Schatten über der Muna-Ausstellung in Niederleierndorf: Exponat ist weg

Es ist eine Ausstellung, die nachdenklich macht. Seit einiger Zeit ist im Zachhof in Niederleierndorf im Landkreis Kelheim die Ausstellung „Muna 2/VII 1945“ zu sehen. Nun wurde ein Exponat gestohlen.
Es lag in einer geschlossenen Truhe unter einer schweren Glasplatte. „Es ist kein materieller Schatz, aber ein Exponat, das einer Bürgerin als einzige Erinnerung an eine Verwandte verblieben ist und einen hohen ideellen Wert hat“, sagt Maria-Luise Götz, die nicht näher darauf eingehen will.
Sie bietet dem Täter an, das Exponat anonym dem Langquaider Rathaus oder Bürgermeister Herbert Blascheck zukommen zu lassen. Geschieht das nicht, sollen laut Götz die eingeleiteten Ermittlungen fortgesetzt werden.
12.000 Tonnen Giftgas
In der Ausstellung geht es um die Anfänge der Munitionsanstalt (Muna) 1936, als plötzlich die Straße von Niederleierndorf nach Eichbühl befestigt und den Bauern der Zugang zu ihren Wäldern verboten wurde. Oder um die 12.000 Tonnen Giftgas in der Muna und das Inferno, zu dem es gekommen wäre, wäre sie im Zweiten Weltkrieg bombardiert und nicht im April 1945 kampflos übergeben worden.

„Wir hatten riesiges Glück“, sagt Götz. Denn ein Giftgasinferno hätte das Leben im Umkreis von bis zu 40 Kilometern vernichtet. Natürlich darf in der Ausstellung auch die weitere Entwicklung zum Munitionshauptdepot der Bundeswehr von 1955 bis 2009 bis hin zum heutigen „Lost Place“ nicht fehlen.
Mit Zeitzeugen gesprochen
Erarbeitet und konzipiert wurde sie von Maria-Luise Götz und ihrem Mann Alfred Ulrich, die Erbpächter des Zachhofs. Sie trugen Informationen zusammen, recherchierten vor Ort und sprachen mit Augenzeugen. Unterstützung bekamen sie von Rainer Ehm und Don Franciosi.
Lange habe man überlegt, ob man diese Ausstellung zeigen solle, denn „schön“ sei sie nicht, sagt Götz. Doch 80 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs und angesichts der aktuellen politischen Lage sei es wichtiger denn je.
Doch was hat die Muna mit dem historischen Zachhof zu tun? Als Götz und Ulrich den Zachhof sanierten, war ihnen schnell klar, dass der Zachhof viele Geschichten zu erzählen hat. Darum richteten sie ein kleines privates Museum ein, in dem immer wieder Ausstellungen mit Bezug zum Zachhof gezeigt werden. Die Muna-Ausstellung ist die fünfte.

„Wegen der Muna steht der Zachhof noch“, sagt Götz und erklärt: Für den Bau der Muna mussten die Bauern ihren Waldbesitz in dem Areal an die Luftwaffe verkaufen, wie auch Zachhof-Besitzer Johann Birkmeier. Birkmeiers einziger Sohn wurde 1939 eingezogen und kehrte verwundet aus dem Krieg zurück. „Der Hof verarmte. Es war kein Geld mehr da, ihn abzureißen und neu aufzubauen.“
Booklet in Arbeit
Auf die Besucher warten in der Ausstellung viele ausführliche Berichte, historische Fotos und Dokumente. An einer Medienstation, die von der ILE Donau-Laber gefördert wurde, können Filme und Zeitzeugenberichte angeschaut werden. Außerdem gibt es Exponate, wie eine Gasmaske, eine Leihgabe vom Burgmuseum Mitterfels, und einige Alltagsgegenstände aus der NS-Zeit, die Bürger dem Museum zur Verfügung gestellt haben.
Bis 2. November ist die Ausstellung noch im Zachhof zu sehen. Dann soll sie in Regensburg gezeigt werden. Wo genau, steht noch nicht fest. Derzeit arbeitet Götz an einem Booklet mit den Inhalten der Ausstellung, das zum Kauf angeboten werden soll. So bleibt die Erinnerung wach, wenn die Ausstellung längst weitergezogen ist.
Wissenswertes über die Ausstellung im Zachhof
Die Ausstellung „Muna 2/VII 1945 Erinnerungskultur am Zachhof“ ist zu den Öffnungszeiten des Hofcafés von Freitag bis Sonntag von 9 bis 19 Uhr geöffnet. Letztmals geöffnet ist sie am 2. November. Der Eintritt ist frei, Spenden werden erbeten.
Das Haus: Der historische Zachhof wurde 1596 erbaut. Erstmals urkundlich erwähnt wurde er 1393. Maria-Luise Götz und Alfred Ulrich sanierten bis Sommer 2022 über viele Jahre den leerstehenden Hof in der Hauptstraße 8 in Niederleierndorf.
