Kurzer Prozess: Spanner (47) filmt Nachbarin in Regensburg mit Minikameras

Von André Baumgarten · 8. Juli 2025 um 09:00

Als der Mann aus Regensburg 2023 das erste Mal vor Gericht soll, zündet er seine Wohnung an. Am Ende gab es jetzt einen Freispruch für ihn. Ein psychiatrisches Gutachten für den Angeklagten kam zu einem eindeutigen Schluss. Das Urteil wurde sofort rechtskräftig.

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Monatelang hat es ein 47-Jähriger auf seine Nachbarin abgesehen. Beide wohnen im Regensburger Westen in einem Mehrfamilienhaus. Im Sommer 2021 erfährt die Frau von einem anderen Nachbarn, was der Mann bisher ohne ihr Wissen zu treiben scheint. Ermittler finden später handfeste Belege – zahllose Dateien, die mit Endoskop-Kameras und Mikros aufgezeichnet wurden. Die juristische Aufarbeitung endete gestern dennoch mit einem Freispruch. Aus triftigem Grund.

Rund acht Stunden sind die Tonaufnahmen lang, die der Mann mitschnitt. Dazu gibt es Videos und Fotos, die mit spezieller Technik, teils sogar mit Nachtsicht-Geräten erstellt wurden. Urheber des Materials, das eine Frau an den Rand der Verzweiflung bringt, war ein Regensburger. Er legte sich laut Anklage regelmäßig auf die Lauer, um sein Opfer ohne dessen Wissen in möglichst privaten Momenten zu erwischen.

Zwischen Mülltonnen versteckt in Wohnung gegafft

Selbst zwischen Mülltonnen versteckt, versuchte der Mann Einblicke ins Leben der Frau zu kriegen. Er filmte durch den Türspion, fotografierte durch Fenster – der Spanner schreckte vor fast nichts zurück. In dem Mehrfamilienhaus machte recht bald die Runde, was der wohl seltsam wirkende 47-Jährige so treibt. Nach der Warnung bemerkte das Opfer ihren Stalker auch selbst. Im Januar 2022 erstattete sie dann schließlich Anzeige bei der Regensburger Polizei.

Näheren Kontakt zu dem Mann hatte sie nie, wie sie Ermittlern erzählte. „Ich kann nicht mehr“, gab sie damals zu Protokoll. Aussagen musste die Frau im Prozess vor dem Amtsgericht nicht. Richterin Kinsky verlas ihre Aussage. Und die lässt erahnen, wie belastend die Situation für sie war. Sie fühle sich „extrem unwohl und unsicher“, vermute „hinter jedem Geräusch ihn“, gehe nur noch in Begleitung aus dem Haus, habe sogar ihren Freund einziehen lassen. Wenig später zog sie weg.

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2023 soll der Mann das erste Mal deswegen vor Gericht. Doch der Prozess platzt. Nur drei Tage vor dem Termin rückt die Berufsfeuerwehr mit einem Großaufgebot an der Adresse an. In der Wohnung des Mannes bricht ein Feuer aus. Der 47-Jährige wird dabei schwer verletzt. Die Hauptverhandlung muss kurzfristig abgesetzt werden. Mehr als zwei Jahre später wurde der Fall des Stalkers im Regensburger Westen nun aber aufgearbeitet.

Neben seinem Verteidiger Marius Hoser nimmt der Mann gestern im zweiten Stock des Justizgebäudes vor Richterin Kinsky Platz. Er selbst schweigt zu den angeklagten Vorfällen von 2021 und 2022. Der Prozess ist nach weniger als 30 Minuten vorbei. Zwar ohne Zeugen, dafür aber mit der psychiatrischen Sachverständigen Isabella Schreyer, die ohne die Öffentlichkeit zu ihren Diagnosen näher Stellung nimmt.

„Keinerlei Zweifel“, dass 47-Jährige die Taten beging

Die Abwägung des Urteils der Amtsrichterin geht blitzschnell. Sie spricht den Angeklagten frei, wenngleich „keinerlei Zweifel bestehen, dass Sie die Taten begangen haben“, stellt Kinsky fest. Die Auswertung von Datenträgern, auf deren Herausgabe er ebenso verzichtet worden, wie auf die Minikameras, die er zum Bespitzeln seiner Nachbarin genutzt hatte, spreche eine klare Sprache. Aufgrund der attestierten Schuldunfähigkeit zum Zeitpunkt der Taten habe sein Handeln für ihn am Ende jedoch keine rechtlichen Folgen.

„Sie kriegen keine Strafe“, erklärt die Richterin weiter, „aber es war gut und wichtig, dass Sie die Behandlung angenommen haben.“ Die Regensburger Staatsanwaltschaft, deren Vertreterin wie Anwalt Hoser Freispruch beantragt hatte, verzichtet auf Rechtsmittel. Damit wird der Freispruch für den 47-Jährigen noch im Sitzungssaal sofort rechtskräftig.