Kahlschlag bei Zulieferern: Tausende Jobs in Metropolregion Nürnberg in Gefahr

Von Nikolas Pelke · 8. Juli 2025 um 05:00

Elektroautos, globale Konkurrenz und Produktionsverlagerungen setzen der Autozulieferer-Branche in der Metropolregion Nürnberg massiv zu. Bei einem Gipfeltreffen zeichnen Experten ein düsteres Bild – und fordern schnelle Lösungen, bevor noch mehr Beschäftigte ihren Job verlieren.

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Immer mehr gut bezahlte Arbeitsplätze in der Automobilindustrie verschwinden derzeit zwischen Bamberg, Coburg und Nürnberg. Die Europäische Metropolregion Nürnberg (EMN) versucht, die Talfahrt mit Projekten wie „Transform_EMN“ zu stoppen. Bei einem „Auto-Gipfel“ haben Fachleute kürzlich den Ernst der Lage aufgezeigt.

Die Veränderung der Antriebstechnik unter den Motorhauben verändert momentan einen ganzen Wirtschaftszweig. Weil in Elektroautos weniger Komponenten zum Einsatz kommen, verschwinden Arbeitsplätze bei den Autozulieferern. Die wachsende Konkurrenz von Herstellern aus Amerika, China und anderen Ländern verschärft die Probleme.

„Jeder dritte bis vierte Arbeitsplatz hängt in weiten Teilen der Metropolregion direkt oder indirekt am Auto“, sagte Stefan Trebes, Leiter der Agentur für Arbeit Bamberg-Coburg, zur immensen Bedeutung der Branche. Rund 100.000 Menschen würden hier bislang noch gutes Geld verdienen. Im Durchschnitt hätten die Beschäftigten in der Autobranche rund 500 Euro mehr pro Monat als der Durchschnitt in der Lohntüte.

15 Prozent weniger Stellen bei den Automobikzulieferern

Durch die Krise seien in den letzten fünf Jahren bereits 15 Prozent der Stellen weggefallen. Viele Betriebe hätten ältere Mitarbeiter mit einem goldenen Handschlag bereits vorzeitig in den Ruhestand verabschiedet. Die Kurzarbeit in der Branche sei mit 25 Prozent ebenfalls sehr hoch.

„Alle Statistiken zeigen uns einen massiven Abbauprozess in der Automobilzuliefererbranche“, sagte Trebes und verwies auf weitere Folgen dieser negativen Entwicklung. „Die Freiwilligenprogramme werden nicht ausreichen, um die Stellenabbaupläne der Unternehmen zu kompensieren. Wir kommen jetzt in die Phase, wo Menschen tatsächlich in die Arbeitslosigkeit rutschen“, erklärte der Leiter der Agentur für Arbeit in der besonders betroffenen Region Bamberg-Coburg, wo große Zulieferfirmen wie Brose oder Bosch zu Hause sind.

„Wir rüsten uns schon jetzt dafür, damit die Beschäftigten nach Entlassungen nicht ins Tal der Tränen abrutschen.“ Schnelle Vermittlungen der Arbeitslosen in Branchen wie Medizintechnik oder Verteidigung seien das Ziel. Auch Hidden Champions könnten für die Fachkräfte neue Perspektiven bieten. Allerdings warnte Brandes vor hohen Erwartungen.

Die Löhne seien häufig deutlich niedriger als in der Autobranche. Falls eine schnelle Vermittlung nicht klappe, seien Weiterbildungen beispielsweise im Bereich Künstliche Intelligenz (KI) möglich.

Weiterbildung als Chance für Menschen ohne Arbeit

Stephan Doll, fachlicher Sprecher des Forums Wirtschaft und Infrastruktur der EMN und Geschäftsführer des Deutschen Gewerkschaftsbundes in Mittelfranken (DGB), würde sich von den Beschäftigten vor dem Hintergrund der dramatischen Lage eine größere Bereitschaft zur Weiterbildung wünschen.

Mit dem Aufbau eines Transformationsnetzwerks will die Metropolregion selbst neue Perspektiven für die rund 500 kleinen und mittleren Automobilzulieferer bieten – aufgrund ihrer Schlüsselfunktion für Beschäftigung, Wachstum und Innovation. Das Projekt „Transform_EMN“ wolle daher die Unternehmen aus der Region beim Wandel unterstützen.

Beim „Auto-Gipfel“ wurde allerdings auch deutlich, dass sich Unternehmen mit neuen Investitionen eher zurückhalten und neue Produktionen eher im Ausland entstehen. Zuletzt hatte es aber auch positive Beispiele in der Region gegeben.

Beispielsweise hat zuletzt MAN massiv am Standort in Nürnberg in eine neue Produktionsanlage zur Batterieproduktion für E-Trucks und E-Busse investiert und damit insgesamt rund 400 Arbeitsplätze am fränkischen Produktionsstandort gesichert.

Die in der Batterieproduktion tätigen Mitarbeiter waren zuvor in den Bereichen Motorenmontage, Gießerei oder Logistik eingesetzt und konnten laut dem traditionsreichen Nutzfahrzeughersteller dank Umschulungen ein neues Arbeitsfeld erschließen.