Polizeikaserne statt Bundestag: So plant Ex-MdB Nils Gründer aus Neumarkt seine Zukunft

Gut zweieinhalb Jahre lang war Nils Gründer Abgeordneter im Bundestag. Seit März haben andere das Sagen. Nach dem Aus für die FDP im Bundestag musste sich der Neumarkter neu orientieren. Nun startet der 28-Jährige neu durch: im Vorstand der Bayern-FDP und als künftiger Polizist.
Herr Gründer, das Ende im Bundestag war hart. Gab es Momente, wo Sie der Politik den Rücken kehren wollten? Wie ist es Ihnen seither ergangen?
Nils Gründer: Also persönlich geht es mir sehr, sehr gut. Ich habe in den letzten Monaten viel Zeit mit meiner Familie und meiner Freundin verbracht. Das war wichtig, weil der Wahlkampf – unabhängig vom Ausgang – sehr aufreibend war und extrem viel Kraft gekostet hat. So ein Bundestagsmandat ist sehr zeitintensiv, das hinterlässt Spuren. Ich habe die Zeit genutzt, um die Akkus aufzuladen, Familienzeit nachzuholen und alles zu reflektieren.
Und dann bin ich für mich zu dem Entschluss gekommen, dass ich das politische Engagement fortsetzen will. Ich war sehr dankbar, dass mich die Partei dann zum stellvertretenden Landesvorsitzenden in Bayern gewählt hat.
Wie kam es dazu? Wird man da gefragt oder bewirbt man sich selbst?
Gründer: Das war ein gemeinsamer Prozess mit einigen anderen aus der Partei, etwa auch mit Susanne Seehofer. Wir haben uns Gedanken gemacht, wie wir die FDP in Bayern neu aufstellen können – personell und inhaltlich. Gerade in schwierigen Zeiten braucht es Überzeugungstäter. Ich stehe hinter den Werten der FDP, möchte also die Freiheit wieder mehr nach vorne stellen. So entstand die Idee, sich einzubringen. Man spricht sich dann im Team ab, wer welche Stärken hat. So ein Comeback kann nur gemeinsam gelingen. Und am Ende wird man wie auf einem Parteitag gewählt – ganz demokratisch.
Das große Ziel ist also das Comeback, der Wiedereinzug in die Parlamente?
Gründer: Ganz genau. Das steht über allem. Wir müssen unsere Schlüsse aus der Bundestagswahl ziehen, sie aufarbeiten und auch in aller Demut akzeptieren. Danach gilt es, sich neu aufzustellen – inhaltlich wie im Auftreten. Dann kann das Comeback auch gelingen.
Gab es bei Ihnen nach der Wahl auch mal den Gedanken, sich ganz aus der Politik zurückzuziehen?
Gründer: Ich habe mich nach der Bundestagswahl tatsächlich mal eine Zeit lang weniger mit Politik beschäftigt. Natürlich habe ich alles weiter verfolgt, etwa die Koalitionsverhandlungen. Gleichzeitig musste ich auch meine Büros abwickeln und dafür sorgen, dass meine Mitarbeitenden gut unterkommen. Ganz abtauchen ging also nicht. Aber ein kompletter Rückzug stand für mich ehrlich gesagt nie zur Debatte. Ich habe noch einiges vor, bin noch nicht fertig mit meiner Agenda – besonders in der Verteidigungspolitik. Da gibt es noch viele offene Themen, etwa bei der Anerkennung unserer Soldatinnen und Soldaten. Mit meinen 28 Jahren bin ich definitiv noch nicht bereit für die Politikrente.
Sie hatten früher mal mit dem Gedanken gespielt, zur Polizei oder Bundeswehr zu gehen. Ist das endgültig vom Tisch?
Gründer: Im Gegenteil! Ab dem 1. September fange ich bei der Polizei Bayern in Sulzbach an. Das war für mich ein naheliegender Schritt, weil mir mein Land am Herzen liegt und ich mich weiter einsetzen will. Ich freue mich auf die neuen Erfahrungen, auf die Teamarbeit, auf die sportliche Komponente – und darauf, nochmal eine ganz andere Perspektive zu bekommen.
