BI gegen Amazon kritisiert Grundstücks-Besitzer - Steht ein „billiger Deal“ bevor?

Rund um das geplante und kontrovers diskutierte Amazon-Logistikzentrum nahe Rohr (Landkreis Kelheim) herrscht derzeit Stillstand. Noch ist offen, wann die Gemeinde die über 400 Einwendungen behandelt. Hinter den Kulissen wird weiter gerungen. Die BI gegen das Projekt kritisiert nach einem Treffen den Grundstücks-Eigentümer – er lasse sich auf einen „billigen Deal“ ein.
Seit über zwei Jahren läuft die Debatte um ein Logistikzentrum des Online-Versandhändlers im Rohrer Ortsteil Bachl. Vorgesehen auf dem Areal des früheren Gutshofs Stocka ist westlich der Staatsstraße 2230 das Logistikzentrum (23 Hektar/60.000 m² Hallenfläche), östlich der Straße der Panattoni-Park (9,5 Hektar/50.000 m²) für weitere Firmen. Über 1000 Jobs sollen zunächst entstehen, später bis zu 3000, sagen Amazon und Projektbetreiber Panattoni.
Die „Bürgerinitiative Region Abensberg und benachbarte Gemeinden“ (BIA) fürchtet massive Auswirkungen auf den Verkehr, die Umwelt sowie die Arbeitsplatz- und Wohnungssituation in der Region. Auch die Kommunen um Rohr sind gegen das Projekt. Bei einer öffentlichen Auslegung der Pläne in 2024 wurden über 400 Einwendungen – von Privatpersonen und Verbänden – eingereicht. Der Marktgemeinderat Rohr muss diese behandeln.
Hoffnung der Gegner: Kein Verkauf – kein Bau
Eigentümer des Areals ist nach wie vor der Regensburger Unternehmer Franz Rösl. Er betreibt dort mit seiner Firma Rösl Rohstoffe GmbH & Co. KG auf einem Teilstück Tonabbau. Diese Fläche fällt nicht in den Bereich des Amazon-/Panattoni-Projekts, der Abbau soll weiterlaufen. Die Gegner setzen in den Eigentümer eine Hoffnung: Wenn Rösl das Areal nicht verkauft, kann Amazon auch nicht bauen.
Die Bedenken sollte man im Zusammehang mit Nachhaltigkeitsthemen besprechen.
Franz Rösl, Eigentümer des Areals
Jüngst traf sich BIA-Vorsitzender Roland Weiß mit dem Unternehmer. Schon 2023 hatte es ein Gespräch gegeben. „Er zeigte sich offen für die Bedenken“, resümiert Weiß nach der Unterredung Mitte Juni. Nahezu die gesamte Region lehne den Logistikpark ab, unterstrich der BIA-Chef dabei. Rösl sagt auf Anfrage der Mediengruppe Bayern zu den Argumenten der Gegner: Diese „sollte man aus meiner Sicht im Zusammenhang mit Nachhaltigkeitsthemen besprechen.“
Damit zielt der Geschäftsführer auf grüne Ausgleichsflächen oder den Einsatz erneuerbarer Energie beim Vorhaben auf Gut Stocka ab. Die BI sieht darin „eine Art Greenwashing“: „Dem Projekt einen grünen Anstrich zu verpassen, ändert nicht das Geringste an den katastrophalen Auswirkungen auf unsere Region“, so Weiß. In der Gesamtbetrachtung bleibe der Standort „absolut unakzeptabel“. Selbst wenn in der Nachhaltigkeit nachgebessert würde, „wäre es ein sehr billiger Deal und es bliebe der gleiche Verrat an der heimischen Bevölkerung und Natur“.
Rösl: Noch ist nichts entschieden
Der Unternehmer erklärt gegenüber unserer Zeitung: „Der Verkaufsprozess ist noch offen, also noch nicht entschieden.“ Nach wie vor bestehe eine Reservierungsvereinbarung. Auf die Frage, ob er „Nachhaltigkeitsthemen“ – diese hatte Rösl vor gut einem Jahr als wichtigen Punkt für einen Verkauf genannt – durch Amazon inzwischen erfüllt sehe, antwortet er: „Das ist ein extrem komplexes Thema, welches sich im Prozess befindet.“
Für die BIA bleibt die Haltung des Grundstücks-Eigners, der insgesamt rund 75 Hektar auf dem früheren Gut besitzt, undurchsichtig. „Einerseits engagiert er sich mit seinem Verein ,Interessengemeinschaft gesunder Boden‘ sehr stark für unsere Natur und Umwelt.“
BIA: „Jeder scheint käuflich“
Andererseits würde er mit dem Verkauf von 32 Hektar für den Logistikpark die gesamte Region am Forellen- und Hopfenbach zur Versiegelung freigeben. „Das wäre ein großer Widerspruch.“ Rösl sagt dazu nur: „Auch das sollte man im Zusammenhang mit den genannten Themen besprechen.“
Für die Projekt-Gegner würde sich bei einem realisierten Verkauf bewahrheiten, „dass letztlich jeder käuflich ist – es ist nur eine Frage des Preises“. Man bleibe jedoch optimistisch, dass im „Naturjuwel“ bei Bachl kein Amazon-Logistikzentrum entstehe.