Wer kommt nach Landrat Franz Löffler? Der Landkreis Cham sucht den Kronprinzen

Die CSU ringt hörbar nach Fassung und sucht nun den Kronprinzen, der Landrat Franz Löffler beerben soll. „Das werden wir nie vergessen. Das war ein ziemlich unerwarteter Einschnitt für uns alle“, umschreibt der CSU-Kreisvorsitzende Dr. Gerhard Hopp die Reaktion der CSU-Oberen auf die Ankündigung von Franz Löffler, am 8. März 2026 nicht mehr zur Wahl anzutreten. Und auch die anderen Parteien sind bereits auf der Suche nach Kadidaten.
Die Versammlung hat laut Hopp mit stehenden Ovationen reagiert und nach einer gewissen Erholungsphase auch Verständnis gefunden für die Entscheidung des Landrats. Kann es wirklich sein, dass niemand vorher etwas geahnt hat? Gerhard Hopp hat dafür eine Erklärung: „Es stimmt ja, dass der Franz jeden Tag 120 Prozent gegeben hat. Und dann kommt er aus vollem Lauf und verkündet so was...“
Schon bald ein Kandidat
„Auf so was kann man sich nicht vorbereiten. Das war ein besonderer Abend“, sagt der CSU-Kreisvorsitzende. Jetzt hat er eine ganz besondere Aufgabe vor der Brust. „Ich habe den Auftrag, mit allen zu reden, die als Kandidaten infrage kommen.“ Und wer wäre das? Hopp lacht und lässt sich nicht locken: „Das weiß ich, wenn ich mit ihnen geredet habe. Ziel ist ein gemeinsamer Kandidat vor der Sommerpause.“
Natürlich haben wir nachgehakt: Wie wäre es zum Beispiel mit einem Landrat Dr. Gerhard Hopp? „Nein“, sagt der Landtagsabgeordnete ganz offen. „Nein, das kommt für mich nicht infrage. Ich bin als Abgeordneter gewählt und habe da ein Mandat. Das werde ich weiter wahrnehmen.“
Wird es ein Bürgermeister?
Als Erste ins Visier der Kronprinzen-Suche geraten immer die Bürgermeister. Deren Chef ist das Arnschwanger Gemeindeoberhaupt Michael Multerer. Er ist an diesem Tag der Einzige, der im Gespräch mit unserer Zeitung nichts ausschließt: „Ich werde mir in Ruhe anschauen, was da kommt. Und mit mir hat diesbezüglich auch noch keiner geredet.“
Multerer weiß aber aus eigener Anschauung, dass es schwierig wird. „Es gibt sicher auch andere Kandidaten, die qualifiziert wären. Aber ein Bürgermeister weiß halt, was Entscheidungen im Landkreis für die Basis bedeuten. Wenn der Landrat zum Beispiel die Kreisumlage erhöht, dann reißt das Löcher...“
„Das ist eine lebensverändernde Entscheidung“
Klar müsse sich ein Bürgermeister erst gegen sein eigenes Amt entscheiden. Multerer sieht das unspektakulär: „So ist das Geschäft. Jeder muss sich jetzt nach dem ersten Schreck die Zeit nehmen und überlegen, ob er sich das zutraut. Das könnte nach einem Franz Löffler die erste große Hürde werden, weil niemand sich gerne mit ihm vergleichen lassen will.“ Und Multerer sagt auch: „Das ist eine lebensverändernde Entscheidung, wenn man in diesen Wahlkampf zieht.“
Das ist eine lebensverändernde Entscheidung, wenn man in diesen Wahlkampf zieht“
Michael Multerer, Arnschwanger Bürgermeister
Das macht das Unterfangen aber auch kompliziert. Denn viele Bürgermeister sitzen gut im Sattel und haben sich eine sichere kommunalpolitische Grundlage erarbeitet. Zu ihnen gehört der Chamer Bürgermeister Martin Stoiber. Der sagt es indirekt: „Ich werde beim Sommerempfang von Stadt und Bundeswehr sagen, dass ich auch 2026 gerne Bilanz ziehen würde, wie es Cham geht.“ – So klingen Absagen.
Zeit für die Jungen?
Markus Müller, Bürgermeister in Neukirchen b. Hl. Blut und Vizelandrat, ist außerdem Geschäftsführer der Hohenbogenbahn, verweist auf diese Mehrfachbelastung und auf lange Jahre kräftezehrender politischer Arbeit und sagt dann: „Ich werde nächste Woche 58 und gehe stramm auf die 60 zu. Irgendwann ist es genug, und Junge müssen ran!“ Er habe auf allen Ebenen, in der Gemeinde und in der Arbeit große Herausforderungen auf dem Tisch.
