Hut ab für Wallenstein in Altdorf: Am Freitag starten die Wallenstein-Festspiele

Von Petra Schlierf · 24. Juni 2025 um 11:00

Wer dieser Tage in Altdorf unterwegs ist, darf sich nicht wundern, wenn er einen Mountainbiker in historischem Kostüm oder einen Passanten mit Degen und Federhut trifft. Die Stadt fiebert den Wallenstein-Festspielen entgegen. Am Freitag geht’s los. Am Samstag stand die Hauptprobe des Volksstücks „Wallenstein in Altdorf“ an.

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„Vielleicht schaut Dittmer heute von oben zu“, mutmaßte Regisseur Oliver Karbus, bevor es im Hof der Universität losging. Franz Dittmer hatten die Altdorfer 1894 beauftragt, die wilde Studentenzeit Wallensteins in Altdorf in ein Volksstück zu gießen. Dass es ein Dauerbrenner bis ins Jahr 2025 werden würde, hätte er sich wohl nicht träumen lassen. Das aber ist auch Oliver Karbus zu verdanken. Für die Inszenierung vor drei Jahren hatte er das Stück grundlegend überarbeitet.

Auf Regeln der Universität und der Stadt Nürnberg geben die Studenten nichts. Mit Urteilen machen sie zur Not kurzen Prozess. - Foto: Petra Schlierf

Geworden ist daraus ein wilder Ritt durch sämtliche Gefühlswelten. Die Zuschauer durchleiden mit Wallenstein seinen Liebeskummer, hat er sich doch ausgerechnet in die schon versprochene Pfarrerstochter verliebt, hinreißend gespielt von Lena Bergmann. Sie feiern und zechen mit den wilden Altdorfer Studenten, erleben die Wut und Verzweiflung der Bürger im 30-Jährigen Krieg und lachen oder leiden mit dem genial komischen Famulus Wenzel (Wolfgang Werthner).

Man kann Altdorf nur gratulieren zu einem solch engagierten Ensemble. Dabei standen die Proben zunächst unter keinem guten Stern, blickt Regisseur Karbus zurück: „Zwei meiner Hauptdarsteller haben sich gleich am Anfang verletzt und es war klar, dass sie lange ausfallen. Doch die beiden, die eingesprungen sind, machen das grandios.“

Reiten, singen, fechten, musizieren – all das muss der neue Wallenstein in seiner Rolle beherrschen. Jakob Albrecht ist zwar kein Festspiel-Neuling, den Wallenstein spielt er heuer aber zum ersten Mal. Noch gibt er sich selbstkritisch: „Es sind ein paar Kleinigkeiten, die nicht funktioniert haben, aber das merken nur wir.“ Auch wenn sie dem Publikum womöglich verborgen bleiben, will er weiter an Details feilen.

Jeden Sonntag Festzug mit Musik, Gauklern und Darstellern

Mit Leidenschaft sind eben alle „Wallensteiner“ am Werk, ob auf oder hinter der Bühne. Michael Rötzer ist als zweiter Vorsitzender des Wallenstein-Festspielvereins nicht nur stark in die Organisation involviert, sondern schon von klein auf Teil der Festspiele. Im Volksstück spielt er den Wirt zum Roten Ochsen – und das nicht alleine: „Mein Sohn Maximilian ist mit elf Jahren der Jüngste im Schauspiel, der Älteste ist über 80.“ Genau das sei das Tolle an den Festspielen: Es schließe alle Menschen mit ein. Für jeden gebe es die richtige Rolle, ob nun in einem der beiden Stücke oder auf dem Lagerplatz, zu dem die Altstadt ab dem Wochenende wieder wird.

Dort wird es an den Wochenenden immer etwas zu sehen geben. Die Höhepunkte jeder Woche sind für Rötzer aber stets die Umzüge immer sonntags um 18 Uhr durch die Altstadt mit Reitern, Kapellen und vielen Darstellern.

Regie-Profi Oliver Karbus ist knapp eine Woche vor der Premiere am Sonntag begeistert von seinem Ensemble. - Foto: Petra Schlierf

Vorher stehen diesen aber noch ein paar Probenstunden bevor. Regisseur Karbus war am Samstag nach gut eineinhalb Stunden hochzufrieden mit seinem Ensemble. Er gilt als akribisch genau bei seinen Inszenierungen.

Daher warteten alle Schauspieler nach dem Probelauf am Samstag gespannt auf sein Urteil. Und das lieferte er ihnen im gewohnt österreichisch-unverblümten Idiom: „Boah, is des geil.“

Theatertermine, Preise und Tickets

• Wallenstein in Altdorf: Premiere ist am Sonntag, 29. Juni, um 15 Uhr. Weitere Aufführungen: Freitag 4. Juli, 19.30 Uhr; Sonntag 6. Juli, 13.15 und 15.30 Uhr; Sonntag, 13. Juli, 13.15 und 15.30 Uhr; Freitag, 18. Juli, 19.30 Uhr; Sonntag 20. Juli, 13.15 und 15.30 Uhr; Sonntag 27. Juli, 13.15 und 15.30 Uhr.

• Friedrich Schillers Wallenstein: Alle drei Dramen, zusammengefasst zu einem Stück, sind erstmals am Samstag, 28. Juni, um 20.30 Uhr im Universitätshof zu sehen. Weitere Vorstellungen jeweils um 20.30 Uhr am Samstag, 5. Juli, Freitag, 11. Juli; Samstag, 12. Juli; Samstag, 19. Juli; Freitag, 25. Juli; Samstag, 26. Juli.

• Preise: Theaterkarten gibt es je nach Kategorie ab 15 Euro. Besondere Tarife und Ermäßigungen gibt es für Familien, Schüler, Studenten, Menschen mit Behinderung und größere Gruppen. Wer nur das Lagerleben sehen möchte, zahlt fünf Euro.

• Kartenverkauf: unter anderem im Wallenstein-Festspielbüro, Neubaugasse 3, in Altdorf, im Altdorfer Kultur-Rathaus am Oberen Markt 2, online unter wallensteinfestspiele.de/vorverkauf oder an der Tageskasse im Kultur-Rathaus, samstags ab 18 Uhr, sonntags ab 10 Uhr.