Stefan Haas nominiert: Das will der Grünen-Kandidat als Landrat in Neumarkt angehen

Von Wolfgang Endlein · 9. Juli 2025 um 11:00

„Eine Politik, die klug haushaltet, aber nicht an der Zukunft spart. Eine Politik, die digital denkt, sozial handelt – und menschlich bleibt“, so fasst Stefan Haas zusammen, womit er die Wähler 2026 bei der Landratswahl überzeugen will. Was das ins Konkrete übersetzt für den Landkreis Neumarkt bedeutet, erklärte der 42-Jährige aus Berg am Dienstag. In Neumarkt wählten ihn die Grünen zu ihrem Kandidaten.

26 von 26 Stimmen: Einstimmig fiel das Votum der ins Johanneszentrum gekommenen Mitglieder aus. Haas bedankte sich für das Vertrauen an einem Tag, den er als einen besonderen für sich bezeichnete. Haas sitzt seit 2020 als erster Grüner überhaupt im Berger Gemeinderat, zog auch in den Kreistag ein und kandidierte 2023 auf der Liste für den Bundestag. Die Landratswahl rückt den Grünen-Kreissprecher nun stärker als je zuvor in den Blickpunkt einer größeren Öffentlichkeit.

Er gehe die Aufgabe mit Respekt an, aber auch mit dem festen Willen, Verantwortung zu übernehmen. „Weil ich überzeugt bin: Unsere Region braucht eine Politik, die gestaltet, nicht nur verwaltet“, erklärte Haas, der es nach heutigem Ermessen aber schwer haben dürfte, mit den Grünen am Platzhirsch CSU und den Freien Wählern vorbeizuziehen. Für die Christsozialen tritt Katharina Ziegler an, die Freien Wähler bestimmen ihren Kandidaten am Donnerstag.

Grünen-Kandidat für Landratwahl in Neumarkt bringt Erfahrung als Informatiker mit

Der 42-jährige Haas geht seine Aufgabe mit der Einstellung des ehrgeizigen Sportlers an. „Man tritt nicht an, um Zweiter zu werden.“ Er wolle dafür seine Erfahrung als Familienvater, Kommunalpolitiker und Informatiker einbringen. Gerade wegen seines Berufs wisse er, wo die Schrauben bei der Digitalisierung sitzen. Sie werde eines seiner zentralen Themen im Wahlkampf sein.

Digitalisierung sei für ihn nicht nur ein Schlagwort, sondern ein Werkzeug für echte Veränderung. „Menschen entlasten, Verwaltung vereinfachen, Daseinsvorsorge sichern“, erklärte der Grünen-Kandidat. Investitionen in diesem Bereich lohnten sich langfristig, weil sie Luft für Investitionen in anderen Bereichen wie Bildung, Gesundheit und Teilhabe ermöglichten.

„Warum muss ich als Bürger noch immer mit Papieranträgen kämpfen, wenn mein Smartphone längst meine Bank und mein Kalender ist? Warum sind viele Ämter digital nicht erreichbar – und wenn doch, nur mit Passwortchaos und Hürden?“, fragte Haas und führte als Beispiel an, eine Mülltonne zu beantragen. Vom Bauamt bis hin zur Schulverwaltung müsse Digitalisierung eine konkrete Hilfe für alle sein.

Das wird Geld kosten. Doch das wird auch im Landkreis knapper. Zugleich steigen die Anforderungen an den Landkreis. „Der Spagat zwischen Pflicht und Kür wird größer“, brachte es der 42-Jährige auf den Punkt. Seine Antwort darauf: Es gelte jetzt Weichen richtig zu stellen – und nicht reflexartig bei Kultur, Jugend oder im sozialen Bereich zu kürzen. Haas: „Der Rotstift darf nicht zuerst dort ansetzen, wo Menschlichkeit, Zusammenhalt und Gemeinsinn gepflegt werden.“ Das Ehrenamt, die Kultur und soziale Angebote seien der Boden für eine liberale Gesellschaft.

Haas: Klinikum Neumarkt darf nicht nur als Kostenfaktor gesehen werden

Vor dem Hintergrund des Kostendrucks im Landkreis eigenen Klinikum und den damit verbundenen Querelen der vergangenen Jahre sagte Haas: „Manche Bereiche dürfen und müssen Geld kosten.“ Das Krankenhaus müsse wieder ein Ort sein, an dem Menschen gerne arbeiteten. Es müsse ein Ort sein, der nicht nur als Kostenfaktor gesehen werde, sondern als einer, an dem Zeit für Pflege bleibe und Menschen stolz auf ihren Beruf sein könnten. „Gesundheit ist keine Ware – sie ist ein Recht“, sagte Haas.

Sparzwänge dürfen aus Sicht von Haas auch bei den Schulen nicht gelten. „Wir dürfen hier nicht in einen Verschleiß-Modus verfallen, sondern müssen dranbleiben: bei Digitalisierung, bei Inklusion, bei Ausstattung.“

Haas nutzte seine Rede, um den Mitbewerbern bei der Wahl einen fairen Wahlkampf zu versprechen. „Ich werde niemandem auf den Schlips treten“, sagte Haas, um zugleich einen Seitenhieb auszuteilen, ohne Katharina Ziegler konkret zu nennen. „Ein Fest ist in erster Linie ein Ort der Gemeinschaft – nicht der politischen Inszenierung“, sagte Haas wohl auf die vielen Festbesuche von Ziegler anspielend, die man in den vergangenen Wochen auf ihren Profilen in den sozialen Medien verfolgen konnte.

Für die Kommunalwahlen im kommenden Jahr sehen sich die Grünen regional gestärkt – trotz der bundespolitisch schwierigen zurückliegenden Jahre und der Pleite bei der Bundestagswahl. Der Kreisverband habe in den vergangenen vier Jahren mehr als 80 Mitglieder dazu gewonnen, erklärte Haas in seiner Funktion als Kreissprecher. Aktuell seien es 188 Mitglieder, die ihn bei der Wahl zum Landrat unterstützen sollen.