Hitze in Franken: Kartoffel ist eines der ersten Opfer der hohen Temperaturen

Von Sabine Künzel · 7. Juli 2025 um 05:00

Pommes-Freunde müssen stark sein: Die Kartoffel hat ein Problem, das in ihrer Natur liegt. Wenn es über 25 Grad Wärme hat, hört sie auf zu wachsen. Da braucht man nicht einmal auf das Thermometer schauen. Es ist in und um Hilpoltstein im Landkreis Roth herum wesentlich wärmer.

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Wenn es nicht kühler wird, sind bei schlechten Böden bis zu 50 Prozent Ernteausfall zu befürchten. „Die Pflanze muss das Blatt vital halten, um die heiße Phase zu überstehen“, erzählt BBV-Kreisobmann Manfred Dorner.

Viel besser sieht es mit dem Mais auch nicht aus. Am 7.7. soll er 77 Zentimeter hoch stehen, sagt eine Bauernweisheit. Sonst wird die Ernte nicht gut. Im Landkreis Roth gibt es dazu keine einheitliche Tendenz. Manche Pflanzen gehen bis zur Wade, andere sind trotz Trockenheit einen Meter hoch, sagt Dorner. Das hängt von drei Faktoren ab: Zum einen natürlich vom Wasser, dann ob der Landwirt große Fehler im Anbau gemacht hat und von der Bodenbeschaffenheit. „Auf leichten, sandigen Böden sieht es nicht gut aus, da das Wasser nicht gespeichert wird. Bei schweren Böden ist das Problem nicht so groß.“ Außerdem beginnt der Mais bereits mit Selbstschutz: „Er rollt die Blätter zusammen.“

Bei der Wintergerste werden auf schweren Böden 20 Prozent Ernteausfälle erwartet, auf den leichten wiederum bis zu 50 Prozent. Die Verbraucher brauchen sich aber wegen der Getreideausfälle keine Sorgen machen, weiß Dorner. „Auf der Welt gibt es im Moment so viel Getreide. Die Preise werden nicht steigen.“

Ein transparenter Blick auf eine stille Krise

Anders sieht es bei der Entwicklung des Waldes nach einer Anfrage beim Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Roth-Weißenburg (AELF) aus. Die Antwort ist klar – und ernüchternd. „Nicht gut“, sagt Steffen Taeger, Bereichsleiter Forst. Was das bedeutet, zeigt er per Mausklick: Auf der im Mai gestarteten Internetseite waldduerremonitor.de, entwickelt von der Bayerischen Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft (LWF), lässt sich tagesaktuell der Zustand der bayerischen Waldböden ablesen.

Noch sind wenigstens die Bäume grün: Die Schäden durch die Hitze werden später zu sehen sein. - Foto: Sabine Künzel

Auf der interaktiven Karte: Rottöne dort, wo der Boden zu trocken ist. Blau – für ausreichend Feuchtigkeit – gibt es derzeit nicht. Für Hilpoltstein zeigt die Karte Gelb: Im Oberboden (0 bis 40 cm) herrscht Trockenheit, im Unterboden ist es trocken bis mäßig trocken. Nutzer können bis zu ihrem Waldgrundstück hineinzoomen – ein transparenter Blick auf eine stille Krise.

Kombination aus Trockenheit, Hitze und Strahlung

Doch die Trockenheit ist nur ein Teil der Belastung. „Sie ist ‘nur‘ einer, wenn auch ein wesentlicher der drei Stressfaktoren – die Kombination aus Trockenheit, Hitze und Strahlung macht es gerade so kritisch“, sagt Taeger. Denn wenn die Sonne ungebremst auf Blätter oder Nadeln trifft, „sind hochkomplexe Dinge im Gange“.

Der Baum muss seine Blätter kühlen, denn bei Temperaturen über 45 Grad beginnen die Eiweiße im Blatt zu denaturieren – ein irreversibler Schaden. „Der Baum hat maximalen Stress. Es ist keine Wolke am Himmel, volle Sonne, Hitze und die Trockenheit. Der Baum muss in dieser Trockenheit mit wenig Wasser seine Blätter und Nadeln kühlen.“

Hilpoltsteins Kierfernwälder leiden

Auch betroffen: die Kiefernwälder rund um Hilpoltstein – obwohl Kiefern als robust und trockenheitsverträglich gelten. Doch auch sie kommen an ihre Grenzen. „Wir werden verstärkt Kiefern sehen, die rot werden“, warnt Taeger.

Noch dramatischer ist die Lage bei jungen Bäumen. Pflanzungen aus dem vergangenen Herbst verfügen über Wurzeln von nur zehn bis zwanzig Zentimetern – sie erreichen gerade mal die oberste, trockenste Bodenschicht. Zusätzlich konkurrieren größere Bäume und Gräser um das wenige verfügbare Wasser. „Wir müssen mit Ausfällen rechnen“, sagt Taeger. „Die Waldbesitzer versuchen mit Notbewässerung, die Bäume zu retten.“

„Die Gefahr ist maximal hoch“

Und über all dem hängt ein akutes Risiko: die Waldbrandgefahr. „Die Gefahr ist maximal hoch“, warnt Taeger eindringlich. Sein Appell: Keine Zigaretten im Wald, keine Fahrzeuge auf Waldwegen abstellen, Wege nicht verlassen. Ein einziger Funke kann reichen, um alle Schutzbemühungen zunichte zu machen. Wie eine mögliche Zukunft aussieht, hat Taeger bereits bei Reisen nach Südfrankreich erlebt: permanente Waldbrandgefahr. „Wir müssen uns auch daran für unsere Breiten gewöhnen und Klimawandelvorsorge für unsere Wälder schaffen.“