Irgendwann ist es genug und Junge müssen ran
Markus Müller, Bürgermeister von Neukirchen beim Hl. Blut
Gerade als Bürgermeister stehe man oft recht alleine da und müsse viel aushalten. „Das ist kräfteraubend – körperlich und mental“, sagt Müller. Durchgehalten habe er das oft genug nur mit Rückendeckung seiner Frau Marion. – Auch keine Zusage.
„Einfach wird das nicht“
Dann wäre da noch auf der Kronprinzen-Liste der Further Bürgermeister und Vizelandrat Sandro Bauer, der gerade mit Furth im Wald die Gartenschau wuppt. Der sagt es ganz deutlich: „Ich habe es für mich und den CSU-Vorstand klar beantwortet. Wir haben mit der Gartenschau jetzt eine super Basis geschaffen. Da will ich weiter dran arbeiten, dass diese Stimmung bleibt. Und ich will auch die Herausforderungen bewältigen. Ich werde als Bürgermeister nicht abgehen und einen Schuldenberg hinterlassen, damit andere sagen können: Jetzt geht er.“
Bauer sieht aber auch ein Luxusproblem: „Die CSU hat Auswahl. Wir werden einen guten Kandidaten haben. Man wird als Landrat nicht geboren, aber jeder, der die Veranlagung dazu hat, kann in die Fußstapfen hineinwachsen. Einfach wird das aber nicht.“
Was machen die anderen Parteien?
Mit dem Rückzug von Franz Löffler aus der Kreispolitik hat sich die Ausgangssituation für die Wahl des Chamer Landrats im März 2026 entscheidend verändert. Die Parteien jenseits der CSU geben sich bis jetzt zurückhaltend. Deutlich werden nur die, die nicht antreten wollen.
Respekt für seine Entscheidung erntet Landrat Löffler auch von den Freien Wählern. Keinen Hehl machen die Mandatsträger aber draus, dass sich auch für ihre Partei die Voraussetzungen bei der anstehenden Wahl verändert haben. „Das gibt Raum für frischen politischen Wind“, sagt FW-Landtagsabgeordneter Julian Preidl.
Freie Wähler wollen Erfahrung einbringen
Der war 2020 als Gegenkandidat von Löffler angetreten und hatte mit 12,6 Prozent das beste Ergebnis aller Gegenkandidaten erreicht. Ansporn, es wieder zu versuchen? „Die Freien Wähler sind stark im Landkreis Cham“, sagt Preidl. „Aufgestellt hätten wir sowieso einen Kandidaten, der viel Erfahrung mitbringt“. Ansonsten hält er sich bedeckt, Gespräche im Hintergrund liefen bereits. Offen wolle er zu diesem Zeitpunkt lassen, ob er mit „Erfahrung“ die allgemeine Lebenserfahrung oder die im politischen Amt meine. Am Ende solle es der Kandidat werden, der für die Bürger des Landkreises die beste Option sei. Die Auswahl zwischen neuen Kandidaten biete ganz andere Möglichkeiten als der Kampf gegen einen Amtsinhaber.
Es gibt keinen großen Zeitdruck"
Christian Schindler, Kreisvorsitzender der Freien Wähler
Ähnlich zurückhaltend äußert sich auch der Kreisvorsitzende der Freien Wähler, Christian Schindler: „Schau mer mal.“ Die Entscheidung des Amtsinhabers, die auch ihm Respekt abnötige, erhöhe für die Freien Wählern die Wahrscheinlichkeit für eine Amtsübernahme. Großen Zeitdruck gebe es nicht. Wichtiger sei, sich intern gut abzustimmen und die Chance zu nutzen. Einen Zeitplan gebe es intern natürlich, doch sei es noch zu früh, um darüber zu reden.
Die Alternativen der Freien Wähler
Beim Blick auf die Mandatsträger der Freien Wähler im Landkreis gibt es zwei mögliche Kandidaten, die sich bereits als Bürgermeister größerer Städte profiliert haben. Einer davon ist Bad Kötztings Bürgermeister Markus Hofmann, der in der Pfingstrittstadt seit 2014 im Chefsessel im Rathaus sitzt. Von ihm gibt es eine klare Aussage: „Ich stehe für eine Kandidatur nicht zur Verfügung.“ Bürgermeister seiner Heimatstadt zu sein mache ihm immer noch sehr viel Spaß. „Da habe ich keine weiteren Ambitionen“, sagt er.
