Schritt fällt schwer: Biergarten „Auf der Schanze“ in Cham schließt – Betreiber nennen Gründe

Gerade sind die heißesten Tage des Jahres, optimales Biergartenwetter - doch ab Freitag schließt der traditionelle Biergarten Auf der Schanze in Cham seine Pforten.
Gerade sind die heißesten Tage des Jahres, optimales Biergartenwetter – doch ab Freitag schließt der traditionelle Biergarten Auf der Schanze in Cham seine Pforten.
Aus gesundheitlichen Gründen treten die Pächter Christine und Andreas Babl erst einmal kürzer, teilt Andreas Babl mit. Im kommenden Jahr soll es aber weitergehen, verspricht das Wirtspaar, das nach dem überraschenden Tod des Vorpächters Stephan „Fidi“ Fiedler vor acht Jahren den Biergarten weiterbetrieben hatte. Die Zeit bis zum kommenden Frühjahr soll nun auch gleich für notwendige Sanierungsmaßnahmen am Biergarten genutzt werden.
Wir haben gesagt, wenn es die Gesundheit nicht mehr zulässt, müssen wir eben zulassen
Andreas Babl, Biergarten-Wirt
In den kommenden zwei, drei Wochen werden die Babls mit ihren Helfern den Biergarten quasi einwintern. „Für uns ist jetzt quasi Herbst“, sagt Andy Babl. Aufräumen, Möbel verstauen, putzen stehen auf der Tagesordnung. Entgegen kommt es dem Wirts-Ehepaar, dass der Biergarten erst im vergangenen Jahr von der Unternehmergruppe Josef Rädlinger gekauft worden ist – wo Andreas Babl als Hausmeister beschäftigt ist. „Auf dem kleinen Dienstweg kommt uns der Chef da eigentlich super entgegen“, ist Babl dankbar.
Entscheidung zur Schließung fiel erst am Montag
Der Schritt, den Biergarten mitten in der Saison zu schließen fällt schwer, merkt man Babl an – doch die Doppelbelastung mit normalem Job, Biergarten und dem Kampf gegen die Krankheit fordert zu großen Tribut. „Es geht einfach nicht mehr“, sagt Babl. Erst am Montag hat sich das Paar endgültig zu diesem Schritt entschieden. Die Behandlungsintervalle zehren an der Kraft der Wirtin, die eigentlich überall bekannt dafür ist, rund um den Biergarten stets Vollgas zu geben. Andy Babl kommt sogar noch ein kleiner Wortwitz über die Lippen: „Wir haben gesagt, wenn es die Gesundheit nicht mehr zulässt, müssen wir eben zulassen.“

Zum Thema: Ein Biergarten mit regionalem Fokus: Das Essen kommt direkt aus dem Landkreis Cham
Die Gerüchteküche hatte schon seit einiger Zeit immer einmal wieder den Abgesang auf den Biergarten mit Aussicht durchgekocht – sodass sich die Betreiber sowohl im vergangenen Jahr als auch auch heuer zu einer öffentlichen Stellungnahme genötigt sahen. Diesmal müssen die Stammgäste tatsächlich in den sauren Apfel beißen. Die Plätze unter den riesigen eingewachsenen Kastanienbäumen, die auch bei höchsten Temperaturen kühlen Schatten spenden, bleiben ab Freitag leer. „Die Kastanienbäume und die Linde sind ungefähr 140 Jahre alt“, weiß Babl.
Manche Stammgäste kommen täglich
Dabei hatte das Paar erst heuer wieder einige Neuerungen eingeführt, auch neues Geschirr und neue Speisekarten sollten den Gästen wieder Lust auf Biergarten machen.
Doch an den Gästen liegt es ohnehin nicht - für die haben die Babls stets ein großes Lob parat: „Jeder, der zu uns kommt, isst eigentlich sogar etwas“, hatte Wirtin Chipsy vor wenigen Wochen noch ganz offen gesagt. „Wir haben Stammgäste, die kommen von 100 Öffnungstagen 95-mal“, rechnet ihr Mann vor. „Die Leute sind von ganz jung bis 95“, weiß Babl, und über die Jahre habe man da natürlich Beziehungen aufgebaut. „Da schmerzt es doppelt, dass wir jetzt zumachen müssen.“
Auch auf das Biergarten-Personal lassen Andreas und Chipsy Babl nichts kommen. Über 30, vornehmlich langjährige treue Mitarbeiter halten den Biergarten bei schönem Wetter am Laufen. „Bis jetzt hat noch keiner gesagt, dass er nächstes Jahr nicht mehr kommt“, freuen sich die Babls. „Ein Drittel der Bedienungen ist von Tag 1 dabei“, beschreibt der Chef, wieso er sich auf seine Leute hundertprozentig verlassen kann – auch zuletzt, wo seine Frau oft nicht mehr im Vollgas-Modus arbeiten konnte.
Noch im Mai hatten die Babls voll Vorfreude auf ihre achte Saison geblickt, Veranstaltungen wie das Sposauessen an Fronleichnam angekündigt und voll Stolz darauf verwiesen, dass sie fast zu hundert Prozent auf Regionalität setzen. Aber es helfe alles nichts. „Jetzt konzentrieren wir uns erst einmal auf die Gesundheit, und im kommenden Jahr können wir dann hoffentlich wieder ganz normal die Saison starten.“
Sanierung steht im Herbst an
Während der Schließzeit will der Verpächter die ohnehin dringend sanierungsbedürftige Mauer von der Schanze vor Richtung Brillengeschäft ausbessern. „Das sollte im Herbst saniert werden, eventuell kann man da jetzt früher anfangen“, sagt Babl.