Nach jahrelangem Warten: Jetzt sprudelt das Wasser

Von Mittelbayerische Zeitung · 11. Juli 2025 um 11:45

Den 11. Juni wird Walter Blümel so schnell nicht vergessen. Auf seinem Hof in Frauenwahl war an dem Tag einiges los. Vertreter des Wasserzweckverbands Bad Abbach, Leitungsbauer und der Hausinstallateur waren vor Ort. „Um 15 Uhr lief das Wasser“, sagt der 83-Jährige voller Freude. Ein jahrelanges Warten fand somit ein Ende.

Blümel war der erste Einwohner von Frauenwahl, der an die neue öffentliche Wasserleitung angeschlossen wurde. Die übrigen Haushalte folgten nach und nach. Dass Blümel fließendes Wasser im Haus hatte, ist schon ein paar Jahre her. In den 60er Jahren wurde das Wasser in seinem Brunnen immer weniger, vor drei Jahren versiegten die Quellen schließlich ganz.

Um trotzdem Trinkwasser zu haben, machte er sich alle drei Wochen mit einem 2000-Liter-Fass auf nach Herrnwahlthann – und sparte Wasser, wo es nur ging. Anstatt zu duschen, wusch er sich, und das Wasser vom letzten Spülgang der Waschmaschine nutzte er mehrfach. „Es ging nicht anders“, sagt er. Als endlich wieder Wasser aus dem Hahn sprudelte, habe er sich erst einmal eine ausgiebige Dusche gegönnt, erzählt Blümel.

Probleme mit Keimen und zu hoher Nitratbelastung

Waltraud Wurmer wohnt wenige Meter von Blümel entfernt. Sie kann noch gar nicht glauben, dass der Ort endlich an die öffentliche Wasserversorgung angeschlossen ist. „Ich bin einfach nur glücklich.“ Wenn sie jetzt Salat wasche, habe sie kein schlechtes Gefühl mehr.

In Frauenwahl musste nur punktuell für die Hausanschlüsse aufgegraben werden. - Foto: Nurtsch

Ihr Brunnen hatte zwar noch ausreichend Wasser, doch immer wieder gab es Probleme mit Keimen oder einer zu hohen Nitratbelastung. Das Wasser aus der Osmoseanlage wird jetzt nur noch für Kaffee, Tee oder Suppen genutzt.

Keine Verwendung mehr: Filteranlage wurde entsorgt

Roswitha Wermuth hat für ihre Filteranlage im Haus keine Verwendung mehr. „Die haben wir weggeworfen.“ Über viele Jahre hinweg haben Blümel, Wermuth und Wurmer die Diskussionen um die Wasserleitung für ihren Ort verfolgt und sich für ihren Bau eingesetzt. Waltraud Wurmer freut sich, dass am Ende alles so glatt ging. „Es war unser Recht“, betont sie.

Ich bin einfach nur glücklich.

Waltraud Wurmer

Auch Bürgermeister Johannes Brunner ist froh, dass die Baustelle so gut wie abgeschlossen ist. „Aus baulicher Sicht ist es sehr gut gelaufen. Innerhalb von fünf Wochen waren die Hauptarbeiten erledigt“, sagt er und lobt die gute Zusammenarbeit mit der Firma, den Bewohnern Frauenwahls und die Unterstützung vom Wasserzweckverband Bad Abbach.

Wenige Tage vor Ostern hatte die beauftrage Firma mit dem Wasserleitungsbau von Dietenhofen nach Frauenwahl begonnen. Der sandige Untergrund erleichterte den Einsatz der Spülbohrtechnik und die Arbeiten kamen gut voran. Auch in Frauenwahl kam die Spülbohrtechnik zum Einsatz. Lediglich punktuell musste für die Hausanschlüsse aufgegraben werden.

Kleinere Leitung gewählt

Die Kosten für die Hausanschlüsse tragen die Bewohner, die Ausgaben für die Hauptleitung werden hingegen auf alle rund 400 Anschlussnehmer in Hausen, die ihr Wasser vom Zweckverband Bad Abbach beziehen, verteilt. Die Entscheidung über den neuen Wasserpreis fällt erst, wenn die Endabrechnung vorliegt. „Das wird wahrscheinlich eine Aufgabe des neuen Gemeinderats“, sagt Brunner. Wichtig sei ein mittel- und langfristig „vernünftiger“ Wasserpreis.

Die neue Leitung fasst elf Kubikmeter Wasser. Sie wurde extra kleiner gewählt, um das Risiko einer Verkeimung gering zu halten. Regelmäßig werde sie gespült und Proben genommen, erklärt der Bürgermeister.

Die Frauenwahler bezogen ihr Wasser aus Brunnen. Doch die führten immer weniger Wasser. Darum setzten sich die Bewohner für den Anschluss an die öffentliche Wasserversorgung ein. - Foto: Nurtsch

Über digitale Wasseruhren wird der Verbrauch der Frauenwahler ermittelt. Ihre Brunnen dürfen sie nicht mehr nutzen, auch nicht zum Gartengießen. Das ist für die Frauenwahler in Ordnung. Walter Blümels Brunnen ist sowieso leer. Sein 2000-Liter-Fass hat er indes im Stadel eingelagert. „Das brauch‘ ich ja jetzt nicht mehr“, sagt er.