Warten auf Wasser: Frauenwahler fühlen sich im Stich gelassen

Seit vier Jahren warten die Bewohner von Frauenwahl, dass sie an die öffentliche Wasserversorgung angeschlossen werden. Obwohl die Planung mittlerweile abgeschlossen ist, geht nichts voran.
Für Walter Blümel ist Trinkwasser ein sehr kostbares Gut. Alle drei Wochen macht er sich mit einem 2000-Liter-Faß auf nach Herrnwahlthann und holt sich Wasser, sonst hätte er keins in seinem Haus in Frauenwahl. Darum achtet er auch genau darauf, keinen Tropfen zu verschwenden. Schon in den 60er Jahren sei das Wasser weniger geworden, vor zwei Jahren versiegten die Quellen schließlich, sagt der 82-Jährige.
In den Brunnen von Roswitha Wermuth und Waltraud Wurmer ist noch Wasser. „Aber es ist beängstigend, dass es immer weniger wird“, sagt Wurmer. Der Löschweiher im Dorf, in dem vor 30 Jahren noch die Kinder badeten, ist mittlerweile zugewachsen und ein Sumpf. Vor vier Jahren überreichten die Frauenwahler eine Unterschriftenliste an Bürgermeister Johannes Brunner mit dem Wunsch, an die öffentliche Wasserversorgung angeschlossen zu werden. Seitdem warten sie. „Welchen Grund gibt es denn noch, das Projekt weiter hinauszuzögern?“, fragen die drei. „Wir fühlen uns im Stich gelassen.“
Kosten werden kalkuliert
Bürgermeister Johannes Brunner versteht den Unmut der Frauenwahler. Der Zankapfel sei die Finanzierung, darum verzögere sich das Projekt, sagt er. Denn während es in den 90er Jahren noch Zuschüsse für den Bau einer Wasserleitung gab, tragen die Kosten nun alle rund 400 Anschlussnehmer in Hausen, die ihr Wasser vom Wasserzweckverband Bad Abbach beziehen. Der Gemeinderat forderte kürzlich eine genaue Kalkulation der Kosten, die auf die Hausener Bürger zukommen. Daran arbeitet derzeit der kommunale Prüfungsverband.
Für Waltraud Wurmer ist nicht nur das weniger werdende Wasser ein Problem, sondern auch die Qualität. Immer wieder seien Keime im Wasser oder die Nitratbelastung zu hoch. Darum gibt es eine Osmosefilteranlage im Haus. Aber trinken würde sie das Wasser nicht. Andere Frauenwahler setzen auf Entionisierungs- oder andere Filteranlagen, die mit Wartungskosten verbunden sind. Die Brunnen müssen verschiedene Auflagen erfüllen. „Wir müssten aufwendigst sanieren“, sagt Wurmer. Aber auch dann sei nicht klar, wie lange das Wasser noch reiche und welche Qualität es habe. Als Walter Blümels Quellen immer weniger Wasser führten, hat er nicht investiert. „Es hieß, wir bekommen eine Wasserleitung.“
Die Planungen dafür sind mittlerweile abgeschlossen. Die Wasserleitung soll über Dietenhofen nach Frauenwahl führen. Auch andere Varianten, wie den Anschluss an die Langquaider Wasserversorgung, wurden geprüft. „Das ist alles teurer und komplizierter“, sagt der Bürgermeister. Auch ein neuer Brunnen in Frauenwahl sei keine Option, dafür sei der Ort zu klein und die Kosten zu hoch. „Es muss alles in einem zumutbaren Bereich liegen.“
Alle Infos gesammelt
Je länger man warte, desto teurer werde die Wasserleitung, mutmaßt Roswitha Wermuth. In einem Ordner sammelt sie alles zur Wasserversorgung des Ortes, darunter der original Wasservertrag von 1865, als Wasser von Frauenwahl in die Brauerei nach Herrnwahlthann geliefert wurde. Oder auch Unterlagen, als die Frauenwahler zweimal eine Wasserleitung ablehnten, weil sie einmal quer über die Felder führen sollte, und Jahre später aus Angst vor zu hohen Kosten. „Das wird uns jetzt vorgeworfen“, sagt Wermuth.
Sie, Wurmer und Blümel verfolgen die Diskussionen über die Frauenwahler Wasserversorgung genau. Als in einer Sitzung des Gemeinderats die Rede davon war, neue Bebauung in Frauenwahl nicht zuzulassen, weil man dann keine Wasserleitung bauen müsse, sei sie regelrecht geschockt gewesen, sagt Wurmer, die sich mit dem Thema alleingelassen fühlt. Sie habe nicht gedacht, dass die Wasserleitung so ein Problem ist. „Ich war naiv.“
Am 11. September findet die nächste Gemeinderatssitzung statt. Brunner geht davon aus, dass bis dahin die Kostenkalkulation des kommunalen Prüfungsverbands vorliegt und dann der Auftrag für die Ausschreibung erteilt werden kann. Walter Blümel wird sich weiter alle drei Wochen auf den Weg machen, um sein Trinkwasser zu holen. Sein Grundstück in Frauenwahl zu verkaufen, ist für ihn keine Option. „Wer kauft schon einen Grund ohne Wasser.“