Ihre politischen Gegner würden vielleicht sagen: „Jetzt macht er endlich was Anständiges.“
Gründer: (lacht) Das nehme ich mit Humor. Aber im Ernst: Ich habe im Verteidigungsausschuss viel gesehen und gelernt – besonders von unseren Soldatinnen und Soldaten. Der Dienst am Land hat mich geprägt. Nach meinem Mandat wollte ich genau das fortsetzen.
Im Verteidigungsausschuss hatten sie Einblicke in Hintergründe und Entscheidungen, die selbst im Bundestag nur ganz wenige haben. Aber sie mussten auch schwere Entscheidungen mittreffen und belastende Bilder ertragen. Seit März gab es wieder zahlreiche Konflikte. Hätten Sie da gerne mit am Tisch gesessen oder sind Sie eher froh, dass Sie die Verantwortung gerade nicht haben?
Gründer: Klar juckt es einen schon manchmal in den Fingern. Das Arbeiten mit der Truppe vermisse ich sehr. Die Erfahrungen aus der letzten Legislaturperiode – gerade rund um den Ukraine-Krieg – wären jetzt sehr wertvoll. Natürlich würde ich gern mitreden. Aber ich habe akzeptiert, dass es momentan nicht so ist.
Kontakt zur Bundeswehr ist geblieben
Mich freut besonders, dass der Kontakt zur Truppe geblieben ist. Es kamen viele Rückmeldungen nach meinem Ausscheiden aus dem Bundestag, auch mit Dank für meinen Einsatz. Da merkt man dann, wer wirklich an einem als Mensch interessiert ist – und nicht nur an einem Titel.
Der Weg zurück in den Bundestag – wäre der grundsätzlich für Sie vorstellbar?
Gründer: Ausschließen will ich das nicht. Aber im Moment geht es nicht um mich. Es geht um das Überleben der Freien Demokraten und um das politische Comeback des Liberalismus. Was mit mir persönlich ist, schauen wir dann in ein paar Jahren.
Was möchten Sie als stellvertretender Landesvorsitzender konkret bewegen?
Gründer: Zum einen möchte ich der Partei ein neues inhaltliches Profil geben. Wir müssen uns fragen, ob wir die richtigen Antworten auf die Fragen unserer Zeit haben. Nehmen wir zum Beispiel die Wehrpflicht – da sollte die FDP neu darüber diskutieren, auch wenn wir sie früher abgelehnt haben.
Junge Menschen für Politik begeistern
Und ich möchte, dass die junge Generation in der FDP wieder einen Ansprechpartner findet. Gerade angesichts der derzeitigen Haushaltslage: Es wird mehr Geld für Zinsrückzahlungen ausgegeben als für Investitionen in die Zukunft. Junge Menschen fragen sich zu Recht: Wie kann ich mir eine Familie, ein Haus, Altersvorsorge leisten, wenn mir der Staat immer mehr abnimmt und sich nichts am System ändert? Da muss es eine Partei geben, die Antworten liefert. Und das kann die FDP.
Sie sind im Landesvorstand insgesamt sehr jung aufgestellt. Hilft das?
Gründer: Absolut. Im Präsidium sind viele junge Leute. Die FDP ist eine Partei, die jungen Menschen Chancen gibt – und wenn junge Menschen repräsentiert sind, ist es auch leichter, junge Wählerinnen und Wähler zu erreichen.
Vor allem aber wartet jetzt viel Arbeit in der Freizeit auf Sie, richtig?
Gründer: Ja, es ist ein Ehrenamt. Das läuft nach Feierabend, an Wochenenden. Es werden viele Stunden. Wir sind ein Arbeitsgremium – kein Aufsichtsrat. Dementsprechend ist auch meine eigene Erwartungshaltung, dass ich da ordentlich mitarbeite. Nur so kann es funktionieren.