Wie der Baulöwe zum Biergarten kommt: Die Immobilienpläne der Firma Rädlinger in Cham

Was passiert eigentlich mit dem riesigen Grüneißl-Areal in der Chamer Stadtmitte? Seit einiger Zeit ist es in den Händen der Unternehmensgruppe Josef Rädlinger. Der Baulöwe – immer wieder für Überraschungen gut – hat nun ein zweites Mal zugeschlagen: Jetzt gehört ihm auch der Biergarten Auf der Schanze. Aber was will er damit? Fragen, die Josef Rädlinger gemeinsam mit seinem Geschäftsführer Rüdiger Altmann beantwortet.
Die einfachere Immobilie ist sicher der Biergarten. Aber was will ein Baulöwe mit einem Biergarten? – In Ruhe mal ein Bier trinken... könnte er. Ist ja schließlich sein Bier. „Jetzt schon“, sagt Rädlinger und lacht. Aber im Ernst: Was wird das? Was bringt das?
„Das wird nix, das bleibt so!“
Das wird nix, sagt Rädlinger, weil es bleibt, wie es ist, weil es gut ist, wie es ist. „Es ist, was es ist: ein wunderschöner Biergarten in einer tollen Lage. Und deswegen bleibt das auch so.“ Dann schaut Josef Rädlinger zu seinem Mitgeschäftsführer Rüdiger Altmann: „Soll ich es einfach so sagen...?“ Altmann zuckt die Schultern und Rädlinger sagt es: „Das Ganze war einfach ein schöner Zufall!“ Der Betreiber des Biergartens, Andreas Babl, ist gleichzeitig Hausmeister bei Rädlinger. Als die Immobilie auf dem Markt war, erfuhr Rädlinger das schnell und schlug zu.
Aber wozu? Was macht ein Baulöwe mit einem Biergarten? „Ich hab das für meine Firma gekauft, weil das Objekt wunderschön ist. Es soll dazu führen, dass die Mitarbeiter sich damit identifizieren. Es würde mich freuen, wenn sie irgendwann sagen: Heute gehen wir in unseren Biergarten. Firmenintern haben wir das Kloster, in dem die Mitarbeiter essen gehen können. Jetzt kommt ein Biergarten dazu.“ Der bleibt natürlich öffentlich, verspricht Rädlinger. Im Mai soll er wieder eröffnen – entgegen aller anderslautenden Gerüchte.
Der schwierige Fall
Der schwierigere Fall ist das Grüneißl-Areal. Alleine das Gebäude hat 2000 Quadratmeter Grundfläche und ist fünf Stockwerke hoch — genauso hoch wie die benachbarte Frey-Passage. Zum Umgriff gehören aber bis hinauf zur Fuhrmannstraße noch das ehemalige Dimpfl-Wirtshaus und die Gebäude der Metzgerei Frisch. Der Umgriff ist nicht nur riesig, sondern auch zentral. Für die Stadt Cham ist der Leerstand eine Schlüssel-Immobilie, wenn es um die Belebung der Altstadt geht.
Genau da liegt aber auch das Problem für die Unternehmensgruppe Rädlinger, die seit längerem Besitzer ist. „Erst wollten alle Gewerbe. Dann hieß es: Wir brauchen Wohnen. Jetzt fehlen Studentenwohnungen“, umreißt Rädlinger den Wandel von Zeit und Anforderung.
Die Unternehmensgruppe hat eines ihrer jüngsten Kinder auf das Projekt angesetzt: Living+ soll es richten. „Qualitativ hochwertigen, energieeffizienten und zukunftsweisenden Wohnraum schaffen und an Eigennutzer und Kapitalanleger verkaufen.“ – Das hat sich das Tochterunternehmen auf die Fahnen geschrieben.
„Gut Ding will Weile haben“, sagt Rädlinger und begründet damit, dass es noch dauern wird. Rüdiger Altmann gibt ein Beispiel dafür, dass es komplizierter ist, als einfach nur Studentenwohnungen bauen zu wollen: „Bei den riesigen Maßen braucht man einen entsprechend großen Innenhof, um die Belichtung herzubringen.“ Rädlinger beleuchtet den zweiten Teil des Problems: „Dadurch fehlt ein Teil der Fläche, aber es muss die Nutzung stimmen, die Optik und die Funktion. Und am Ende muss es bezahlbar bleiben, für die, die dort wohnen sollen.“
Knackpunkt und Zeitpunkt
Genau das sei am Ende der Knackpunkt: Man müsse sich erst einmal damit befassen, was genau gebraucht wird und dann den Bedarf decken. „Wir sind gerade in Regensburg dabei, 19 Wohnungen zu schaffen. Der Wandel ist da — aber was heißt das? Wir versuchen gerade die Frage zu beantworten, wie das Wohnen der Zukunft in Cham aussehen wird. Aber dann bauen wir“, verspricht Rädlinger. Einen Zeitpunkt will er sich dabei aber nicht setzen.
