Autobahn A9 bei Nürnberg-Fischbach soll um zwei Spuren erweitert werden

Von Nikolas Pelke · 26. Juni 2025 um 19:00

Vor beinahe einem Jahr haben sich Herbert Barthel, Richard Mergner und Tom Konopka vom Bund Naturschutz (BN) mit einem Protestplakat mit der Aufschrift „Rettet den Reichswald“ auf eine Fußgängerbrücke über die Autobahn A9 bei der Ausfahrt Nürnberg-Fischbach gestellt. Sie haben damals schon vor dem achtspurigen Ausbau zwischen dem Kreuz Nürnberg und Nürnberg-Ost gewarnt.

„Uns kann niemand erzählen, besserer Lärmschutz für Fischbach benötige einen Ausbau im US-amerikanischen Highwaystil“, betonte Herbert Barthel als Vorsitzender der BN-Kreisgruppe Nürnberger Land seinerzeit.

Die bundeseigene Autobahn-GmbH dürfte jedoch die wachsenden Verkehrszahlen als Hauptargument für die geplante Spurerweiterung auf den etwa sieben Kilometern rund um das Ostkreuz zur Begründung der Baumaßnahme ins Feld führen.

Schon vor fast zehn Jahren seien dort über 100 000 Autos und knapp 20 000 Lastwagen pro Jahr gemessen worden. Bis 2035 soll laut Prognosen die Schmerzgrenze erreicht sein.

Autobahn-GmbH erwartet immer mehr Autos bei Fischbach

Und noch mehr Autos werden nach der Fertigstellung des neuen Ostkreuzes erwartet, das derzeit für 150 Millionen Euro auf einer Länge von vier Kilometer ausgebaut wird, um den Verkehr zwischen Ost und West, Nord und Süd flüssiger zu machen. Bereits Ende des Jahres soll das neue Ostkreuz für die rollende Blechlawine freigegeben werden.

Thomas Pfeifer von der Autobahndirektion Nordbayern will dafür sorgen, dass der Zeitplan auch tatsächlich eingehalten wird. „Von den Baufirmen wird fortwährend die Einhaltung der vereinbarten Bauzeit im Rahmen der Projektsteuerung eingefordert und bei Abweichungen vom Bauzeitenplan entsprechende Gegenmaßnahmen verlangt“, sagte kürzlich der Niederlassungsleiter der bundeseigenen Verkehrsgesellschaft, die sich im Auftrag der Republik um den Betrieb und den Erhalt der Autobahn kümmert.

Spätestens nach der Fertigstellung des neuen Ostkreuzes könnte der fragliche Abschnitt der A9 zum Nadelöhr mutieren. Danach könnten laut Prognosen sogar 130 000 Auto pro Jahr in der südöstlichen Nachbarschaft des bürgerlichen Wohnviertels vorbeirauschen.

Doch noch liegt der achtstreifige Ausbau bei den Behörden zur Genehmigung. Kurz vor Weihnachten 2023 hatte die Autobahn-GmbH bereits das Planfeststellungsverfahren bei der Regierung von Mittelfranken beantragt.

„Mitte diesen Jahres sollen die Stellungnahmen zu den Einwendungen abgeschlossen und der Regierung von Mittelfranken vorgelegt werden“, teilt eine Sprecherin auf Anfrage mit.

Laut der Regierung von Mittelfranken seien 49 individuelle Einwendungsschreiben von privater Seite sowie drei Stellungnahmen von Vereinigungen und 24 Stellungnahmen von Trägern öffentlicher Belange eingegangen. „Hinzu kommen inhaltsgleiche Einwendungsschreiben mit Unterschriftslisten, auf denen insgesamt rund 3840 Privatpersonen unterzeichnet haben“, teilt ein Regierungssprecher mit.

Naturschützer setzen auf abschreckende Wirkung

Die Naturschützer setzen auf die abschreckende Wirkung der vielen Unterzeichner, um das Vorhaben einzustellen. „Beim geplanten Autobahnausbau hoffen wir, dass die in kurzer Zeit gesammelten 3892 Einwendungen von Waldfreundinnen und Waldfreunden aus der Region bei der Regierung von Mittelfranken genug Eindruck machen, um das Vorhaben einzustellen. Sonst werden wir weiter dagegen demonstrieren“, hatte Barthel bereits angekündigt und darauf verwiesen, dass für die beiden zusätzlichen Spuren inklusive der neuen, mit über zehn Meter zur Fahrbahn gekrümmten Lärmschutzwällen etwas mehr als 20 Hektar Wald gerodet werden müssten.

Gegen weitere Waldverluste hatten sich die selbst ernannten „Retter des Reichswaldes“ schon bei der erfolgreichen Verhinderung des geplanten ICE-Instandhaltungswerkes in der Nähe von Nürnberg-Fischbach gewehrt.

Die Autobahn-GmbH scheint sich derweil bereits auf ein längeres Verfahren einzustellen. „Bei einem Erörterungstermin im Herbst 2025 kann mit einem Planfeststellungsbeschluss nicht vor der zweiten Jahreshälfte 2026 gerechnet werden“, teilt eine Sprecherin auf Anfrage zum Zeithorizont mit.