Loch in Wand geschlagen und durchgekrabbelt: Fette Beute für Neumarkter Automatenknacker

Alles in allem machten die Täter in sechs Fällen weit über eine halbe Million Euro Beute und richteten 170.000 Euro Schaden an – so zumindest lautet die Anklage. Die Bande war wohl in wechselnder Besetzung aktiv, ihre Mitglieder unterschiedlich stark involviert.
Fakt ist: Sie verschafften sich stets zunächst Zugang zu Nebengebäuden und drangen von dort in die jeweiligen Bankfilialen vor. Dazu durchbrachen sie mit schwerem Gerät teilweise gleich mehrere Mauern – darunter Trockenbauwände, aber auch 20 Zentimeter dicke Steinmauern. Anschließend machten sie sich mit Rettungsspreizern und ähnlichen Geräten an den Geldautomaten zu schaffen – mehrere Täter haben eine handwerkliche Ausbildung.
Über Fitnessstudio in Neumarkt in Bank eingebrochen
In vier Fällen – darunter auch in Neumarkt – waren sie erfolgreich, in zwei scheiterten sie. Neumarkt war die Premiere für die Bande: In der Nacht von 8. auf 9. September 2023 stiegen zwei Bandenmitglieder zunächst über ein Fenster, das sie aufhebelten, in das Fitnessstudio neben der Sparkassen-Filiale in der Regensburgerstraße ein. Draußen wartete ein weiterer Mann, um bei Gefahr warnen zu können. Im Inneren des Fitnessstudios durchbrachen die Täter gewaltsam zwei Trockenbauwände und gelangten so in den Technikraum der unmittelbar angrenzenden Filiale der Sparkasse.
Mit einem hydraulischen Spreizgerät öffneten sie die Rückseite des Geldausgabeautomaten – darin befanden sich mehr als 123.000 Euro. Außerdem stahlen sie einen Internet-Router im Wert von 2000 Euro. Danach verschwanden sie unentdeckt samt Beute.
Fitnesstrainer bemerkte Einbruch als erstes
Den Einbruch entdeckte der Inhaber des Fitnessstudios am nächsten Tag gegen 9 Uhr. Als er das Studio betrat, nahm der 30-Jährige erst einmal den Dreck überall wahr und hatte zunächst kurzzeitig seine Mitarbeiter in Verdacht, „aber dann habe ich das Loch gesehen“. Das hatten die Angeklagten auf Bodenhöhe in die Wand geschlagen, es war gerade so groß, dass ein erwachsener Mann durchkrabbeln konnte.
Im Studio selbst war alles voller Staub, im Büro stand teilweise das Wasser, so der Fitnesstrainer. „Ich nehme an, die haben mit Wasser gearbeitet.“ Handy, Laptop, eine 10.000 Euro teure Waage und die Geräte im Wert von 50 000 Euro interessierten die Einbrecher nicht, „sie haben alles dagelassen“. Den Schaden am Fenster renovierte der Vermieter ebenso wie die Wand.
Der Sicherheitsbeauftragte der Sparkasse wurde ebenfalls am Morgen nach der Tat von der Polizei zum Tatort gerufen. Vor Gericht sprach er davon, dass neben den 123.000 Euro, die weg waren, auch erhebliche Schäden entstanden seien.
Farbpatrone explodierte in Bank in Pommersfelden
So habe die Bank unter anderem zwei neue Geldautomaten und einen neuen Cash-Recycler beschaffen müssen – allein dadurch seien Kosten von gut 72.000 Euro entstanden. Außerdem musste das beauftragte Werttransportunternehmen einen Sondereinsatz fahren und die durchgebrochenen Trockenbauwände mussten renoviert werden.
Vorgeworfen werden den Angeklagten auch Einbrüche in Bankfilialen in Pommersfelden (Landkreis Bamberg), Nürnberg, Schwarzenbruck, Gnotzheim und Ettenstatt (beide Landkreis Weißenburg-Gunzenhausen). Beim Einbruch in Pommersfelden waren die Täter über eine benachbarte Pizzeria in die Bank gelangt – dort löste zwar eine Farbpatrone im Geldautomaten aus, als die Täter ihn aufbrachen, die Bank erlitt jedoch trotzdem einen Gesamtschaden von 350.000 bis 400.000 Euro, wie eine Angestellte der Bank vor Gericht erklärte.
Um Spuren zu verwischen, hatten die Täter überall große Mengen an Limo verteilt – das erschwerte es der Spurensicherung zwar tatsächlich, es gelang jedoch dennoch, DNA-Spuren zu sichern und durch den Abgleich mit der Datenbank zumindest einen Tatverdächtigen zu ermitteln, erklärte ein Kripo-Beamter.
Der Prozess der 13. Strafkammer unter Vorsitz von Richter Dimitri Stumpf wird in den weiteren Tagen fortgesetzt, ein Urteil wird vermutlich Mitte Juli fallen. Die Verhandlung war zum Auftakt mehrmals unterbrochen worden, unter anderem hatte ein Erörterungsgespräch in Hinblick auf das Strafmaß stattgefunden. Dieses verlief jedoch quasi ergebnislos, da sich die Beteiligten in den meisten Fällen nicht einigen konnten. Streitpunkt war nicht nur die jeweilige Höhe des Strafmaßes, sondern in einigen Fällen auch die Frage, wie hoch die Tatbeteiligung der einzelnen Angeklagten wirklich war. Mehrere Angeklagte räumten eine Beteiligung in Form von Hilfsdiensten ein – also, dass sie Schmiere gestanden oder im Auto gewartet hätten –, jedoch nicht mehr.