Auch die Rodinger Ratshauschefin Alexandra Riedl winkt ab. „Ich bin Rodingerin und würde sehr gern auch nach der nächsten Wahl Bürgermeisterin in Roding sein“, sagt sie.
Julian Preidl hält sich bedeckt
Verständlich sind die Aussagen auch deshalb, weil ein Bürgermeister nicht einfach auch als Landrat kandidieren kann. Beide Wahlen finden gleichzeitig statt, und wer statt als Bürgermeister für den Posten als Landrat kandidiert, aber durchfällt, steht letztlich ohne Mandat da und damit ohne Job.
Einfacher hätte es da Löfflers Gegenkandidat aus dem Jahr 2020: Julian Preidl sitzt mittlerweile im Landtag und hätte, wäre er auch 2026 der Kandidat der Freien Wähler, bei erfolgreicher Wahl einen Nachrücker für seinen Sitz im Maximilianeum – bei einer Wahlniederlage bliebe ihm sein Mandat in München sicher. Preidl selbst sagt dazu nur so viel: „Ich bin 30 Jahre alt und möchte noch lange in der Politik bleiben, wenn mir der Wähler seine Stimme gibt.“
Die AfD macht es nichtöffentlich
Die AfD – bei der Bundestagswahl 2024 zweitstärkste Partei im Kreis – hält sich derzeit bedeckt. Er hoffe, dass es einen Landratsbewerber geben werden, sagt Bundestagsabgeordneter Reinhard Mixl, der auch Vorsitzender des Kreisverbandes Schwandorf-Cham ist.
Im Laufe des Juli werde die Partei in nicht-öffentlicher Versammlung die Kreistagsliste ausstellen und möglicherweise auch einen Landratsbewerber küren. Danach werde man dann die Öffentlichkeit informieren. Dass der Amtsinhaber nicht mehr antritt, spiele für die Überlegungen der AfD keine Rolle.
SPD und Grüne noch unentschieden
Bei der SPD ist noch keine Entscheidung gefallen, wer für die Sozialdemokraten ins Rennen gehen soll. Noch steht nicht einmal fest, ob es überhaupt einen roten Kandidaten geben wird. „Darüber haben wir noch nicht entschieden“, sagt Kreisvorsitzender Steve Brachwitz. Weit fortgeschritten sei aber die Aufstellung der Kreistagsliste, sagt er.
Ähnlich ist die Lage bei den Chamer Grünen. „Wir haben das noch nicht entscheiden“, sagt Kreisvorsitzende Andrea Leitermann. Es stehe auch noch nicht fest, bis wann sich die Partei bei diesem Thema festlegen wolle.
Kommentar
von Johannes Schiedermeier
Das hat die CSU noch nie so richtig gekonnt: Kronprinzen. Wer auch immer vorne dran stand, der stand da auch alleine. Und mal ganz ehrlich: Selbst wenn sich hinter der gewaltigen menschlichen und politischen Statur eines Franz Löffler ein Kronprinz aufgebaut hätte... Ein solches Dasein hätte sogar ein richtig widerstandsfähiges Schattengewächs überfordert.
Jetzt haben sich etliche der starken Bürgermeister bereits eingerichtet auf eine Kommunalwahl im eigenen Umfeld. Und dann sowas...
Wie hat einer von ihnen treffend gesagt: „Wenn du nach dem Löffler diesen Job machst, dann musst du ein bisserl irre sein – wehe du schreibst, dass ich das gesagt hab!“ So sieht’s aus: Der Landrat Franz Löffler hinterlässt nicht nur gewaltige Fußstapfen, sondern auch gewaltige Aufgaben wie die regionale Energieversorgung, ÖPNV, Breitband...
Grundsätzlich müsste der Wahlkampf eine „g’mahde Wiesn“ sein – so wie dieser Landkreis gerade dasteht. Dagegen gibt es wenig Argumente. Weil aber andere sich mit Argumenten nicht beschäftigen, sondern nur mit schrillen Tönen punkten wollen, wird dieser Wahlkampf wohl einer der ungemütlichsten in der Geschichte werden. Nicht gerade Kronprinzen-Wetter...
Am Ende wagen wir trotzdem einen Tipp: Michael Multerer macht’s.