2025 sind im Landkreis Cham viele Fragen offen und es gibt neue Prioritäten: Wirtschaft und Sicherheit

Von Johannes Schiedermeier · 22. Dezember 2024 um 19:00

„Wie war Ihr Jahr, Herr Landrat?“ – Man müsste meinen, dass das für einen wie Franz Löffler eine Frage wäre, die er mit links beantworten kann. So einfach war die Sache in diesem Jahr aber nicht. Denn 2024 war ein Jahr, das eigentlich für den Landkreis ganz gut lief, aber schon viele schlechte Vorzeichen hatte.

Anfangs schien der Landkreis wie so oft eine Insel der Seligen, als andere längst den Krisenmodus ausgerufen hatten. Doch dann wurde irgendwann klar, dass es auch die Region am Regen treffen würde. „Drei große Firmen insolvent, Kurzarbeit bei anderen. Manche hatten noch eine gute Auftragslage, aber alle, die mit Automotive zu tun haben, müssen kämpfen“, zählt der Landrat auf.

Haushalt als Kraftakt

Noch ist das Jahr nicht zu Ende, und der Landkreis arbeitet an seinem Haushalt. Und jetzt offenbart sich auch der Grund, warum der Landrat gezögert hat bei der Antwort auf die Frage, wie sein Jahr eigentlich so gewesen ist: Es ist noch nicht einmal ganz klar, wie es enden wird. Und schon gar nicht, wie es weitergeht. Der Haushalt wird ein Kraftakt werden. Die Lasten drücken von oben nach unten. Der Bund entscheidet kaum mehr etwas, das Land spart, die Ausgaben beim Bezirk steigen, der Landkreis muss das buckeln, und mache Kommune, die schon schwächelt, jammert nun über die Erhöhung der Kreisumlage, die in Aussicht steht.

Da steht er mittendrin, der Landrat Franz Löffler, der auch Bezirkstagspräsident ist. „Jetzt ist die entscheidende Phase“, sagt er. Und: „Wir können die Welt hier in Bayern nicht retten.“ Eine entscheidende Stellschraube sei eine Bundestagswahl. Der Landrat hält mit seiner Lieblingslösung nicht hinter dem Berg: „Eine stabile Zweier-Koalition, die wieder entscheidet und führt!“

Neue Prioritäten: Wirtschaft und Sicherheit

Löffler hat beobachtet, wie sich auch im Landkreis innerhalb eines Jahres die Prioritäten geändert haben. Von Migration und Klima hin zu Wirtschaft und Sicherheit. Er versteht das: „Wenn die Menschen Angst um ihren Arbeitsplatz und um ihre Sicherheit haben,, dann wird alles andere zweitrangig.“

Es könne eben keinen Klimaschutz geben, wenn der nicht über eine funktionierende Wirtschaft gegenfinanziert werde, sagt der Landrat ein. Er räumt aber auch den Umlehrschluss ein: Was nützt eine funktionierende Wirtschaft, wenn das Klima kriselt. Man müsse beides im Auge behalten. Trotzdem bleibe die Wirtschaft eine wichtige Voraussetzung.

Die Anzeichen der Krise

Löffler sieht, dass sich die Anzeichen einer dauerhaften Krise häufen: „Es gibt Kommunen und so manchen Landkreis, da wird die Genehmigungsfähigkeit des Haushalts eine echte Herausforderung“, sagt Löffler. Sein Grundsatz: Es darf keine Schulden im Bereich des Verwaltungshaushalts geben, wohl aber bei Innovation und Bildung. „Wer sich an diese Grundsätze nicht hält, der geht an die Substanz. Und dann ist es schnell vorbei“, sagt Löffler.

Der Landkreis habe auch in der Vergangenheit nie über seine Verhältnisse gelebt. Das sei im Moment aber nur möglich, weil man sehr früh die Weichen bei den Krankenhäusern in die richtige Richtung gestellt habe.

Die Standards prüfen

Der Landrat sieht keinen Weg vorbei an der Prüfung der Standards im sozialen Bereich und in der Jugendhilfe, wo die Kosten derzeit aus dem Ruder zu laufen drohen. „Wir dürfen niemanden alleine lassen, aber wir müssen darüber nachdenken, was wirklich notwendig ist. Löffler denkt zum Beispiel an die Raumprogramme: „Eine gute Pflege ist noch nie an ein paar Quadratmetern weniger Raum gescheitert, oder an einer weniger aufwendigen Sanierung!“ Es müsse unbedingt weiter Raum bleiben für Investitionen in Innovation und Bildung.

Auch das Thema Sicherheit sei durch den russischen Angriffskrieg und die Bedrohungssituation für die Nato-Staaten ganz anders in den Köpfen der Menschen. Löffler hält nichts davon, die Problematik hinter verschlossenen Türen zu verhandeln, um das Volk nicht zu beunruhigen. „Da bin ich absolut für Transparenz.“ Die Menschen müssten wissen, wenn der Staat zum Beispiel wieder Bunker saniere. „Wir müssen den Leuten auch klar sagen, dass an einer Wehrpflicht – in welcher Art auch immer – kein Weg vorbeiführen wird, wenn man sieht, dass in der mittleren Führungsebene 35 Prozent der Stellen in der Freiwilligen-Armee nicht besetzt sind. Es wird nichts helfen, die Augen zu verschließen.“

Bewegung im Klimaschutz

Beim Katastrophenschutz sei der Landkreis gut aufgestellt. Das habe man immer wieder bewiesen bei Hochwassern, Sturm und Starkregen.

Auch in Sachen Klimaschutz und Nachhaltigkeit habe sich im Landkreis viel bewegt. 20 Hektar Blühwiesen gebe es in den Gärten der Bewohner, 20 weitere Hektar habe der Landkreis angelegt. 500 Obstbäume würden alljährlich durch den OGV angepflanzt. 72 Prozent des Stroms wird laut Löffler inzwischen im Landkreis aus regenerativen Energien erzeugt. Nun gelte es, nicht nur die Stromnetze intelligenter aufzustellen und aufnahmefähiger zu machen. Man müsse auch tatsächlich liefern, was man dem Netzbetreiber als Planung übergebe. Allerdings gebe es beispielsweise durch Flächenphotovoltaik auch wieder viel Druck auf den Erwerb landwirtschaftlicher Flächen. Das mache den Ankauf von Uferflächen und Biotopvernetzungen schwieriger.

Und dann war da noch die Frage, die wir am Ende immer stellen: Tritt der Landrat nochmal an? Erst fordert Löffler eine andere Frage, dann sagt er, dass er sich noch nicht weiß, wie es 2026 weitergeht. Das Thema hat sich irgendwie durch dieses Jahresgespräch gezogen...