Frauenwahl will an die öffentliche Wasserversorgung angeschlossen werden

Von Alexandra Nurtsch · 30. Dezember 2023 um 15:00

Carol Renner steht vor dem Brunnen im Garten in Frauenwahl. Er sei das „wertvollste Teil“ des Hauses. Fotos: Nurtsch

Die Brunnen in Frauenwahl führen immer weniger Wasser und versanden immer mehr. Die zwölf Einwohner schlagen Alarm. Ende des Jahres 2020 haben sie eine Unterschriftenliste bei Bürgermeister Johannes Brunner abgegeben mit dem Wunsch, an die öffentliche Trinkwasserversorgung angeschlossen zu werden. 2024 soll es soweit sein.

Peter und Carol Renner können sich noch gut daran erinnern, als sie den Brunnen bei ihrem Haus in Frauenwahl gebaut haben. „Der Wünschelrutengänger hat damals gesagt, ,grabts hier, dann habt ihr immer frisches Wasser‘“, sagt Peter Renner. Jetzt, 52 Jahre später, sieht das anderes aus.

Widerstand befürchtet

Derzeit konkretisiert ein Ingenieurbüro die Planungen und berechnet die Kosten, die zeitnah im Gemeinderat vorgestellt werden sollen. Zudem wird der Auftrag für ein Baugrundgutachten vergeben. Die Wasserleitung soll über Dietenhofen auf öffentlichem Grund nach Frauenwahl führen. „Das ist die einfachste Trasse“, sagt Bürgermeister Johannes Brunner. Nur einmal müsse eine Straße unterquert werden. Mitte 2024 sollen die Arbeiten starten.

Das hofft auch Carol Renner und verweist auf die Solidarität der anderen Anschlussnehmer. Ihr Mann glaubt nicht, dass die Leitung nächstes Jahr gebaut wird. Er befürchtet Widerstand in der Bevölkerung. Die Frauwahler bezahlen die Erschließungsbeiträge, doch die Kosten für die Wasserleitung werden auf alle Anschlussnehmer in Hausen, die ihr Wasser vom Wasserzweckverband Bad Abbach beziehen, umgerechnet. Doch Bürgermeister Brunner betont, dass die Wasserversorgung zu den Pflichtaufgaben der Gemeinde gehöre und die Wasserleitung gebaut werden müsse.

Der Brunnen im Garten der Renners ist sieben Meter tief und hat einen Durchmesser von zwei Metern. Aktuell steht das Wasser zwei Meter hoch. „Der November war ein gutes Monat, es hat 110 Liter geregnet“, sagt Carol Renner. Doch in manchen Monaten regne es nur 30 Liter, was zu wenig sei. „Wir kommen mit unserem Wasser noch aus, aber wenn es so weiter geht, dann reicht es nicht mehr“, sagt die 81-Jährige. Es habe auch früher Sommer gegeben, in denen das Wasser weniger geworden sei, doch nun passiere es regelmäßig, dass das Wasser nur mehr einen Meter hoch oder niedriger im Brunnen stehe und sie sparsamer sein müssten. Vergangenes Jahr sei erstmals der Löschwasserteich in Frauenwahl ausgetrocknet, sagt Peter Renner und verweist auf die Klimakatastrophe, die „sehr schnell und drastisch“ komme.

Proben nie beanstandet

In ihrem eigenen Brunnen hatten sie bislang immer Wasser. „Außer wenn wir vergessen haben, den Wasserhahn zuzudrehen“, sagt Carol Renner. Dann ertönt im Haus ein Alarm-Signal. Meist dauerte es nicht lang, bis sich der Brunnen wieder füllte.

Einmal im Jahr wird das Wasser auf Keime und Nitratbelastung untersucht. Es habe noch nie Beanstandungen gegeben. „Weil wir wissen, wo unser Trinkwasser herkommt und wie es ins Haus kommt, schätzen wir es ganz anders“, sagt Carol Renner. Sie und ihr 85-jähriger Mann hoffen, dass die Wasserproben 2024 der Vergangenheit angehören werden und das Dorf an die Wasserversorgung angeschlossen wird. Dann dürften auch wieder junge Familien im Ort bauen, was wegen der ungesicherten Wasserversorgung derzeit nicht möglich ist. Für ihren Brunnen hätte Carol Renner weiterhin Verwendung. „Wenn es erlaubt ist, würde ich das Wasser zum Gießen nutzen.“

Wird der Wasserstand im Brunnen zu niedrig, ertönt ein Alarm.
Im Haus sind Pumpe und Druckbehälter untergebracht.
Der Brunnen ist sieben Meter tief.