Wahlkampf hat begonnen: Wie Neumarkter Politiker Instagram und Facebook für sich nutzen

Etwas mehr als 65 Millionen Menschen in Deutschland nutzen Social Media-Plattformen wie Instagram, Facebook, WhatsApp etc. Da liegt es nahe, dass Kommunalpolitiker sich Social Media bedienen, um den Bürgern nah zu kommen. Lange war das im Landkreis Neumarkt nicht sehr ausgeprägt, doch in den vergangenen Wochen deutet sich ein Wandel an.
Kaum ein Fest oder eine größere Veranstaltung, wo Katharina Ziegler aktuell nicht zu sein scheint. Die Landratskandidatin der CSU ist seit Wochen viel unterwegs – und zeigt das auf Instagram und Facebook. Zur Bundestagswahl habe sie ihre Accounts ins Leben gerufen, sagt die 39-Jährige, die ihre ersten Schritte in der Politik als Listenkandidatin machte. Inzwischen hat sie auf beiden Plattformen jeweils rund 1000 Follower.
Ziegler ist nicht die einzige Politikerin, die in den vergangenen Wochen verstärkt in den sozialen Medien aktiv ist. Der sehr wahrscheinliche Landratskandidat der Grünen, Stefan Haas, postet inzwischen regelmäßig. Die UPW in Neumarkt hat jüngst eine Video-Kampagne mit ihren Ideen für die Stadt gestartet.
OB-Wahl in Neumarkt: Ochsenkühn nutzte Videos auf Instagram und Facebook
Weitere Politiker und Parteien werden folgen, denn die Kommunalwahlen 2026 sind weniger als ein Jahr entfernt. Die Vorzeichen legen es nahe, dass sie die ersten Kommunalwahlen im Landkreis sein könnten, bei denen Social Media eine größere Rolle spielt. Zuvor war das lediglich ansatzweise bei der OB-Wahl in Neumarkt zu beobachten gewesen. Damals hatten junge Unterstützer im Team von Markus Ochsenkühn (CSU) diesen ab und an Social Media gerecht ins Bild gesetzt.
„Mittlerweile ist Social Media bei Wahlen mit entscheidend“, ist Ziegler überzeugt. Gerade bei einer Wahl wie der des Landrats, in der es vor allem um die Persönlichkeit des Kandidaten oder der Kandidatin gehe. „Ich kann damit mehr Menschen erreichen als mit klassischen Wahlkampfveranstaltungen und gerade als Partei, die nicht auf jedem Fest dabei ist“, sagt Haas. Wenn man jüngere Zielgruppen erreichen wolle, komme man nicht um Social Media herum, betont Sebastian Schauer von der UPW.
Entscheiden Instagram, Facebook und TikTok Wahlen?
• Einfluss auf Wahlen: Den Einfluss, den Social Media auf den Ausgang von Wahlen hat, schätzt die Kommunikationswissenschaftlerin Anna Sophie Kümpel von der Ludwig-Maximilian Universität in München so ein: „Social Media prägen den Wahlkampf, aber nicht den Wahlausgang.“
• Meinungsbildungsprozess: Im Interview auf der Homepage der Hochschule erklärt die Professorin warum das ihrer Meinung nach so ist: Der politische Meinungsbildungsprozess sei ein längerfristiger und werde von verschiedenen Faktoren beeinflusst. Beispielsweise der eigenen Herkunft, persönlichen Erfahrungen oder dem sozialen Umfeld. Medien spielten auch eine Rolle. All das zusammen addiere sich über längere Zeit auf und resultiere in einer Meinung sowie Wahlentscheidung. Zugleich bedeute eine große Zahl an Followern nicht automatisch viele Stimmen. Follower seien ein Hinweis auf die Sichtbarkeit von Inhalten auf den Plattformen. Aber ein Follower sei nicht gleichzusetzen mit einem Unterstützer.
• „TikTok-isierung“: Insgesamt nehme die Bedeutung von Social Media dennoch zu, insbesondere weil es für viele junge Menschen die Hauptnachrichtenquelle sei. Eine „TikTok-isierung“ der Politik fürchtet Kümpel trotz aller Zwänge durch die Algorithmen der Plattformen nicht. Im Gegenteil: Der Druck, komplexe Themen in einfacher und prägnanter Art darzustellen, könne auch eine Chance sein – solange nicht gleichzeitig übermäßig emotionalisiert und polarisiert werde.
Kaum einer hat diese Erkenntnis im Landkreis in den vergangenen Jahren so konsequent in die Tat umgesetzt wie Christian Schmid. 2800 Follower auf Instagram und 4115 auf Facebook hat der Bürgermeister des 5500 Einwohner großen Velburg inzwischen. Damit ist er unter den Kommunalpolitikern im Landkreis einsame Spitze.
Dunkle Seite von Social Media: Velburgs Bürgermeister erhielt Drohungen
Mit Social Media hat der ehrenamtlich vielseitig engagierte Velburger schon vor seiner Wahl zum Rathauschef begonnen, um beispielsweise für die Feuerwehr zu werben. „Da habe ich gemerkt: ,Wow, das macht Spaß’ und man erreicht die Leute“, sagt Schmid, der nach eigener Aussage inzwischen mit manchen Posts 60 000 bis 80 000 Aufrufe erreicht.
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Im späteren Wahlkampf sei die Vorarbeit sicher nicht von Nachteil gewesen, sagt Schmid. So bekamen die Follower mit, dass Albert Füracker ihnen in einem Video den Velburger Parteikollegen ans Herz legte. Regelmäßig berichtete Schmid in Posts über Wahlkampfveranstaltungen. Wie zumeist in einer betont positiven Grundstimmung. „Good Vibes“ zu verbreiten, wie Schmid sagt, und zu zeigen, „was wir machen“, sei sein Hauptziel mit den Beiträgen. Mit dem Slogan „Schmideinander“ als Hashtag und Schlagwort in den Posts unterstreicht er das.
Nicht jeder teilt diese Haltung, wie der CSU-Bürgermeister erfahren muss. „Unschöne Nachrichten gehören auch dazu“, sagt Schmid, sieht für sich aber generell mehr Chancen als Risiken.
Agenturen bieten Kommunalpolitikern Hilfe bei Social Media an
Um die Chancen zu nutzen, braucht es seiner Ansicht nach nicht unbedingt Hochglanz-Bilder. Authentizität und Konstanz seien wichtiger, sagt Schmid, der nahezu täglich etwas von sich zeigt. Er strebe einen Mix aus Unterhaltung und Information an, sagt Schmid und folgt damit allgemeinen Empfehlungen.
Solche bieten immer häufiger Agenturen an, die im Vorfeld der Wahl ihre professionelle Hilfe anpreisen. „Mich haben schon welche angefragt“, sagt Stefan Haas, der aber weiter alles selbst machen will – aus Kostengründen, aber auch, um Authentizität zu zeigen. Er setzt schon jetzt stärker auf konkrete politische Statements als andere Kommunalpolitiker aus dem Landkreis in ihren Social-Media-Kanälen.
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Auch Katharina Ziegler macht nach eigener Aussage noch alles selbst. Ihre Beiträge sind zunehmend aufwendiger gemacht. Sie will das noch weiter ausbauen, auch mit Hilfe von jungen Parteimitgliedern. Noch zeigen die Posts vor allem, auf welchen Veranstaltungen sie war. Je näher der Wahlkampf rücke, desto mehr wolle sie aber auch ins Programmatische gehen, sagt Ziegler und nennt dabei die größte Herausforderung: „Die eigentliche Kunst ist es seriös zu bleiben und zugleich unterhaltsam zu sein.“