die Kreisvorsitzende Tanja Fiederer. Aktuell kläre die Partei aber noch, wer im Oktober nominiert werden soll.

• FDP und ÖDP: Die FDP im Kreis überlegt noch, ob sie einen der ihren ins Rennen schicken soll. In den kommenden Wochen kläre sich das, sagt Kreischef Sascha Renner. Auch die ÖDP hat sich laut Kreisvorsitzendem Ludwig Härteis noch nicht endgültig entschieden, ob sie einen Kandidaten ins Rennen schickt.

• CSU und Grüne: Bereits vor den Freien Wählern haben die Christsozialen und Bündnis 90/Grüne eine Kandidatin (Katharina Ziegler) beziehungsweise einen Kandidaten (Stefan Haas) gewählt.

• AfD und Die Linke: Von den anderen Parteien, die im Kreistag vertreten sind, liegen unserer Redaktion bislang keine Informationen vor.

Veränderungsbedarf sieht Meier auch im Landratsamt. „Wo immer es geht, muss Verwaltung einfach sein. Punkt“, sagte der stellvertretende Landrat und Fraktionschef im Neumarkter Stadtrat. Er sei ein Verfechter des Rechtsstaats, betonte Meier, der Polizist ist. „Aber es braucht ab und an mehr Pragmatismus.“ Er will das Landratsamt zu einem Dienstleistungszentrum für die Menschen und Kommunen im Landkreis entwickeln. Sein Dogma sei: „Wir wollen Gesetze für die Menschen auslegen und nicht gegen sie.“

Landkreis Neumarkt steht vor finanziellen Herausforderungen

Ohne Digitalisierung sei ein Landratsamt als leistungsfähiges Dienstleistungszentrum nicht möglich. „Das wird Ihnen jeder Kandidat sagen“, ist sich Meier bewusst, dass er diese Forderung im Wahlkampf nicht alleine hat. Trotz negativer Seiten der Digitalisierung biete der Einsatz von Künstlicher Intelligenz etc. sehr große Chancen. „Wir können uns diesem Wellenschlag nicht entziehen, niemand kann das“, sagte der UPW/FW-Kandidat.

Die Digitalisierung wird den Landkreis Geld kosten. Wie so manches andere. „Große Aufgaben liegen vor uns“, erklärte Meier. Allen voran der auf 115 Millionen Euro geschätzte Neubau des Berufsschulzentrums. Weil das mit einer angespannteren Finanzlage bei Gemeinden und damit auch beim Landkreis einhergeht, betonte Meier: „Ich bin ein Verfechter einer stringenten Ausgabedisziplin.“

Derlei Herausforderungen will Meier mit Enthusiasmus angehen, Selbstvertrauen und einer Prise Humor sowie dem Wissen, dass auch andere (Parteien) gute Ideen haben können. Im Landkreis gebe es viele kluge Köpfe, die zur Lösung der Aufgaben beitragen könnten, sagte Meier. Davon profitiere jener, der die Richtung vorgeben müsse: der Landrat.

Man könnte auch sagen: Jener, der den Hut auf hat. Das dazu passende Bild fehlte an diesem Abend ebenfalls nicht. Martin Meier posierte für die Kameras mit einer Cappy, auf der zwei große M zu sehen waren. MM stehe nicht nur für Martin Meier, sondern auch für Maloche, markant, Methodik, Management, Manieren und Moderne. So viele M passten dann aber doch nicht auf die Cappy.